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Wohnungspolitik von Bauexperten Offene Gesellschaft und bezahlbare Mieten

Gereon Asmuth

Kommentar von

Gereon Asmuth

Der Verband der Baustoffhändler fordert aktivere Baupolitik der Bundesregierung. Und erklärt ihr nebenbei, warum Migration und günstige Mieten wichtig sind.

W enn Friedrich Merz eins kann, dann der Wirtschaft Vorrang geben. Und auf Platz 2 seiner Jetzt-aber-mal-to-do-Liste dann noch das Wachstum setzen. Weil ohne läufts nicht. Glaubt der Kanzler. Wie gut, dass nun parallel zur Selbstbeweihräucherung der Koalition in Neuhardenberg mal jemand dem Kanzler erklärt, was er denn machen könnte, um die Wirtschaft in Schwung bringen. Zwei Dinge: Mehr bezahlbare Wohnungen bauen! Und: Mehr Mi­gran­t:in­nen ins Land holen!

Das Überraschende dabei ist nicht mal, dass das eine mit dem anderen zusammenhängt – sondern von wem es kommt. Denn die passende Studie hat der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel vorgelegt. Und der ist nicht gerade verdächtig für linke Spinnereien in Wohnungs- und Migrationspolitik. Ganz im Gegenteil kann man der Branchenlobby eine gewisse Wirtschaftskompetenz zusprechen. Somit besteht die Hoffnung, dass vielleicht sogar ein Kanzler mal zuhört.

Denn bei dem vom Verband vorgelegten „Baumonitor 2026“ handelt es sich nicht um die erwartbare Selbstdarstellung einer wichtigen Branche. Stattdessen liefert er in einem schlüssigen Dreisatz die scharfe Analyse, warum Wohnungsbau quasi die Grundlage allen Seins ist. Wirtschaft, heißt es da, kann nur dann boomen, wenn die Menschen genug arbeiten. Das predigt ja auch Merz immer wieder gern.

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Anders als der Kanzler kommt die Studie aber zu dem Schluss, dass die Erwerbsfähigen – gerade im höheren Alter – nicht nur längst viel mehr schuften als früher, sondern dass diese Zitrone nahezu ausgepresst ist. Mehrarbeit kann also nur durch mehr Ar­bei­te­r:in­nen erledigt werden. Und da Deutsche kaum noch nachwachsen, bleibt nur mehr Migration ins Land. Da die neuen Mit­bür­ge­r:in­nen aber auch ein Dach überm Kopf brauchen, müssen neue und vor allem günstige Wohnungen her.

Anders gesagt: Eine offene Gesellschaft mit bezahlbaren Mieten müsste nicht nur das Ziel, sondern sogar der Ausgangspunkt für alle Wirtschaftsfans sein. Fragt sich nur, ob der Kanzler das auch versteht.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Gereon Asmuth

Gereon Asmuth Ressortleiter taz-Regie

Leiter des Regie-Ressorts, das die zentrale Planung der taz-Themen für Online und Print koordiniert. Seit 1995 bei der taz. 2000 bis 2005 stellvertretender Leiter der Berlin-Redaktion. 2005 bis 2011 Leiter der Berlin-Redaktion. 2012 bis 2019 Leiter der taz.eins-Redaktion, die die ersten fünf Seiten der gedruckten taz produziert. Hat in Bochum, Berlin und Barcelona Wirtschaft, Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und ein wenig Kunst studiert. Mehr unter gereonasmuth.de. Bluesky:@gereonas.bsky.social Mastodon: @gereonas@social.anoxinon.de Foto: Anke Phoebe Peters
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16 Kommentare

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  • Aurego

    Der Neubau von heute ist der Leerstand von morgen. Da durch die demographische Entwicklung durchaus zu mehr Leerstand führt, sollten wir mit Neubau sehr vorsichtig umgehen. Es nützt nichts und ist ökonomisch gefährlich, zu viel Leerstand zu erzeugen, da dies zu einem Rückgang des Immobilienvermögens führt, das für die Wirtschaft insgesamt ein wichtiger Stabilitätsanker ist.

  • Günter Witte

    Deutschland hat nicht zu wenige Wohnungen, laut Zensus (2022) stehen 2 Millionen Wohnungen leer. Es ist purer Luxus das wir über Steuermilliarden Personen ermöglichen dort zu wohnen wo es teuer ist. Würde man den vorhandenen Wohnraum konsequent nutzen würde sich auch die Marktlage in den Städten entspannen, die Mieten würden dann auch wieder fallen.

