piwik no script img

Debatte um Ferat Koçak Das reicht nicht

Kersten Augustin

Kommentar von

Kersten Augustin

Nach der Erklärung von Ferat Koçak bleiben viele Fragen offen. Doch die Linken-Spitze gibt sich zufrieden – und zeigt damit Schwäche.

S oll es das gewesen sein? Wenn es nach Heidi Reichinnek und Sören Pellmann, den Fraktionsvorsitzenden der Linken, geht, offenbar schon. Nachdem der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak in der Zeit und auf seinen eigenen Kanälen eine abenteuerliche Geschichte über seine Affäre mit der Familie Remmo erzählt hat, will die Fraktionsspitze die Sache auf sich beruhen lassen. Dass er seinen Platz im Innenausschuss räumt, findet die Fraktionsspitze ausreichend und kündigt an, er werde seine „engagierte Arbeit“ künftig anderweitig fortsetzen. Schließlich habe Koçak „wie angekündigt für Transparenz gesorgt“. Wie bitte?

Auch nach den neuen Äußerungen von Koçak bleiben viele Fragen offen: Koçak behauptet, er habe erst spät erkannt, dass er es mit Vertretern der organisierten Kriminalität zu tun habe. Danach brach er aber nicht den Kontakt zu Firas Remmo ab, sondern nutzte ihn, um seine Rede verbreiten zu lassen. Eine harte Distanzierung habe er nicht „hingekriegt“. Koçak war also entweder naiv und schwach, oder er ist unehrlich. Beides wäre ein Problem. Die Remmos haben bewiesen, dass sie Koçak unter Druck setzen können.

Noch intransparenter ist Koçaks Umgang mit dem Vorwurf, er stehe Menschen und Organisationen nahe, die Terror gegen Israel glorifizieren. Welches Verhältnis er zu dem Aktivisten Ibrahim Ibrahim hat, mit dem er auf Demonstrationen auftrat, hat Koçak nicht überzeugend aufgeklärt.

Dabei trägt Koçak als prominentestes Mitglied der Linken in Berlin-Neukölln eine Verantwortung. Wie beurteilt er, dass sein Bezirksverband eine Veranstaltung mit der hamas-nahen Organisation von Ibrahim organisierte? Wie bewertet Koçak, dass ein Aktivist, der wegen Terrorverharmlosung aus der Partei ausgeschlossen wurde, in seinem Bezirksverband weiterhin „herzlich willkommen“ ist, wie die Sprecherin des Bezirksverbands sagt?

Das ist keine Transparenz

Diese Fragen sind nicht beantwortet, Koçak hat nicht für Transparenz gesorgt. Trotzdem darf er Sprecher für Antirassismus und Antifaschismus seiner Fraktion bleiben – obwohl er nicht mehr im Innenausschuss sitzt. Koçaks Vorgängerinnen in der Rolle waren als akribische Rechercheurinnen bekannt, sie versorgten die Öffentlichkeit mit Informationen über Nazi-Gruppen und kontrollierten Innenminister. Koçak dagegen ist politischer Influencer, im Bundestag hat er jede zweite namentliche Abstimmung verpasst. Wie er die Arbeit als Sprecher fortsetzen will, wenn er nicht mehr Teil des Innenausschusses ist, ist unklar.

Dass die Parteispitze sich mit Koçaks dürftiger Erklärung zufriedengibt, zeigt beispielhaft, wie schwach und zögerlich sie in dieser Krise agiert. Man distanziert sich nach jedem neuen Vorfall und hofft, sich durchwurschteln zu können.

Tatsächlich ist die Linke in einem Dilemma. Ferat Koçak hat das erste Direktmandat im Westen geholt. Es ist auch Menschen wie ihm und dem Aktivismus für Palästina zu verdanken, dass die Partei so erfolgreich ist. Die Angst, dass ein Teil der Parteibasis und der Wähler rebellieren würde, wenn die Linke entschiedener gegen Koçak, aber auch gegen den Bezirksverband Neukölln oder die LAG Palästinasolidarität vorgehen würde, ist berechtigt.

