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Kiezkantinen in Berlin Her mit dem veganen Essen

Gastkommentar von

Friederike Schmitz

Die Linkspartei in Berlin will 20 Kiezkantinen mit staatlich gefördertem Essen aufbauen. Das wäre öffentliche Daseinsvorsorge und Einsatz für Klimaschutz.

E rnährung ist politisch: Sie betrifft Gesundheit, Klimaschutz und diverse Gerechtigkeitsfragen vom Umgang mit Tieren bis zur steigenden Ernährungsarmut. Doch viele Po­li­ti­ke­r:in­nen meiden das Thema. Das ist auch ein Erfolg der Rechten, die daraus einen Kulturkampf machen: Wenn Weidel schreit, sie lasse sich ihr Schnitzel nicht wegnehmen oder Söder gegen ein Fleischverbot kämpft, das niemand fordert, soll Essen als Ausdruck individueller Freiheit erscheinen.

Aber das ist ein Mythos. Was wir essen, bestimmen nicht allein persönliche Vorlieben. Zugang, Angebot, Preise prägen unsere Entscheidungen – die Forschung spricht von „Ernährungsumgebungen“. Politik gestaltet sie längst – und könnte sie so umgestalten, dass gutes Essen für alle leichter wird.

Friederike Schmitz

ist Fachreferentin bei der Organisation Faba Konzepte, die sich für ein pflanzenbasiertes Ernährungssystem einsetzt. Ihr Buch „Anders satt: Wie der Ausstieg aus der Tierindustrie gelingt“ erschien 2022 im Ventil Verlag.

Ein besonders spannender Vorschlag kommt von der Berliner Linkspartei im aktuellen Wahlkampf: Sie will 20 Kiezkantinen aufbauen, die staatlich geförderte Mahlzeiten servieren. Das würde Ernährung teilweise entprivatisieren und als öffentliche Daseinsvorsorge behandeln. Kiezkantinen könnten Ernährungsarmut und Einsamkeit bekämpfen sowie Gesundheit, Klimaschutz und Gerechtigkeit stärken.

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Entscheidend ist allerdings ihre Ausgestaltung. Bei einem Pressetermin im Februar servierte die Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp Kohlrouladen. Doch Fleisch zusätzlich zu subventionieren, ist kontraproduktiv. Im aktuellen Konzept steht als Ziel nun „pflanzenbasiert“, es ist von einer Mindestquote pflanzlicher Lebensmittel die Rede. Bei einer Pilot-Kiezkantine im August in Kreuzberg kam das vegetarisch-vegane Angebot gut an.

Wetten, die Demokratie gewinnt? ​

Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier.

Noch besser wäre ein komplett pflanzliches Angebot. Angesichts der tierproduktlastigen Durchschnittsernährung braucht es den Ausgleich mit gesundem Gemüse und Hülsenfrüchten. Ob und wie die Kiezkantinen Realität werden, zeigt sich erst nach der Wahl am 20. September. Gelingt das Projekt, könnte es über Berlin hinaus strahlen: Die Probleme, auf die es antwortet, gibt es überall.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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20 Kommentare

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  • Bürger L.

    Also ich bin ja dafür, dass bei dem ausschließlich veganen Essen auch darauf geachtet wird, dass Salzfrei gekocht wird und dass die Lebensmittel nur aus zertifiziertem ökologischen Anbau stammen, wobei darauf zu achten ist, dass die Landwirtschaftlichen Betriebe wegen der Lieferwege nicht weiter als 10 km von den Kiezkantinen entfernt sind.

    Aber mal ernsthaft - So wird das nichts.



    Ich ernähre mich nicht vegan, finde das aber okay und achte darauf, dass mein Essen möglichst, etwas höheren ökologischen Standards entspricht.



    Wenn aber jede gute Idee - und das sind die Kiezkantinen - von Interessengruppen - sicher wohlmeinend - mit Maximalansprüchen ausgebremst werden, nutzt das nicht den bedürftigen Menschen, sondern den konservativen und rechts-nationalen Kräften, die sich dadurch in ihren Vorurteilen bestätigt sehen.

    Das Angebot sollte sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren, die Zielgruppe für die geplanten Kiezkantinen sind.



    Ein Veganes und ein Fleischhaltiges Angebot zur Auswahl wäre daher m.E. für den Anfang der richtigere Weg.

  • Offebacher

    20 Kiezkantinen mit staatlich gefördertem (sprich subventioniertem) Essen. Wenn die Stadt Berlin dafür Geld hat, warum nicht? Reichen dann aber 20 Kantinen und wie werden die im Stadtgebiet verteilt, dass jede Berlinerin, die will und jeder Berliner, der will, da zum Essen gehen hin kann. Schließlich bezahlen das auch die Berliner Steuerzahler. Gibt es schon eine Karte, wo die Kantinen dann gebaut oder eingerichtet werden sollen? Und dürfen Touristen da auch hingehen oder sind Zugangsbeschränkungen geplant?



    Ach ja, und bei Ernährung entprivatisieren, rollen sich mir die Fußnägel hoch. Ich möchte selbst entscheiden, was ich koche und brate, ob ich in ein Restaurant zum Essen gehe, oder wenn es soweit ist und die Idee der Kiezkantine auch nach Offenbach kommt, dorthin gehe.

  • Axotono

    Was bitte ist dieser Kommentar anderes als Kulturkampf? Zumal einer, der ein Selbstläufer für die AfD ist? Wenn man nur Politik für die urbanen Eliten fordert (was anderes meint 'pflanzenbasiert' ja nicht), muss man sich nicht wundern. Kiezkantinen sind ein super Konzept, das bitte durchgesetzt werden sollte. Aber lasst die Leute verdammt nochmal dort essen was sie wollen.

  • White_Chocobo

    Wieso soll Ernährung hier keinen Kulturkampf darstellen? Es nur ein anderer Kulturkampf, denn schließlich plädiert die Autorin dafür, den Leuten gerade keine (!) Auswahl anzubieten, sondern das staatlich geförderte Angebot vegan zu gestalten, d.h. eben auch, dass diejenigen, die auf das Angebot angewiesen sind, nehmen müssen, was die (hier) links-grüne Ideologie ihnen geben möchte, egal was die Menschen selbst möchten. Das ist auch nichts anderes, wie wenn die Fleischfranktion schreit, sie lassen sich ihr Schnitzel nicht verbieten, mit dem Unterschied, dass Veganer:innen ihren privilegierten Lebensstil als moralisch richtig wähnen (wofür man ja durch sein kann).

    Das ist eben auch das, was Veganer:innen ebenso schlecht aushalten können wie die Fleischdogmatiker:innen. Ambivalenz und Vielfalt.

  • Theo Weyers

    Die kleinen Imbissbesitzer werden sich sicherlich freuen, wenn sie zukünftig mit staatlich subventionierten Kantinen konkurrieren dürfen.

    Ob eine Umsetzung von für alle offenen, subventionierten Kantinen überhaupt möglich ist vor dem Hintergrund des Beihilfenrechts, ist eine andere interessante Frage.

  • Walterismus

    Gut angefangen und dann mit nahezu rein veganer Ernährung falsch abgebogen. Wenn die Intention ist die Ernährung zu entprivatisieren und eine Daseinsvorsorge zu schaffen, dann ist es eine gute Idee, aber Sie wird dann schlecht, wenn man das mit einer veganen Ernährung verbinden will und somit die Menschen versucht so in eine Richtung zu drängen.

  • MK

    „Das würde Ernährung teilweise entprivatisieren (…). Im aktuellen Konzept steht als Ziel nun „pflanzenbasiert.“

    Um das in Söders Worten einzuordnen: Das ist ein „Elfmeter ohne Torwart für die AfD“.

    Es reicht nicht, die Forderungen der Autorin mit wenigen Worten zu rechtfertigen. Die wichtigste Frage ist: wie sieht ein gelungenes Change Management aus, so dass eine breite Mehrheit der Bevölkerung davon überzeugt wird, warum es richtig ist etwas urprivates wie Ernährung und diesen Hebel zu nutzen, um die Ernährung umzugestalten. Dazu müsste die Autorin antworten liefern.



    Denn so bleibt aus dem Artikel hängen: die Autorin will ihr Schnitzel nehmen.



    In einer Demokratie wird das aber nur gemeinsam mit der Mehrheit und nicht gegen die Mehrheit funktionieren.

    • the real günni

      @MK:

      ich galube, sie ziehen das thema zu gross auf. es ist ein relativ kleines projekt für einen armen nicht so grossen teil der bevölkerung, eine gute idee, die im pilot gut ankam. die breite mehrheit muss jetzt nicht zum veganismus konvertiert werden, aber je mehr gute angebote es geben wird, desto mehr leute werden ganz von allein auf fleisch verzichten wollen.

    • sociajizzm

      @MK:

      Wenn etwas nicht angeboten wird ist es nicht das selbe, wie wenn etwas genommen wird.



      .



      Es geht um staatlich gefördertes preiswertes Essen. Wer unbedingt Fleisch will bekommt das anderswo.



      .



      Gerichte mit Fleisch zu fördern, wäre wie staatliche Subventionen für Gasheizung, Ölheizung oder Verbrenner Auto.

    • Ohne_Mitte_geht_nix

      @MK:

      Wäre doch alles kein Problem, wenn die Kiezküchen nicht nur vegane Gerichte anbieten, sondern auch ein fleischhaltiges. Geht in der TAZ Kantine ja auch, alle wären zufrieden und niemand fühlt sich ausgeschlossen bzw. es muss niemanden geben, der sich moralisch überlegen fühlt.

  • rero

    Bei 20 "Kiezkantinen" für 97 Ortsteile von Berlin ist absehbar, dass die Linke nur ihr Wahlklientel in den Innenstadtbezirken bedienen wird.

    Wenn das Angebot sich wirklich an alle richten und Einsamkeit verhindern soll, wird es bestimmt nichts werden, wenn man das Angebot nur nach einem geringen Prozentsatz der potentiellen Kundschaft ausrichtet.

    Schade, die Idee hätte Potenzial.

  • Axel Schäfer

    In meiner nächsten sehr kleinen Großstadt bekomme ich alles auch in vegan, ob Fastfood wie Döner oder Burger, bis hin zum Mittagstisch, auch zu vernünftigen Preisen also nicht teurer als fleischhaltig. Selbst das Balkanrestaurant wo wir gern mal hingehen hat jetzt vegane Gerichte auf der Karte.



    Aber in ländlichen Gemeinden ist damit meist Essig und gerade da würde man was günstiges auch für die vielen Senioren benötigen, was dann vielleicht auch über Anreize für die lokalen Menübringdienste laufen könnte. Die liefern bei uns sehr gute Qualität, also wirklich wie selbst gekocht aber eher selten was veganes dabei, wenn dann vegetarisch. Wenn man da was zuschießt und das vegane Gericht dann 1€ billiger wäre würden bestimmt viele Senioren zugreifen. In den KiTas funktioniert das schon ganz gut, wenn ich da mal die angeschlagenen Essenspläne sehe, dann ist dort täglich die Auswahl zwischen vegan und nicht vegan gegeben.



    Auf der anderen Seite muss man auch mal die Dogmatik im weglassen, denn bei uns gibt es viele kleine landwirtschaftliche Flächen auf denen kein Ackerbau möglich ist, da kann man maximal Gras/Heu ernten und Tiere weiden lassen.

