piwik no script img

Ölpreis über 100 DollarAlternative Routen, weniger Nachfrage

Der Ölpreis steigt weniger explosiv als befürchtet, auch weil verschiedene Länder Lieferengpässe ausgleichen. Doch die Spritpreise ziehen weltweit an.

Der Krieg im ‌Nahen Osten treibt die Energiepreise weiter ‌an: Brent-Rohöl aus der Nordsee kostete am Mittwoch erstmals seit Juli wieder mehr als 100 Dollar je Barrel (159 Liter). Der eskalierende Konflikt zwischen den USA und dem Iran schürt an den Börsen die Sorge vor Lieferausfällen. Allerdings verläuft der Ölpreisanstieg eher allmählich und nicht so explosiv wie vielleicht erwartet. Von seinem im April erreichten Jahreshoch von 126 Dollar ist der Brent-Preis noch weit entfernt. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Trotz des Krieges fließen weiterhin erhebliche Mengen Öl aus dem Nahen Osten auf den Weltmarkt. In den vergangenen Tagen wurden von dort ‌täglich rund 9 Millionen Barrel Rohöl und eine weitere Million Barrel an Ölprodukten exportiert, sagt Russell Hardy, Chef des weltgrößten unabhängigen Ölhändlers Vitol. Das ist zwar deutlich weniger als die rund 20 Millionen Barrel vor Kriegsbeginn, zeigt jedoch, dass die Lieferungen nicht zum Erliegen gekommen sind. Die Produzenten am Golf haben zudem alternative Routen gefunden, um die weitgehend blockierte Wasserstraße von Hormus zu umgehen, etwa stiegen die Exporte über den ägyptischen Hafen Sidi Kerir im August auf mehr als das Doppelte des Volumens vom Juni.

Ein Teil des Ausfalls wird von Ländern außerhalb der Opec ausgeglichen. So werden die USA, Kanada und die südamerikanische Republik Guyana ihre Produktion in diesem Jahr um zusammen 1,4 Millionen Barrel pro Tag steigern, sagt Jarand Rystad, Gründer von Rystad Energy. ‌Auch die russischen Rohölexporte hielten sich im Juli und August mit rund 5,5 Millionen Barrel täglich stabil und lagen damit 23 Prozent über dem Niveau vom Februar. Dies liegt auch daran, dass russische Raffinerien nach ukrainischen Angriffen weniger Öl verarbeiten können und mehr Rohöl für den Export zur Verfügung steht.

China importiert deutlich weniger

Ein weiterer wichtiger Faktor ist ⁠der erhebliche Nachfrageausfall. Dieser beläuft sich laut Rystad im dritten Quartal auf 3,5 Millionen Barrel pro Tag. Mehr als die Hälfte davon entfällt auf China. Der größte Ölimporteur der Welt hat seine Seeimporte im Juli und August auf 7 Millionen Barrel täglich reduziert, im Vergleich zu mehr als 11 Millionen im Februar. Gründe dafür sind die zunehmende Elektrifizierung des Verkehrs und der ‌Einsatz von Kohle zur ‌Herstellung von Chemikalien. Zugleich verfügt Peking über riesige Ölreserven, die von der Analysefirma Kpler auf 1,17 Milliarden Barrel geschätzt werden.

Gleichzeitig sind die Preise für kurzfristig lieferbares Öl am Spotmarkt ‌gestiegen und haben den höchsten Stand seit April erreicht. „Das zeigt uns derzeit, dass die ‌Lage am physischen Markt unglaublich angespannt ist“, sagt David Fyfe, Chefvolkswirt bei Argus. „Noch wichtiger ist, dass sich auf dem Dieselmarkt eine Verknappung abzeichnet.“ Die jüngste Eskalation zwischen den USA und Iran dürfte die Exporte aus der Golfregion beeinträchtigen, während die ‌Nachfrage steigt, da Raffinerien ihre Dieselproduktion hochfahren – der Preis für den Kraftstoff ⁠hat in den USA ein Rekordhoch erreicht. Und auch in Deutschland zogen die Preise an den deutschen Tankstellen in den vergangenen Tagen weiter deutlich an. Aktuell koste ein Liter Super E10 im bundesweiten Mittel 2,259 Euro und damit 7,6 Cent mehr als in der Vorwoche, teilte der ADAC am Mittwoch mit. Diesel verteuerte sich demnach um fast 9 Cent auf 2,321 Euro pro Liter. (reuters/afp)

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare