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Maßnahmen gegen den Mietenwahnsinn70 Initiativen für bundesweiten Mietendeckel

Eine breit unterstützte Petition fordert von der Bundesregierung Preisgrenzen für Wohnungen. Trotz Wahlkampf glänzt die Berliner SPD mit Abwesenheit.

Ein sofortiger Mieterhöhungsstopp für sechs Jahre, eine Absenkung bestehender Mieten auf den örtlichen Durchschnitt und ein Preisdeckel für Neuvermietungen: Die Forderungen, mit denen am Montag 70 Organisationen gemeinsam an die Öffentlichkeit gegangen sind, haben es durchaus in sich. Die Kampagne „Mietendeckel jetzt“ wird unter anderem vom Berliner Landesverband der Grünen, den Linken, der Verdi-Jugend sowie verschiedenen Mietervereinen und Initiativen aus ganz Deutschland getragen.

Auf der Reichstagswiese in Berlin präsentierte die Kampagne im strömenden Regen ihre Petition. Zahlreiche Politiker:innen, vor allem aus der Berliner Landespolitik, die sich mitten im Wahlkampf befindet, zeigten Präsenz. Un­ter­stüt­ze­r:in­nen der Kampagne wollten am Montag aber auch in München, Hamburg, Düsseldorf und Erlangen auf die Straße gehen, um erste Unterschriften zu sammeln.

„Selbstverständlich“ unterstütze man den bundesweiten Mietendeckel, sagte Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Berliner Linken, die in den Umfragen derzeit vorne liegt. Erst am Donnerstag hatte die Linkspartei ein Rechtsgutachten vorgestellt, das die rechtliche Zulässigkeit eines bundesweiten Mietendeckels bestätigte. Eralp berichtete von einer Rentnerin, die aus Angst vor weiteren Mieterhöhungen nicht mehr an ihren Briefkasten gehe: „Deswegen muss der Mietendeckel jetzt kommen, neben der Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne.“

SPD glänzt mit Abwesenheit

Auch Werner Graf, Spitzenkandidat der Berliner Grünen, fand deutliche Worte: „Viele Menschen können sich das Leben einfach nicht mehr leisten“, sagte er. Da brauche es Maßnahmen wie einen Mietendeckel, die sofort helfen. Dafür gebe es in der Bevölkerung auch Mehrheiten, selbst unter CDU-Wähler:innen, sagte Graf – und bezog sich dabei eine kürzlich veröffentlichte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey. Laut dieser sind selbst 50,2 Prozent der CDU-Wähler:innen für einen Mietendeckel. Insgesamt befürworten diesen 55,5 Prozent.

Nicht Teil der Kampagne ist dagegen der Bundesverband der Grünen, der sich für eine Öffnungsklausel einsetzt, um einzelnen Ländern einen Mietendeckel zu ermöglichen. Und auch die SPD und ihr Berliner Spitzenkandidat Steffen Krach glänzten mit Abwesenheit. Dabei versucht die Berliner SPD sonst immer, sich mit der Forderung nach einem neuen Mietendeckel im ansonsten stark auf die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne fokussierten Wahlkampf abzugrenzen. Auf Bundesebene hatte dagegen Bauministerin Verena Hubertz (SPD) einen neuen Mietendeckel kürzlich als unrealistisch zurückgewiesen.

„Der Mietendeckel hat das Potenzial, eine zentrale verbindende Forderung für progressive Akteure zu sein“, sagte Kampagnensprecher Justus Henze zur taz. Noch vor wenigen Jahren habe diese Forderung als radikal gegolten, inzwischen würde sie auch von den Mie­te­r:in­nen­ver­ei­nen in Berlin, Hamburg und München unterstützt. Nun hoffe man, weitere Bündnispartner:innen, wie die großen Gewerkschaften, zu gewinnen. „Dann können wir bei der nächsten Bundestagswahl den Mietendeckel zum Hauptthema machen“, so Henze.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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6 Kommentare

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  • Bolzkopf

    Die SPD? Die gibt es noch ?



    Wusste ich garnicht.

    Ich seh da immer nur so rote Sonnenschirmchen von einer Partei die sich den guten Namen einverleibt hat und jetzt neoliberale und erzkonservative Politik nach Kräften unterstützt.

  • Horst Sörens

    Was ich immer nicht nicht verstehe, ist, warum nicht in den Wohnungsbau investiert wird wie verrückt. Wenn man in dieser Branche so unglaublich viele Gewinne macht, Warum steigen nicht alle Investoren dort ein und verdienen sich eine goldene Nase, So dass wir einen riesigen Überschuss an Wohnungen haben?

    • Aurego

      @Horst Sörens:

      Um Gottes Willen: Nein! Zu viel Neubau ist gefährlich, da er viele wichtige Ressourcen und sehr viel Geld bindet und für den Leerstand von morgen sorgt. Leerstand ist jedoch das Schlimmste, was Immobilieneigentümern passieren kann, denn Leerstand erzeugt Kosten und führt zu Wertverlust. Durch Leerstand wird also sinnlos Geld vernichtet, Geld, das woanders dann fehlt. Man sollte daher unbedingt darauf achten, nicht zu viel zu bauen!

    • whereischesgmt

      @Horst Sörens:

      Weil es eben nicht der "no-brainer" ist, der gerne suggeriert wird. Beispiel: Eine 75 qm Wohnung kostet in Berlin 450.000 € (Zustand und Energieeffizienzklasse ist dann bei dem Preis eh fraglich). Die Vermiete ich für 15 € pro qm Kaltmiete. Dann ist meine Rendite unter 3 % und da ist noch kein Risiko einkalkuliert und es ist nichts finanziert. Wenn ich das finanziere, wie es vor 4-5 Jahren noch sehr einfach ging und ich erwische den "falschen" Mieter, kann ich Privatinsolvenz anmelden. Warum lohnt es sich ortsabhängig dennoch? Weil die Immobilie an Wert gewinnen kann - aber sollte ein Mietpreisdeckel kommen ist Wertzuwachs im notwendigen Ausmaß in Berlin wohl unrealistisch. Die 3% verdient man hartgesagt leichter....

    • Tancrede

      @Horst Sörens:

      Der Neubau von Mietwohnungen ist aufgrund der hohen Investitionskosten aus wirtschaftlicher Sicht meist uninteressant. Um Quadratmeter-Baukosten zwischen 3500 und 5500 Euro (je nach Ort und Lage) - im Nicht-Luxussegment wohlgemerkt! - aus Investorensicht dazustellen, sind Kaltmieten von ca. 15 bzw. über 20 Euro je qm erforderlich. Darum würde auch eine Einschränkung der Mieten im beschriebenen geforderten Umfang zu einem nochmaligen massiven Rückgang des Mietwohnungsbaus (der ja aktuell schon festgestellt werden kann) führen. Auch eine Vergesellschaftung der grossen Immobilienkonzerne sehe ich kritisch - noch vor wenigen Jahren waren viele Objekte nämlich in kommunalem oder Landeseigentum!

    • Bolzkopf

      @Horst Sörens:

      Tun die Investoren doch !



      Aber das bedeuet ja nicht neue Wohnungen zu bauen sonden erstmal den Bestand abzumelken.

      Überschuss an Wohnungen würde die Rendite verderben.

      Und wenn sie mal umherschauen welche unserer Volksvertreter selbst Immobilienspekulaten sind, wird ihnen Vieles klarer werden.