    • fly

      @Axel Schäfer:

      In dem Fall könnte eher gelten, was in der Kita funktioniert, funktioniert nicht bei den Senioren. Die Letzteren sind oft so fest geprägt, dass eher noch ein Frikadelle separat zum bestellten vegetarischen Essen dazu geholt wird. Zumal die großen Anbieter wirtschaftlich arbeiten - sollte es Nachfrage nach veganem Essen geben, würde es vermehrt angeboten. Senioren die sich Menüs bringen lassen (oder müssen, also meist Ü80), sollen ruhig "gut bürgerlich" bekommen. Selbst das pürrierte Essen für Senioren mit Schluckstörung wird oft mit Fleisch angeboten (Pürrierte Rostbratwurst mit Kartoffeln und Erbsen).

  • Herbarius Zunichten

    "Ernährung entprivatisieren"



    Es gibt Begriffe die machen mir Angst.

  • Astrid Sehnefeld

    "Doch viele Po­li­ti­ke­r:in­nen meiden das Thema. Das ist auch ein Erfolg der Rechten, die daraus einen Kulturkampf machen"



    Und links macht aus Essen keinen Kulturkampf?



    Links plädiert beim Essen für vegane Ernährung der Gesundheit wegen - bei der Legalisierung von Cannabis hingegen war die Gesundheit egal.



    Das ist doch auch Kulturkampf pur 🤷



    JEDE Partei macht Kulturkampf für die Vorlieben ihrer Wählerschaft - und das ist gut so.



    Vegane VoKü's für Berlin? Gute Idee.



    Brätl und Rostbratwurst für Thüringen? Gute Idee.



    Jeder soll nach seiner Fasson selig werden - Friedrich II

    • sociajizzm

      @Astrid Sehnefeld:

      Bei der Legalisierung von Cannabis ging es auch um Gesundheitsaspekte. War eines der stärksten Argumente dafür.



      .



      Menschen gewichten Argumente in Abhängigkeit von der eigenen Überzeugung. Ihr Kommentar ist ein prima Beispiel dafür. Sie sind gegen die Legalisierung, also kann es nur "ideologische Gründe" für diese geben, keine rationalen.



      .



      Und "ist besser für das Klima" oder "besser für die Gesundheit" sind nun Mal sachliche Argumente bei Ernährung. "Niemand nimmt mir mein Schnitzel" ist gar kein Argument sondern plumpe Propaganda.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Astrid Sehnefeld:

      "Links plädiert beim Essen für vegane Ernährung der Gesundheit wegen..."

      Das stimmt einfach nicht. Nur eine kleine Gruppe, die sich selbst als links einordnet, fordert so etwas. Die Mehrheit der Linken ist einfach für eine ausgewogene Ernährung.

    • Chris McZott

      @Astrid Sehnefeld:

      Kulturkampf ist negativ besetzt. Das macht also per Definition immer nur die Gegenseite.

    • Katharina Reichenhall

      @Astrid Sehnefeld:

      Das finde ich auch immer lustig. Alles mögliche politisieren, aber die Rechten machen daraus einen Kulturkampf. Das ist irgendwie eine verquere Logik.

    • PartyChampignons

      @Astrid Sehnefeld:

      Nein falsch, bei der Legalisierung von Cannabis war Gesundheit ein sehr großes Thema, da durch die Legalisierung gesundheitsschädliche Streckstoffe vermieden werden, man nicht in Kontakt mit anderen Drogen bei zwielichtigen Dealern gerät und Aufklärung ein großes Thema ist, wozu jeder Cannbisclub verpflichtet ist und das auch ernst nimmt soweit ich das bisher selber mitbekommen habe. Das Verbotsmodell ist für die Gesundheit vieler Menschen viel schädlicher. Außerdem geht es hier nicht um die Legalisierung von Cannabis sondern um Ernährung. Und das vegetarische/vegane Ernährung gesünder und besser für die Umwelt ist, ist kein Kulturkampf, sondern wissenschaftlich erwiesene Tatsache.