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Sturzflut in Nepal und Klimawandel Wer soll das bezahlen?

Gereon Asmuth

Kommentar von

Gereon Asmuth

Nepal verlangt von den größten CO₂-Emittenten Schadenersatz, da der Klimawandel die Flut ausgelöst hat. Dafür bräuchte es einen internationalen Klimagerichtshof.

K limawandel tötet. Das ist nicht neu. Aber wer auch nur einen Hauch Zweifel daran hatte, hoffte, dass es so schlimm nicht kommen wird, muss sich nur die Videos der gigantischen Flutwelle anschauen, die vor einer Woche durch die Täler des Himalaja raste. Und alles wegspülte, was irgendwo im Weg stand. Blocks großer Häuser. Ortschaften. Und natürlich die Menschen, die dort lebten.

Die durch den CO₂-Ausstoß verursachte dramatische Erderwärmung bedroht alle – von den Inselstaaten, die gerade mal ein paar Meter aus dem steigendem Meeresspiegel herausragen, bis hin zu Ländern im höchsten Gebirge der Welt, denen nicht der Himmel, aber doch der Gletscher auf den Kopf fällt.

Dass dafür der Klimawandel zumindest mitverantwortlich ist, stellt niemand, der sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt, infrage. Infrage steht nicht einmal, wer dafür haftbar ist. Das sind die Industrienationen, die den weitaus größten Teil der Kohlendioxid-Emissionen verantworten. Mehr als 80 Prozent der fossilen CO₂-Emissionen wurden von den G20-Staaten verursacht. Fraglich ist nur, wer dafür tatsächlich haftbar gemacht werden kann.

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„Wer soll das bezahlen? Wer hat so viel Geld? Wer hat so viel Pinkepinke? Wer hat das bestellt?“, hieß es mal in einem Karnevalsschlager. Und die Regierung von Nepal hat auf all dies eine klare Antwort: China, die USA, Indien und alle anderen großen CO₂-Nationen. Die hätten eine historische Verantwortung, verletzliche Nationen wie Nepal zu entschädigen, sagte Nepals Außenminister Shisir Khanal. Und er geht noch einen Schritt weiter: Denn es gehe nicht um Hilfsleistungen, sondern um Gerechtigkeit. Also nicht um gnädig spendierte Almosen, sondern um Recht.

Wo bleibt der internationale Klimagerichtshof?

Dass der Bergstaat mit seiner absolut berechtigten Forderung Erfolg haben wird, muss leider bezweifelt werden. Denn freiwillig werden die Profiteure der Klimakatastrophe kaum die benötigten Milliarden rausrücken.

Das zeigt schon der bei der Weltbank angesiedelte „Fonds zur Reaktion auf Verluste und Schäden“, der 2022 bei der Weltklimakonferenz mit großem Trara vereinbart und ein Jahr später gestartet wurde. Nicht mal 500 Millionen Dollar wurden dort bisher eingezahlt. Dem gegenüber stehen Hilfsanträge im Wert von fast 3 Milliarden. Kein Wunder, dass die Mittel im Topf bald drohen, zur Neige zu gehen.

Zumal die bis jetzt erlebten Klimakatastrophen ja erst der Anfang sind. Laut neuster Schätzung der Vereinten Nationen läuft es aktuell auf eine Erderwärmung um 2,6 Grad bis zum Jahr 2100 hinaus. Also noch mal ein Grad mehr als heute. Mit noch mehr Lawinen, Fluten, Dürren.

Eigentlich bräuchte es einen internationalen Klimagerichtshof, vor dem Verantwortliche auch verantwortlich gemacht werden könnten. Dabei geht es ja keineswegs nur um Staaten. Die eigentlichen Profiteure sind die Ölkonzerne – und Kohleverheizer, die Flugbranche, die Automobilindustrie, um nur ein paar von denen zu nennen, die die durch sie verursachten Klimafolgeschäden folgenlos auf andere abwälzen können. Die gehörten auf die Anklagebank – gleich neben die Ver­tre­te­r:in­nen der Staaten, die diesen Akteuren erlauben, ihre Geschäfte zu machen.

Das alles trifft keineswegs nur ferne Inselrepubliken und abgelegene Bergstaaten. Auch Mitten in Europa hat in diesem Sommer eine Welle gewütet. Nicht aus Wasser, sondern aus Hitze. Allein in Deutschland hat sie mehr als 15.000 Menschen das Leben gekostet. Ihre Angehörigen hätten jedes Recht, vor Gericht zu ziehen. Fragt sich nur wo.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Gereon Asmuth

Gereon Asmuth Ressortleiter taz-Regie

Leiter des Regie-Ressorts, das die zentrale Planung der taz-Themen für Online und Print koordiniert. Seit 1995 bei der taz. 2000 bis 2005 stellvertretender Leiter der Berlin-Redaktion. 2005 bis 2011 Leiter der Berlin-Redaktion. 2012 bis 2019 Leiter der taz.eins-Redaktion, die die ersten fünf Seiten der gedruckten taz produziert. Hat in Bochum, Berlin und Barcelona Wirtschaft, Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und ein wenig Kunst studiert. Mehr unter gereonasmuth.de. Bluesky:@gereonas.bsky.social Mastodon: @gereonas@social.anoxinon.de Foto: Anke Phoebe Peters
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2 Kommentare

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  • Marcelo

    Dann muss man das aber genau nachweisen können welche Länder zu wie viel Prozent dafür verantwortlich ist das das Unglück passieren konnte! Wie will man das nachweisen?

  • Sam Spade

    "Eigentlich bräuchte es einen internationalen Klimagerichtshof, vor dem Verantwortliche auch verantwortlich gemacht werden könnten. Dabei geht es ja keineswegs nur um Staaten."

    Frage an den Autor: Wer nimmt denn die Produkte und Dienstleistungen in Anspruch die Automobilkonzerne, Fluglinien oder Energieversorger offerieren? Dürften wohl die Verbraucher sein. Und wer ist der Verursacher? Die Fluglinie die ein Angebot in Form eines Flugzeugs zur Verfügung stellt oder die Personen die mit ihren Buchungen dafür sorgen, das ein klimaschädliches Transportmittel in die Lüfte steigt? Umweltfreundlichere Alternativen gibt es übrigens so gut wie in jeder Sparte.

    In diesem Zusammenhang nur einmal nachgefragt, wie hoch ist der Anteil der E Mobilität in Deutschland?

    Der Markt regelt Angebot und Nachfrage. Werden keine Verbrenner mehr gekauft, dann werden auch keine Verbrenner mehr produziert. Wird kein Kohlestrom mehr abgenommen, dann rechnet sich das Verbrennen von Kohle einfach nicht mehr.

    Gilt übrigens für Konsumenten und Unternehmen. Die einen setzen auf Nutzen- die anderen auf Gewinnmaximierung. Orientieren tun sich beide dennoch am Markt.