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Gefährliche KlimakriseUN-Umweltprogramm plant Rückkehr zur 1,5-Grad-Grenze

Der Atmosphäre müssten bald jedes Jahr mehrere Milliarden Tonnen CO2 entzogen werden. Wissenschaftler: „Aus heutiger Sicht schwer vorstellbar“.

Die Vereinten Nationen erkennen an, dass das 1,5-Grad-Ziel der Klimapolitik vorerst nicht eingehalten wird – und loten nun Wege aus, wie die Temperaturen auf der Erde wieder auf dieses Maß abgesenkt werden können. Das zeigt ein am Mittwoch erschienener Bericht des UN-Umweltprogramms.

„Die brütende Hitze, die verheerenden Waldbrände und die tödlichen Überschwemmungen dieses Sommers sind eine Warnung vor dem, was uns bevorsteht“, sagt UN-Chef António Guterres zu den Ergebnissen. „Wir müssen das Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze so gering und so kurz wie möglich halten.“

Aktuelle Politikmaßnahmen führen demnach bis 2100 zu einer Erderwärmung um 2,6 Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Zeiten. Im Pariser Weltklimaabkommen hatten sich die Regierungen der Welt darauf geeinigt, den globalen Temperaturanstieg bei „deutlich unter 2 Grad“ und noch besser bei 1,5 Grad zu begrenzen.

Seither hat die Wissenschaft immer deutlicher gezeigt, dass jenseits dieser Grenze das Risiko für katastrophale Folgen der Klimakrise deutlich steigt: gefährliche Extremhitze, Dürrephasen und damit einhergehend Probleme bei Wasser- und Lebensmittelversorgung, ein totales Absterben der Korallen, ein Veröden wichtiger Lebensräume wie des Amazonas-Regenwaldes. Die Liste der Bedrohungen könnte noch lange fortgeführt werden.

Schon „in den nächsten paar Jahren“

Phasenweise lag die globale Temperatur schon über 1,5 Grad. Laut dem EU-Erdbeobachtungsdienst EU Copernicus lag das bislang heißeste Jahr 2024 mit einer Erhitzung um durchschnittliche 1,6 Grad deutlich darüber. Laut UN-Umweltprogramm dürfte der dauerhafte Eintritt in die Welt jenseits von 1,5 Grad Erderhitzung schon „in den nächsten paar Jahren“ erfolgen.

Schon in der Luft befindliches CO₂ kann man durch den Aufbau gesunder Wälder wieder entfernen

Die Temperaturen dann wieder abzusenken, bedeutet: Teile des Kohlendioxids, mit dem die Menschheit die Erdatmosphäre verpestet hat, wieder aus der Luft herauszufiltern. Es geht also noch deutlich über das Ziel hinaus, keine zusätzlichen Emissionen mehr zu verursachen, also die fossile Energienutzung schnellstmöglich einzustellen. Im globalen Maßstab geschieht auch das noch nicht: Die weltweiten CO₂-Emissionen wachsen trotz aller Klimaschutz-Appelle immer weiter. 2025 war ein neues Rekordjahr mit mehr als 38 Milliarden Tonnen.

Schon in der Luft befindliches Kohlendioxid kann man zum Beispiel durch den Aufbau von gesunden Wäldern wieder entfernen, weil Pflanzen Kohlenstoff binden. Es gibt aber auch technische Wege, die bislang allerdings wegen Ineffizienz, Risiken und Kosten in der Kritik stehen.

„Selbst bei einer optimistischen Skalierung von Maßnahmen zur CO₂-Entnahme ist es unwahrscheinlich, dass in diesem Jahrhundert eine Temperaturumkehr von mehr als einigen Zehntelgrad erreicht wird“, heißt es dazu im Bericht des Umweltprogramms.

Arme Staaten und Menschen am stärksten gefährdet

Der Wissenschaft sind die Erkenntnisse nicht neu. „In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts müssten wir bei jährlich minus 11 Gigatonnen liegen, also in sehr großen Umfängen CO₂ aus der Atmosphäre entfernen“, sagt Oliver Geden von der Stiftung Wissenschaft und Politik, der zu den wissenschaftlichen Prü­fe­r*in­nen des UN-Berichts gehört. Das gehe nicht nur mit Aufforstung, sondern erfordere auch technische Methoden. „Das ist aus heutiger Sicht schwer vorstellbar.“

Der Hochlauf der entsprechenden Technologien kommt nämlich nicht voran. „Dann könnte es auch eine Debatte um drastischere Maßnahmen zur Temperaturabsenkung geben, etwa die Manipulation der Sonneneinstrahlung durch das Einbringen von Aerosolen in die Atmosphäre, also ‚solares Geoengineering‘“, warnt Geden. „Auch dazu wird bereits geforscht.“

Charlotte Unger vom Research Institute for Sustainability lobt, dass das UN-Umweltprogramm sich offen damit befasst, dass die 1,5-Grad-Grenze mittlerweile unvermeidlich gerissen wird. „Auch wenn diese Erkenntnis der Wissenschaft natürlich seit Langem bewusst war, gab es meiner Meinung hierzu bisher wenig Ehrlichkeit und Mut, das einzugestehen“, sagt sie.

Kritik hat die Wissenschaftlerin trotzdem: „Im Report fehlt mir noch stärker eine Äußerung zu der Realität, auf die wir gerade zusteuern: eine noch ungerechtere Welt.“ Die Realität sei das Inkaufnehmen irreversibler Schäden, die arme Länder und Menschen am härtesten treffen würden. „Anstatt mehr Unterstützung zu bieten, geht die Politik in vielen Ländern wie Deutschland gerade in die entgegengesetzte Richtung“, bemängelt Unger. „Es werden weniger Gelder für Entwicklungs- und Klimafinanzierung bereitgestellt.“

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