Gleichzeitig hat diese Zurückhaltung der Parteiführung dazu geführt, dass einige Mitglieder offenbar glauben, dass die ausgewogenen Parteibeschlüsse zum Nahostkonflikt für sie wenig bedeuten.

Für kommende Woche ruft die LAG Palästinasolidarität der Berliner Linken zu einer Demonstration in Solidarität mit allen „Betroffenen der Hetze auf“. Darunter fällt für sie auch der Terrorverherrlicher Ibrahim Ibrahim. Wenn die Linke aus Angst vor ihrer Basis nichts gegen Mitglieder tut, die ihr schaden wollen, wird sie das Problem nicht in den Griff bekommen. Und gefährdet damit letztlich eine mögliche linke Regierung in Berlin.

Kersten Augustin

Kersten Augustin Ressortleiter Inland

Kersten Augustin leitet das innenpolitische Ressort der taz. Geboren 1988 in Hamburg. Er studierte in Berlin, Jerusalem und Ramallah und wurde an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München ausgebildet. Er war stellvertretender Ressortleiter der neu gegründeten wochentaz und leitete das Politikteam der Wochenzeitung. In der wochentaz schreibt er die Kolumne „Materie“. Seine Recherchen wurden mit dem Otto-Brenner-Preis, dem Langem Atem und dem Wächterpreis der Tagespresse ausgezeichnet.
Mehr zum Thema

45 Kommentare

  • Tiene Wiecherts

    Es ist wohl zu vermuten, dass der Anteil der von der OK geschmierten Politiker in den anderen Fraktionen wesentlich größer ist als in der Fraktion der Linken.



    Aber als Kenner der politischen Ökonomie sollten die maßgeblichen Leute der Linken halt wissen, dass es einen Unterschied macht, ob ein CDU-Politiker korrupt ist oder ein Linker.



    Der CDUler erfüllt seine Aufgabe vielleicht noch ein wenig besser und bei der Linken geht es darum, über einen korrupten Politiker die linke Bewegung zu unterwandern und/oder zu diffamieren und bloßzustellen, um einen erfolgreichen Klassenkampf zu verhindern.



    So einfach ist das. Bei den einen ist die Korruption Öl, bei den anderen Sand im Getriebe. Das lernt ein OK-Azubi im ersten Lehrjahr.

  • Zippism

    Dem ist wenig hinzuzufügen. Die Linke muss sich klar von Personen und Strukturen distanzieren, die antisemitische oder terrorverherrlichende Positionen vertreten. Der Kampf gegen Antisemitismus darf nicht bei Sonntagsreden und Parteibeschlüssen enden. Wo nötig, muss es auch parteiinterne Konsequenzen geben.

    Das ist keine Kampagne gegen die Linke, sondern eine Frage ihrer politischen Glaubwürdigkeit. Wer konsequent gegen Rassismus und Diskriminierung eintreten will, darf bei Antisemitismus in den eigenen Reihen nicht wegschauen oder aus Rücksicht auf Teile der eigenen Basis ausweichen.

    Eine glaubwürdige Linke sollte solche Personen nicht verteidigen, sondern sich eindeutig von ihnen trennen. Antisemitismus muss auch dann bekämpft werden, wenn es politisch unbequem ist.

  • HeinerM

    Wenn Die Linke gute Kontakte zu einer Familie unterhält, die sicherlich genug Geld hat, woher auch immer, dann kann Die Linke künftig gerne dort anfragen, wenn sie mal wieder Parteispenden haben will. Von mir war es dieses Jahr das letzte mal, das ich was an Die Linke überwiesen habe.

  • ja wirklich?

    "Kocak hat sich vom Remmo-Clan ein Handy schenken lassen und jetzt klebt der Clan an ihm," Ist das nicht ein Hammer? Kann so jemand noch Abgeordneter bleiben? Was hat er isich dabei gedacht?

