Friedensnobelpreis 2026: Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis
Die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay wird mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Der gilt als die wichtigste Auszeichnung der Welt.
dpa/taz | Der Friedensnobelpreis 2026 geht an die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay. Das gab die norwegische Nobeljury am Freitagvormittag in Oslo bekannt. Die Entscheidung wurde im Livestream übertragen.
Navanethem Pillay wurde 1941 im südafrikanischen Durban als Kind tamilischer Eltern geboren und ist während des Apartheid-Regimes aufgewachsen. Sie war die erste weibliche Person of Colour, die in Südafrika eine Kanzlei als Rechtsanwältin eröffnete. Sie vertrat Opfer des Apartheid-Regimes.
Später wurde Pillay zur Richterin am Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda ernannt. Sie wirkte bei wegweisenden völkerstrafrechtlichen Urteilen mit. Ähnlich einflussreich war ihre Zeit als Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte.
Von 2021 bis 2025 war sie Vorsitzende der UN-Kommission zur Prüfung möglicher Verletzungen des internationalen Völkerrechts in den besetzten palästinensischen Gebieten und Israel. Die UN-Kommission kam unter Pillays Vorsitz zum Schluss, dass Israel einen Genozid beginge.
Die norwegische Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass Pillay maßgeblich dazu beigetragen habe, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord strafrechtlich verfolgt würden.
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Livestream zum Friedensnobelpreis
Pillay muss noch ans Telefon gehen
Selbst weiß Pillay aber scheinbar noch nichts von der Entscheidung der norwegischen Nobeljury. Die habe sie noch nicht erreichen können: „Wenn eine norwegische Nummer anruft, nimm bitte ab“, sagte Jurymitglied Jørgen Watne Frydnes bei der Verkündung.
Die Preisträger wählte die Nobeljury aus 287 Kandidatinnen und Kandidaten aus, die in diesem Jahr für den begehrten Preis vorgeschlagen wurden – 208 Personen und 79 Organisationen.
Vorab waren Menschenrechtsorganisationen gute Chancen eingeräumt worden
Im letzten Jahr hatte die venezolanische Oppositionspolitikerin María Corina Machado den Friedensnobelpreis erhalten. Später hatte sie diesen an den US-Präsidenten Donald Trump weitergegeben, auch wenn das nach den Nobel-Regeln nicht möglich ist.
Daher rechneten Experten damit, dass die Jury in diesem Jahr versuchen wird, einen neuen Skandal zu vermeiden und sich auf weniger umstrittene Kandidaten einigt. „Ich glaube, dass die Welt vor allem daran erinnert werden muss, wie wichtig es ist, dass wir zusammenarbeiten“, sagte der Leiter des Osloer Friedensforschungsinstituts Prio, Haakon Gjerløw. Die vielen Konflikte überall auf der Welt führten dazu, „dass man sich der Folgen von Krieg sehr bewusst wird, und auch, dass man sich sehr bewusst darüber wird, was wir verlieren, wenn wir die internationale Zusammenarbeit verlieren“.
Als aussichtsreiche Kandidaten galten demnach Kinderrechtsorganisationen wie Save the Children oder die Emergency Response Rooms im Sudan – lokale Netzwerke, die seit Beginn des Krieges humanitäre Hilfe in Form von Lebensmitteln, medizinischer Versorgung und Notunterkünften organisieren. Für die aus den Graswurzelstrukturen der Demokratiebewegung entstandenen Emergency Response Rooms gab es voriges Jahr den alternativen Nobelpreis.
Dotiert ist der Friedensnobelpreis in diesem Jahr mit zwölf Millionen schwedischen Kronen und damit einer Million Kronen mehr als im Vorjahr. Umgerechnet entspricht das etwas mehr als einer Million Euro. Seit Montag sind bereits Nobelpreisträger in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie und Literatur verkündet worden. Unter den drei Medizinpreisträgern sind mit Peter Hegemann und Georg Nagel zwei deutsche Forscher. Die prestigeträchtige Auszeichnung für Literatur ging in diesem Jahr an die Kanadierin Anne Carson.
Kommende Woche geht es weiter
Am Montag folgt noch der Preis der Schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften in Gedenken an Alfred Nobel. Offiziell ist die Auszeichnung kein Nobelpreis, weil sie nicht auf das Testament des schwedischen Industriellen und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel (1833–1896) zurückgeht. Sie wird aber traditionell nach den Nobelpreisen vergeben.
Überreicht werden alle Preise am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters. Als einzige der Auszeichnungen wird der Friedensnobelpreis nicht in Stockholm, sondern seit der ersten Vergabe der Nobelpreise 1901 in der norwegischen Hauptstadt Oslo verliehen.
Anmerkung der Redaktion: Der Text wird im Laufe des Tages mehrfach aktualisiert.
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