Wohnungspolitik von Bauexperten : Offene Gesellschaft und bezahlbare Mieten
Der Verband der Baustoffhändler fordert aktivere Baupolitik der Bundesregierung. Und erklärt ihr nebenbei, warum Migration und günstige Mieten wichtig sind.
Foto: Hannes P. Albert/dpa
W enn Friedrich Merz eins kann, dann der Wirtschaft Vorrang geben. Und auf Platz 2 seiner Jetzt-aber-mal-to-do-Liste dann noch das Wachstum setzen. Weil ohne läufts nicht. Glaubt der Kanzler. Wie gut, dass nun parallel zur Selbstbeweihräucherung der Koalition in Neuhardenberg mal jemand dem Kanzler erklärt, was er denn machen könnte, um die Wirtschaft in Schwung bringen. Zwei Dinge: Mehr bezahlbare Wohnungen bauen! Und: Mehr Migrant:innen ins Land holen!
Das Überraschende dabei ist nicht mal, dass das eine mit dem anderen zusammenhängt – sondern von wem es kommt. Denn die passende Studie hat der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel vorgelegt. Und der ist nicht gerade verdächtig für linke Spinnereien in Wohnungs- und Migrationspolitik. Ganz im Gegenteil kann man der Branchenlobby eine gewisse Wirtschaftskompetenz zusprechen. Somit besteht die Hoffnung, dass vielleicht sogar ein Kanzler mal zuhört.
Denn bei dem vom Verband vorgelegten „Baumonitor 2026“ handelt es sich nicht um die erwartbare Selbstdarstellung einer wichtigen Branche. Stattdessen liefert er in einem schlüssigen Dreisatz die scharfe Analyse, warum Wohnungsbau quasi die Grundlage allen Seins ist. Wirtschaft, heißt es da, kann nur dann boomen, wenn die Menschen genug arbeiten. Das predigt ja auch Merz immer wieder gern.
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Anders als der Kanzler kommt die Studie aber zu dem Schluss, dass die Erwerbsfähigen – gerade im höheren Alter – nicht nur längst viel mehr schuften als früher, sondern dass diese Zitrone nahezu ausgepresst ist. Mehrarbeit kann also nur durch mehr Arbeiter:innen erledigt werden. Und da Deutsche kaum noch nachwachsen, bleibt nur mehr Migration ins Land. Da die neuen Mitbürger:innen aber auch ein Dach überm Kopf brauchen, müssen neue und vor allem günstige Wohnungen her.
Anders gesagt: Eine offene Gesellschaft mit bezahlbaren Mieten müsste nicht nur das Ziel, sondern sogar der Ausgangspunkt für alle Wirtschaftsfans sein. Fragt sich nur, ob der Kanzler das auch versteht.
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