    • Lowandorder

      @ja wirklich?:

      Handy kein Schnur - in echt?!



      Geschenkt



      🤖"Nein, der Politiker Ferat Koçak hat sich kein Handy schenken lassen, sondern es war umgekehrt: Koçak lernte Firas Remmo im Rahmen einer Sammelaktion für gebrauchte Handys für Aktivisten kennen. Bei dieser Aktion ging es darum, dass Remmo ein Gerät für die Sammlung abgegeben bzw. gespendet hat.“

  • MK

    Kocak hat sich vom Remmo-Clan ein Handy schenken lassen und jetzt klebt der Clan an ihm, veröffentlicht Handychats und kommt auf Wahlpartys Die Personalie Kocak ist verbrannt. Politische Karrieren haben schon wegen deutlich weniger ihr Ende gefunden. Sicherlich ist das ein bedauerliches Einzelschicksal, aber die Konsequenzen muss man sich überlegen, bevor man mit der Organisierten Kriminalität Geschäfte macht.

  • behr Behr

    Warum war das „Oberhaupt“ der Familie Remmo, ein Freund des



    „freien“ Unternehmertums ausgerechnet auf einer Wahlparty, eingeladen oder nicht, der Linken ? Bestimmt nicht, weil er das



    sozialistische Gesellschaftsmodell und die dahin führende Politik



    toll findet, sondern weil er sich unter den „Schutzmantel“ ihrer



    antirassistischen Politik stellen will, dh. für ihn sind die Linken



    brauchbare Werkzeuge oder „nützliche Idioten“. Her Koçak scheint das nicht bemerkt zu haben. Und die Parteispitze will viele ihrer



    neuen Unterstützer u. Wähler nicht vor den Kopf stoßen und laviert.

  • Iguana

    Ist schon schwierig, es als Linke richtig zu machen: entweder man zerstreitet sich oder man ist schwach. Es ist gerade ein schwieriger Balanceakt: einerseits eine absurde Kampagne und der berechtigte Versuch, sich davon nicht zu überstürzten Distanzierungen, einem betont "gemäßigten" Auftreten oder ähnlichen Aktionen drängen zu lassen und andererseits die Gefahr, gerade Angriffsfläche für die Kampagne zu liefern durch mangelnde Transparenz und Entschlossenheit.



    Ich kann mir nicht vorstellen, dass Koçak nicht wusste, mit wem er zu tun hat. Er kennt sein Viertel, ist dort sicher vernetzt und hat sich mit Clan-Kriminalität beschäftigt. Ich kann mir auch vorstellen, dass es gar nicht so leicht ist, Erwartungen im eigenen Wahlkreis zu erfüllen. Aber dann hätte er sich vielleicht einen anderen politischen Fokus suchen sollen - sofern er der Rammo-Familie nicht wirklich sehr viel näher steht als es scheint.



    Die Linke ist in einer schwierigen Lage, aber sie muss deutlicher handeln. Wobei sie mit dieser Zögerlichkeit wahrlich nicht alleine ist in der deutschen Parteienlandschaft.

    • Zippism

      @Iguana:

      So kompliziert ist der Balanceakt eigentlich nicht: Vorwürfe müssen aufgeklärt, Fakten offengelegt und problematische Personen sowie Positionen klar benannt und auf Abstand gehalten werden. Das hat nichts mit vorauseilendem Gehorsam gegenüber einer Kampagne oder mit einem besonders gemäßigten Kurs zu tun, sondern mit politischer Verantwortung.

      Sollte an den Vorwürfen nichts dran sein, kann eine transparente Aufklärung der Linken nur nutzen. Sollte sich hingegen etwas bestätigen, muss sie selbst Konsequenzen ziehen, statt darauf zu hoffen, dass die Angelegenheit irgendwann aus den Schlagzeilen verschwindet.

      Wer jede klare Distanzierung bereits als Einknicken vor Springer & Co. abtut, macht es sich zu einfach. Man kann eine Kampagne kritisieren und trotzdem die Fragen, die ihr zugrunde liegen, ernst nehmen. Beides schließt sich nicht aus.