    • Sole Mio

      @Günter Witte:

      Das sind Wohnungen und komplette Wohnhäuser die zu Anlagezwecken leer stehen, da auf einen steigenden Immobilienpreis gewettet wird.

      Dagegen ist schwer vorübergehen.

      Was jedoch immer noch hilft und die beste Medizin darstellt , ist Angebot und Nachfrage

      Sobald viel mehr gebaut wird und dem Markt mehr Wohnungen zur Verfügung stehen, also das Angebot steigt, wird auch das Geschäftsmodell der leerstehenden Immobilien weniger lukrativ.

      Kurz gesagt: „Ein steigendes Angebot ist die Angst des hohen Preises“

    • Axel Schäfer

      @Günter Witte:

      Klaro und die Pflegekraft in der teuren Großstadt pendelt einfach mal täglich hunderte Kilometer von dort wo Wohnem billig ist.



      Passt ja gerade auf Sachsen-Anhalt, kein Wohnungsmangel aber dafür auch keine Arbeit und 40% Wähler denen man nicht im Dunkeln begegnen möchte.

  • AuchNeMeinung

    Der Baustoffverband hat uneingeschränkt recht mit der Feststellung das wir mehr Migration benötigen und mehr bezahlbaren Wohnraum.

    Dabei ist Wichtig festzuhalten mit Migration ist eine qualifizierte Einwanderung in das Wirtschaftssystem und nicht die unkontrollierte Einreise von Flüchtlingen aus sicheren Drittstaaten.

    Was Deutschland als Einwanderungsland bräuchte sind klare und nachvollziehbare Regeln was der Migrant mitzubringen hat, so wie in Dänemark, Kanada bzw Australien bzw die USA.



    Des weiteren müssen dann alle amtlich abgelehnten Flüchtlinge auch zur Ausreise gebracht werden.

    Der größte Preistreiber auf dem Bau ist der Staat mit den direkten oder indirekten Abgaben bzw Steuern.



    Dabei könnte man von der Grunderwerbssteuer bis zur Mehrwertsteuer vieles beeinflussen. Auch attraktive Sonderabschreibungen sind dabei wichtig.



    Aktuell kann man im Neubau nicht unter 13 -14€/m2 kostendeckend vermieten.

    • blutorange

      @AuchNeMeinung:

      "Unkontrollierte Einwanderung aus sicheren Drittstaaten". Und was sicher ist, legt wer fest? Flucht ist meist mit einigen Strapazen, Gefahren und Kosten verbunden. Wenn man nicht die Möglichkeit hat, mit dem SUV rüberzukommen (z.B. Ukraine). Hängt die Erklärung, wer in seinem Staat sicher ist, dann also davon ab, was der Mensch für eine Qualifizierung mitbringt? Halte ich für extrem unmenschlich. Dass USA und Kanada das so machen, ist kein Argument für Menschlichkeit.



      Wie wäre es denn mit besserer Prüfung und Anerkennung ausländischer Abschlüsse, allgemein leichterem Zugang zu Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten und guten Deutschkursen für alle?

      • Sole Mio

        @blutorange:

        Wir haben einfach nicht mehr die Kapazitäten. Weder vom Wohnraum, noch finanziell.

    • Günter Witte

      @AuchNeMeinung:

      Über 200000 Menschen verlassen jedes Jahr Deutschland, davon 70 % mit Hochschulabschluss, weil sie in anderen Ländern bessere Arbeitsverhältnisse, weniger Steuern und Abgaben vorfinden. Warum sollten dann gut ausgebildete Menschen aus anderen Ländern zu uns kommen wenn wir hier nichts ändern ?

  • EchteDemokratieWäreSoSchön

    Ja, das Land braucht dringend günstigere Wohnungen und niedrigere Wohnungen. Schon ohne dass neue Migranten ins Land kommen. Aber diese Bundesregierung will keine Maßnahmen ergreifen, damit Mieten schnell günstiger werden. Stattdessen setzt man die Hoffnung darauf, dass wenn man grossen Wohnungskonzernen erlaubt, die Mieten in immer neue Höhen zu treiben, diese dann Wohnungen bauen und die Mieten dadurch günstiger werden. Das hat nur seit 30 Jahren nicht funktioniert - jeder der bis 3 zählen kann, kann verstehen, dass das nie passieren wird. Denn warum sollten Wohnungsbaukonzerne, die viel Geld mit hohen Mieten verdienen, viel Geld investieren, damit die Mieten viel günstiger werden und sie damit viel weniger verdienen?Diejenigen

    Diese Regierung wird das Problem von zu hohen Mieten u d zu wenigen bezahlbaren Wohnungen nie lösen. Und daher muss sich auch niemand wundern, dass CDU/CSU/SPD jetzt von 45% auf 32% gefallen sind und die AfD von 20 auf 29% gestiegen ist.

