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Nach Drohnenangriff in Leipzig Ein Draht nach Moskau

Cem-Odos Güler

Kommentar von

Cem-Odos Güler

Gibt es belastbare Kontakte nach Russland? Um eine ungewollte militärische Eskalation zu vermeiden, reicht es nicht, nur auf Abschreckung zu setzen.

D ie Bundesregierung reagiert durchaus maßvoll auf die Geschehnisse am Leipziger Flughafen, für die sie nun Russland verantwortlich macht. Es ist richtig, dass die Beratungen im Nato-Rat am Mittwoch nicht als Konsultationen nach Artikel 4 des Militärbündnisses bezeichnet wurden – obwohl die Gespräche praktisch auf dasselbe hinausliefen. Man mag dies für reine Symbolik halten, doch genau darauf kommt es an, wenn man das Risiko weiterer militärischer Eskalation so gut es geht minimieren möchte.

Wenn wirklich Russland hinter dem versuchten Angriff in Deutschland steckt, steht deshalb noch eine größere Frage im Raum: Gibt es belastbare informelle Gesprächskontakte der deutschen Sicherheitsbehörden nach Russland? Wie begegnet die Regierung der nicht zu unterschätzenden Gefahr einer ungewollten militärischen Eskalation des Ukrainekriegs auf ganz Europa?

Eine Sicherheitspolitik, die ausschließlich auf Abschreckung zielt, wird keine Sicherheit bieten. Denn wenn man eine Sache aus dem Kalten Krieg gelernt hat, dann ist es doch die, dass allem Zündeln zum Trotz der Griff zum Telefon schreckliche Tragödien verhindern kann. Steht so ein Telefon auch in Deutschland irgendwo?

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Einem Irren wie Wladimir Putin, der von einem Atomschutzbunker aus einen blutrünstigen Krieg gegen die Ukraine führt und sich darin längst verrannt hat, ist mit Abschreckung nicht beizukommen – er ist schon paranoid. Doch nicht alle im russischen Sicherheitsapparat werden so suizidal unterwegs sein wie der Präsident. Kontakt zu denen, die anders denken, muss der Westen suchen – für die Ukraine und für die eigene Sicherheit.

Wir leben erstmals wieder in einer Zeit ohne irgendeine Form der gegenseitigen Rüstungskontrolle zwischen Russland und der Nato. Aus einem Drohnen-Überflug, einem gescheiterten Angriff wie in Leipzig, aber auch aus einem Missverständnis heraus könnte eine Kaskade entstehen, die nicht mehr einzufangen ist. Um das zu verhindern, tragen auch Deutschland und der Westen eine Verantwortung.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Cem-Odos Güler

Cem-Odos Güler Redakteur

Berichtet seit 2023 als Korrespondent im Parlamentsbüro der taz über Verteidigungsthemen und die SPD. Studium der Sozialwissenschaften und Volkswirtschaftslehre in Köln, Moskau und London.
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1 Kommentar

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  • David Lejdar

    Bei sowas könnte man auf den Fall hinweisen, als USA so auf einmal im Krieg mit Iran, und ohne wirklich je Iniziative gehabt zu haben. Und die Geheimniskramerei hilft nicht, es in ganzer Runde zu zeigen, wie da also Russland konkret vorging. Das mag in Deutschland ungewohnt sein, aber die öffentliche Meinung hat auch eine Rolle, und nicht alle sind so, dass man z.B. Herrn Stadtbildkritiker-und-Tassenzähler als vollkommen sachlich einschätzt.

    Was Gespräche betrifft, eines der Dinge, warum ich für Unterstützung von Journalisten-im-Exil bin, wo z.B. Interview mit lokalem Außenminister sein könnte, und dies in Rußisch verfügbar - wo man (nochmal) Dinge ansprichen könnte, wie zu dem Herrn Girkin (bzw. Igor Strelkov) - oder dazu als Russland Herrn Assad unterstützte, mit den Foltergefängnissen und so, was man in rußischen Medien vielleicht nicht so mitbekommen hatte, sowie auch nicht dazu wieviele Rekruten sich da fanden, usw.