  • ja wirklich?

    Danke für diese Auseinanderetzung mit dem politischen Verhalten Koçaks und dem Verhalten seiner Partei und Fraktion. So geht's jedenfalls nicht, wie er und sie das bishr handhaben.

  • Wanderin

    Die Vorkommnisse müssen untersucht werden, keine Frage. Schwach finde ich etwas ganz anderes: Mir ist gar nicht erinnerlich, dass Siegmund und seine Truppe nach der Wahl ins Trommelfeuer des Gossip-Journalismus genommen wurden. Seltsam, oder?



    -



    Ganz im Gegenteil, der Ton war vorauseilend gehorsam: Von "Gut gelauntem Rechtsextremismus" "Sunnyboy" und "Rechte haben bessere Laune" war die Rede und von Lehren, die man nun ziehen müsse.. Siegmund beschäftigt mehrere Mitglieder aus verbotenen Organisationen, aber bei den bösen Jungs traut man sich wohl nicht, die social media Profile zu durchstöbern. Dann muss man bei Verstößen gegen das Parteiengesetz in der AfD noch nicht mal lange an der Oberfläche graben, aber auch hier wagt man verdächtig selten, medialen investigativen Druck auszuüben.



    -



    Und jetzt bitte nicht mit der "Man wird doch wohl noch die Linke kritisieren dürfen" Nummer ankommen- Natürlich soll man. Aber es ist mehrfach aufgefallen, dass Eralp Zielscheibe eines unverhältnismässigen Kampagnen-Journalismus wurde, bei dem nicht benannt, aufgeklärt und eingeordnet wurde, sondern Zweifel und Unklarheiten stetig geschürt wurden.

    • Zippism

      @Wanderin:

      Ein netter Versuch, vom eigentlichen Thema abzulenken. Konkrete Vorwürfe gegen Siegmund oder die AfD müssen selbstverständlich ebenfalls untersucht und benannt werden. Das erledigt die offenen Fragen im Fall Koçak allerdings nicht.

      Zur Klarstellung: Es geht nicht darum, Koçak pauschal als Antisemiten zu bezeichnen. Im Raum stehen Fragen zu seinem Verhältnis zu Personen, die Terror gegen Israel glorifizieren, und zum Umgang seines Neuköllner Bezirksverbands mit solchen Akteuren. Diese Fragen sind laut taz bislang nicht überzeugend beantwortet.

      Wer darauf reflexhaft mit „Aber die AfD!“ reagiert und stattdessen über angeblichen Kampagnenjournalismus spricht, lenkt vom Thema ab

    • Pilzlibelle

      @Wanderin:

      "Mir ist gar nicht erinnerlich, dass Siegmund und seine Truppe nach der Wahl ins Trommelfeuer des Gossip-Journalismus genommen wurden."

      Dann leben Sie unter einem Stein, anders ist das nicht zu erklären. Gerade bei der AFD sucht man gut und gerne in der Vergangenheit rum. Bei Siegmund hat man sich an seiner Bachelorthese zu Raumdüften abgearbeitet und dass einer seiner Wahlhelfer in einer mittlerweile verbotenen Jugendorganisation war, wurde auch ausführlich berichtet.

      Man muss sich halt an den Standard messen, den man für andere aufstellt. Da hilft kein Whataboutismus, Opferrolle oder Wagenburgmentalität. Koçaks Flirt mit organisieren Verbrechern geht garnicht und die Salamitaktik, mit der immer mehr herauskommt, macht alles nur noch schlimmer.

      Hier muss es Konsequenzen geben. Fertig. Aus.

      • Wanderin

        @Pilzlibelle:

        "Whataboutismus, Opferrolle oder Wagenburgmentalität"



        -



        Arbeiten mit Unterstellungen und Etikettierungen. Wie ich oben bereits gesagt habe- diese emotionale Reaktion war zu erwarten.