  • Kabelbrand Höllenfeuer

    So ein Quatsch. Mit der gleichen Begründung könnte auch die Autoindustrie werben, damit die ihre Klima- und Städtekiller an Migranten verhökern können.



    Ich entsinne mich übrigens noch daran, wie die Immobilienlobby um 2015/2016 ausdrücklich die Flüchtlingswelle begrüßt hat und das von linker Seite überhaupt nicht hinterfragt wurde, weil Flüchtlinge ja immer voll toll sind.

  • Carsten S.

    Ich bin in der Massenspektrometrievtätog und finde, jeder sollte sich ein Massenspektrometer leisten können.



    Nein, im Ernst: vielleicht sind um Baubereich einfach die Kosten zu hoch?



    Aber es ist einfacher, ein Grundrecht auf eine bezahlbare und hinreichend grosse Wohnung in Berlin mit gutem ÖV-Anschluss zu fordern als sich zu überlegen, was man selbst (als Baubranche) dazu tun kann.

  • DiMa

    Wenn den dann die Kritik der Baustoffhändler berechtigt wäre, wie kommt es den dann, dass es derzeit so viele Arbeitslose (auch und insbesondere und den Migranten) gibt?

    Und wenn den dann angeblich so viele Wohnungen benötigt werden um Arbeitsplätze zu schaffen, warum bauen die Mitglieder des Verbandes nicht einfach die Anzahl der benötigten Wohnungen als Werkswohnungen?

    Und selbst wenn Migranten dann hier arbeiten, stellt sich in einem nächsten Schritt die Frage, ob das Gehalt unter Berücksichtigung der verbleibenden Lebensarbeitszeit hoch genug ist, damit eine auskömmliche Rente erzielt wird.

    Bevor das Ganze als "schlüssiger Dreisatz" dargestellt wird, sollte ein wenig realitätscheck durchgeführt werden.

    • blutorange

      @DiMa:

      Gründe:



      Schlechte Arbeitsbedingungen. Wachsender Unwille der Menschen, sich ausbeuten zu lassen. Kürzungen im sozialen und Gesundheits-Bereich - Arbeit ist da, aber keine Stellen finanzierbar. Starker Druck und Drang bei jungen Menschen, zu studieren (im Glauben, sonst sein Leben nicht finanzieren zu können und keine Aufstiegsmöglichkeiten zu haben) - es fehlen "Arbeiter", Handwerker.



      Außerdem: wo Arbeitsplätze sind, gibt es keinen Wohnraum und die Mieten explodieren. Wo Wohnungen leerstehen, gibt es wenig Arbeit und dazu oft noch Fremdenfeindlichkeit. So wird's also nichts.

  • Hannes Petersen

    Aber trug die massive einwanderung der letzten jahre nicht massiv zum wohnraummangel bei? 🤔

    • blutorange

      @Hannes Petersen:

      Es ist schon ein Problem, wenn alle in den großen Städten wohnen wollen, wo eh schon niemand eine bezahlbare (oder überhaupt eine) Wohnung findet.



      Es ist auch ein Problem, wenn auf dem Land in Ostdeutschland alles leersteht, man dort aber niemanden guten Gewissens einquartieren kann, weil es abgesehen von fehlender Infrastruktur einen gefährlichen Hass auf alles Eingewanderte und anders Lebende gibt.



      Also, Verteilungsprobleme beim Wohnraum und in Bezug auf erwünschte Migration auch noch Attraktivitätsprobleme...

  • Mack

    diese Wohnungen sollen aber nicht nur günstig sein, sondern auch qualitativ hochwertig, mit Blick auf umweltschutzstandards auf dem neuesten Stand. zudem sollen Orte wie das tempelhofer Feld nicht bebaut werden, und schnell soll es auch gehen, ohne bürgerbeteiligung und ähnliches in Frage zu stellen. die Mieten müssen natürlich niedrig sein, Instandhaltung aber trotzdem gewährleistet.