Autos geben Daten weiter: Ausgespäht im Pkw
Wer ein neues Auto kauft, bekommt einiges an Software dazu. Das hat mehr Folgen für die Privatsphäre als bislang bekannt, zeigt eine neue Studie.
Foto: Marvin S. Tolent/imagebroker/imago
Aktuelle Pkw-Generationen erheben nicht nur eine ganze Reihe an Daten über die Nutzenden – sondern sie geben diese teilweise auch an Tracking- und Marketingfirmen weiter. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Northeastern University in Massachusetts und der Verbraucherorganisation Consumer Reports. „Es gibt eine große Diskrepanz zwischen dem, was die Autohersteller offenlegen und dem, was vernetzte Fahrzeuge tatsächlich an Daten weitergeben – was explizite Auswirkungen auf den Datenschutz hat“, heißt es in der Studie.
Die Forscher:innen untersuchten 21 Pkws von 17 Herstellern und 30 Apps, die zu modernen Autos dazugehören. Mit dabei waren unter anderem Modelle der Marken Tesla, Volvo, Toyota, Ford, Fiat und Mercedes. Das Ergebnis: 19 der 21 Modelle senden Daten an mindestens einen Dritten – also an eine Firma, die nicht der Autohersteller ist. Als ebenso mitteilsam stellten sich die Apps heraus: 7 von 30 gaben sensible Daten an Tracking- und Marketingfirmen weiter. Dazu zählten eine eindeutige Identifikationsnummer, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und präzise Ortsdaten.
Unter den Top 10 der Unternehmen, die besonders oft Daten erhielten, finden sich die Namen bekannter Tech-Konzerne: Die Google-Mutter Alphabet steht auf Platz 1, gefolgt von Amazon und Spotify. Auch Microsoft, Meta und Cloudflare, ein großer US-amerikanischer IT-Anbieter, finden sich unter den ersten 10. „Ob die Kunden sich dessen bewusst sind oder nicht – die großen Tech-Konzerne sind allgegenwärtig in den Autos, die wir fahren“, sagte Nicole Zagson, Co-Autorin der Studie gegenüber Consumer Reports.
Nicole Zagson, Northeastern University Massachusetts
Die Fahrzeuge Model 3 und Cybertruck von Tesla führen das Ranking der Modelle an, die am meisten Daten weitergeben. Aber auch Modelle von Honda, Ford und Volvo sind unter den oberen zehn. Am datensparsamsten schnitten jeweils ein Modell von Mercedes und eines von Buick ab. Bei Tesla haben die Nutzenden der Studie zufolge nicht einmal die Möglichkeit, das Tracking abzuschalten: Versuche man, der Einwilligung zur Datenweitergabe zu widersprechen, erscheine die Warnung, dass in diesem Fall der Funktionsumfang des Fahrzeugs eingeschränkt sein könne oder es „ernsthaften Schaden“ nehme.
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen
meistkommentiert