        • Drissejal

          @Wanderin:

          Pilzlibelle hat völlig recht. Das Etikett Whataboutism passt auf Ihren Beitrag wie die Faust aufs Auge.

    • Iguana

      @Wanderin:

      Ja, wie von vielen Medien und Politikern gerade gegen die Linke gefeuert wird, ist abstrus. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass die taz da wirklich mitmacht. Und der whataboutism durch den Vergleich mit der AfD bringt uns auch nicht weiter. Die Linke hat einen anderen Anspruch und wenn wir jetzt anfangen mit die Mainstream-Medien kritisieren die Altparteien nicht so - sorry, ich meine natürlich die Mainstream-Medien kritisieren konservative und rechte Parteien nicht so - sind wir nicht besser als die.

      • Wanderin

        @Iguana:

        Medienkompetenz ist nicht whataboutism. Unter Medienkompetenz fällt, dass man sich anschaut, wie Themen gewichtet werden und ob in den Medien recherchiert und aufgeklärt oder- wiederholt und emotionalisiert wird. Ich stelle deutliche Unterschiede bei der medialen Rezeption der Wahlen in SA und Berlin in der taz fest. Darin sehe ich Anzeichen für vorauseilenden Gehorsam und kulturellen Rechtsruck, wovon auch linke Medien nicht ausgenommen sind. Vorauseilender Gehorsam ist ein ernstzunehmendes Problem, weil diese Eigenschaft damals sehr wichtig für den Systemerhalt war.

        • Drissejal

          @Wanderin:

          Sie gehen auf die berechtigte Kritik an ihrem Beitrag nicht ein, und antworten mit weiteren Ablenkungsmanövern. Als Diskutantin nicht ernstzunehmen.

  • Steffen Harzer

    Welche Sau wollt ihr noch durch das Dorf treiben. 2025 hat ein CDU Abgeordneter den Herrn Remmo ins Abgeordnetenhaus eingeladen mit Führung. Herr Adis Ahmetovic MdB (SPD) wird wiederholt Antusemitismus vorgeworfen, Israel zu kritisieren und sich zu Hamas nicht zu äußern. Auch sind wegen Ihm Mitglieder aus der SPD u.a. aus Hannover ausgetreten. Oder folgender Artikel www.juedische-allg...-platz-in-der-spd/



    Aber bei der Linken wird es immer und immer wiederholt. Jin jeder Partei gibt es Menschen die Kontakte ins kriminelle Milieu, zu Israelhasser und Antisemiten haben etc. Das ist keine Rechtfertigung, dass ist so, weil die Parteien in ihrer Mitgliedschaft wuchsen Durchschnitt der Gesellschaft abbilden. Hier wird aber ein Zweck verfolgt, einen Senat unter Führung der Linken zu verhindern und die CDU wieder ins rote Rathaus zu bringen. Oder wie erklärt ihr, dass Söder in Bezug auf den Länderfinanzausgleich sagt, in Sachsen-Anhalt können man ja die Menschen nicht bestrafen und Mittel streichen. Aber dann erklärt das man in Berlin das tun wolle, wenn die Linke regiere. Oder Merz per Gesetz Enteignung verhindern will, die sogar im GG stehen.

    • Wanderin

      @Steffen Harzer:

      Ja, durch diese ständige Wiederholung des Begriffs Antisemitismus im Rahmen der Kampagne wird der Begriff entleert. Semantische Sättigung nennt sich das. de.wikipedia.org/w...antische_Sättigung



      -



      Kurz davor war die Sache mit den Stolpersteinen, die verboten wurden in einem Ort im Osten. Daran waren CDU und AfD beteiligt- diese Meldung wurde vergleichsweise kurz abgehandelt- keine große Diskussion. Aber durch dieses ständige Wiederholen des Begriffs im Zusammenhang mit dem Namen Eralp hat man DEN Vorfall mit der CDU und AfD glatt vergessen! Was auch durchaus im Sinne dieser Parteien ist..

      • Zippism

        @Wanderin:

        Wie bequem: Sobald Antisemitismus im eigenen politischen Umfeld zur Sprache kommt, wird daraus plötzlich eine „Kampagne“, „semantische Sättigung“ oder ein Ablenkungsmanöver. Bei den politischen Gegnern gilt derselbe Vorwurf dann selbstverständlich wieder als berechtigt.

        Der Hinweis auf andere Fälle ändert daran nichts. Antisemitische Äußerungen oder Verbindungen in CDU und AfD müssen genauso benannt und aufgearbeitet werden. Aber weshalb sollte das ein Grund sein, bei der Linken wegzusehen?

        „Bei den anderen gibt es das auch“ ist jedenfalls keine ernsthafte Antisemitismusbekämpfung, sondern eine bequeme Ausrede, solange die eigenen Leute nicht betroffen sind.

    • Suryo

      @Steffen Harzer:

      Die Linke in Berlin, allen voran Koçak, diffamiert den Begriff „Clankriminalität“, will die Zahl der Polizisten reduzieren und die Razzien, mit denen die Clans auf Trab gehalten werden, beenden. Denn da diese Clans migrantisch sind, ist es „rassistisch“, diese millionenschweren Mafias zu bekämpfen.

      Das alles werden Sie bei keiner anderen Partei finden.

      Ergo nutzt keine Partei der organisierten Kriminalität so wie die Linke in Berlin.

      Problem verstanden?

  • Christoph

    Solche Leute müssen aus der Partei enfernt werden. Sie behindern all das Positive, das eine Starke Linke bewirken kann und geben den anderen Parteien ständig Futter, um in pawlowscher Manier gegen sie zu hetzen!!!

  • Altbayer

    Wenn bei links, Mitte, rechts - und auch bei den Wirtschaftsbossen ! - endlich die gleichen Anforderungen rigoros durchgesetzt werden, die man von der Beamtenschaft sowieso! fordert & auch durchsetzt! - sind wir alle einen riesengroßen Schritt weiter, mit der "abgeschafften Ehrlichkeit" ( Wunderbarerweise wäre damit Herr Merz nach seinem Steuervergehen sowieso schon Geschichte, noch bevor er Kanzler werden kann! ) - schlicht: ZURÜCKTRETEN bitte.

  • Ben29

    Für mich war das Statement ausreichend und auch glaubwürdig.

  • Fran Zose

    Es stimmt mich hoffnungsvoll hier innerhalb weniger Tage eine. Zweiten Artikel lesen zu dürfen, der sich mit den aktuellen Problemen der Linken zum Thema Antisemitismus und Clankriminalität beschäftigt und dabei nicht geradezu reflexartig zu dem Ergebnis kommt, dass das alles nur eine Kampagne der politischen Gegner und der bösen Presse sei. Die Probleme sind real und sie sind hausgemacht, die Frage ist wie die Parteiführung damit umgeht. Herr Augustin arbeitet es schön heraus: Niemand sagt die gesamte Linke sei antisemitisch oder OK zugeneigt. Aber wenn die Partei es nicht schafft sich von diesen problematischen Elementen vollständig und glaubhaft abzugrenzen, dann muss sie sich den Vorwurf gefallen lassen mit diesen Elementen gemein zu machen und letztlich nicht regierungsfähig zu sein. Das Heft des Handelns liegt in der Hand der Alinen, nur wird sie sich am Ende auch am Ergebnis wird messen lassen müssen.

    • Francesco

      @Fran Zose:

      Clankriminalität ist etwas völlig anderes als Antisemitismus. Due einzige Verbindung ist, dass Remmo und Ibrahim bei derselben Wahlparty aufgetaucht sind. Deshalb die Bitte: Bitte diese zwei Komplexe nicht vermischen.

      • Zippism

        @Francesco:

        Die beiden Themen sollte man selbstverständlich nicht miteinander vermischen. Aber ihre Trennung darf auch nicht dazu dienen, eines davon kleinzureden. Niemand behauptet, Remmo und Antisemitismus hätten automatisch etwas miteinander zu tun oder Clankriminalität sei dasselbe wie Antisemitismus.

        Eine Partei, die Regierungsverantwortung übernehmen will, muss trotzdem erklären, welche Kontakte und welches Umfeld sie akzeptiert und wo sie klare Grenzen zieht. Verbindungen ins kriminelle Milieu und Kontakte zu Personen mit antisemitischen oder israelfeindlichen Positionen müssen getrennt geprüft werden. Politisch bewerten muss man anschließend beides.

        „Das sind zwei verschiedene Themen“ stimmt also. Daraus zu folgern, dass sie für die Frage der Regierungsfähigkeit keine Rolle spielen, wäre allerdings ziemlich bequem.

      • JSch

        @Francesco:

        In Fran Zoses Kommentar werden die beiden Dinge doch gar nicht vermischt, sondern nur nebeneinander genannt.

        • Francesco

          @JSch:

          Fran Zoses Kommentar war für mich nur der Aufhänger.

  • Kommen Tier

    In Stade, Delmenhorst, und vielen anderen Städten gibt es in Problem mit organisierter Kriminalität, schon seit Jahren.

  • So,so

    Dass die Linke an sich selbst scheitern sollte (auch neben der Kampagne) möchte man nicht hoffen.



    Kluges Durchgreifen erhielte die Glaubwürdigkeit nach diesem ermutigenden Wahlsieg.

  • Elite123

    Ist Kocak vielleicht nur das Exempel der Remmos, und Heidi und Co. können nicht intervenieren, weil die Remmos dann sonst weitere Treffen droppen?

    • *Sabine*

      @Elite123:

      Kluge Frage. Ich habe darüber nachgedacht, weshalb die linke Führung das so hinnimmt, sah dafür ursächlich aber linke Solidarität und politische "Kumpelei". Ihre Vermutung ist naheliegender und auch realistischer für ein Umfeld, in dem es um Macht und Einfluss geht.

    • DocSnyder

      @Elite123:

      Warum sollte dieser Clan denn Chats und Treffen sonst öffentlich machen? Irgendein Plan wird schon dahinter stecken.

      • Georg Sonntag

        @DocSnyder:

        Remmo Junior war stinksauer weil.die Linke sich nicht zu ihnen bekennen wollte, bzw zumindest behauptet Papa Remmo vor die Tür gesetzt zu haben. Jetzt wird eben bewiesen daß der Kontakt zu Herrn Kocak doch ziemlich eng war/ist.



        Herr Kocak hat mir seiner besonderen Art einen besonderen Wählerkreis erschlossen. Und da gehören eben Leute wie Herr Ibrahim dazu. Nun gilt es sich zu distanzieren ohne diese zu verprellen. Ein sehr gewagter Drahtseilakt.

  • Andreas Flaig

    Nach all dem innerparteilichen, für jeden öffentlich einsehenden Clinch, fällt auf, das derjenige der die Linke wegen ihrer Sozialpolitik unterstützt, sich seltsam fühlt.



    Da sind jetzt die, die endlich etwas enorm wichtiges auf der "Palette" haben, sich in der Position befinden, es umzusetzen zu können und trotzdem laufen die Kontakte weiter:



    "Koçak hat nicht für Transparenz gesorgt. Trotzdem darf er Sprecher für Antirassismus und Antifaschismus seiner Fraktion bleiben – obwohl er nicht mehr im Innenausschuss sitzt."

    Wo bleibt die schlichte Logik, das die Partei, welche durch teilweise inakzeptabler Argumentation durchzogen ist, sich nicht dagegen aufbäumt? Hier geht es um einen realen, überlebenswichtigen Vorgang, die Partei zu erhalten und nicht zu bremsen und als letzten linken Relikt verstauben zu lassen.



    "durchwurschteln"? forget it

  • Sam Spade

    Hier erweist sich die Linke als nicht lernfähig. Wenn innerhalb der Partei nicht für Aufklärung gesorgt wird, dann besorgen es Springer & Co Transparenz zu schaffen und treiben die Linke solange vor sich her, bis auch der letzte Koalitionspartner eine Absage an die Linke erteilt hat.

    Denn auf eines ist Verlaß, im Dreck wühlen kann die Bild wie kein anderes Blatt. Erstes Ergebnis in Sachen Transparenz wurde heute bereits in der Bild verkündet "Koçak hat Verwandtschaft als Mieter in Remmo Immobilie untergebracht".

    Fortsetzung folgt garantiert.

    • Budzylein

      @Sam Spade:

      So ist es. "Zu sagen, was ist, bleibt die revolutionärste Tat" (Rosa Luxemburg). Dazu gehört es auch, im Dreck zu wühlen. Und zwar auch dann, wenn es die eigenen Leute betrifft. Sonst wird man den Dreck nicht los. Es sollte der Anspruch der Linken sein, die Fakten zu benennen.

    • Suryo

      @Sam Spade:

      Das Problem Kocaks ist, dass er mehrfach im Bundestag schon den Begriff “Clankriminalität” skandalisiert und diffamiert hat, und den Kampf gegen die organisierte Kriminalität in Berlin für schlimmer als die organisierte Kriminalität selbst. Obwohl diese millionenschweren, anhand patriarchaler Familienstrukturen organisierten Mafias nun alles sind, was man als Linker nur verabscheuen kann. Und wären diese Clans nicht migrantisch, wäre das auch für die Berliner Linke völlig zweifellos ganz selbstverständlich.

      Der Punkt ist: die Clans freuen sich nicht grundlos über den Sieg der Linken. Ein Senat, der die Polizei reduziert, die Zahl der Razzien verringert, den Begriff Clankriminalität tabuisiert und so tut, als sei es schlimmer (da “rassistisch”), die Remmos, Abu-Chakers und Co offensiv zu bekämpfen, als sie weiter ihre Verbrechen begehen zu lassen, ist den Clans schlicht und einfach nützlich. Die Linke ist für die OK gut für’s Geschäft.

      Und das muss eigentlich doch auch mal in der Linken irgendjemand einsehen und gegensteuern.

      • Francesco

        @Suryo:

        Der Begriff Clankriminalität ist aber auch sehr umstritten.

        • Zippism

          @Francesco:

          „Umstritten“ ist natürlich ein bequemes Wort. Damit lässt sich ein reales Problem schnell zu einer bloßen Debatte über Begriffe machen. Wenn der Ausdruck „Clankriminalität“ zu ungenau oder problematisch ist, kann man meinetwegen von organisierter Kriminalität in familiären Strukturen sprechen.

          An den Strukturen und den begangenen Straftaten ändert das allerdings nichts. Eine Partei, die Regierungsverantwortung übernehmen will, sollte deshalb erklären, wie sie gegen solche Strukturen vorgehen will, statt sich vor allem daran abzuarbeiten, ob man das Problem politisch korrekt benennen darf.

          Durch das Entfernen des Etiketts verschwindet schließlich nicht der Inhalt.

        • Suryo

          @Francesco:

          Selbst wenn, was ich bestreite: der Begriff ist nicht so schlimm, wie das, was er bezeichnet.

          Halten Sie es für schlimmer, den Begriff zu benutzen, anstatt die organisierte Kriminalität zu bekämpfen? Sind diese millionenschweren Organisationen irgendwie anders als jede andere Mafia, nur, weil sie migrantisch sind?

        • cazzimma

          @Francesco:

          Wieso eigentlich? Wir reden hier von mafiösen Strukturen, aus denen die einzelnen Familienmitglieder schwerlich herauskommen. Mitgehangen - mitgefangen, Wagenburgmentalität, "Familienehre" und so weiter. Exakt das Gleiche, wie es international in der Organisierten Kriminalität üblich ist.



          Und dann mit linguistischer Überempfindlichkeit darauf reagieren ...

          • Francesco

            @cazzimma:

            Lesen Sie mal den Wikipedia-Artikel dazu.