Ökostromer gibt auf: Ausgegrüüünt
Die Ökostrommarke mit den drei Ü stellt die Belieferung ihrer Kunden Ende des Monats ein – Ursache sind die geplanten Einschnitte bei der Förderung.
Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Die Ökostrommarke grüüün beendet ihr nationales Angebot für Verbraucher zum 31. Oktober. Sie gehört zur Firma Münch Energie mit Sitz im oberfränkischen Rugendorf, die den Schritt mit dem „aktuellen Regulierungstrend“ begründet.
„Ihr habt es sicher mitbekommen, die Politik dreht an der Energiewende, aber in die falsche Richtung“, schrieb das Unternehmen am späten Donnerstag unter dem Betreff „Wir müssen aufgeben!“ an seine Kunden. Grüüün habe versucht, „den Energiemarkt fairer und ehrlicher zu machen“, und habe dafür „in den letzten zwei Jahren alles gegeben“. Man habe „gemeinsam eine Vision geteilt: Grünstrom für alle!“, doch nun müsse man mit den Kunden „eine traurige Nachricht teilen“.
Während man die Mitteilung an die Kunden noch so verstehen kann, als seien es reine Regulierungsfragen, die dem Unternehmen das Leben schwer machen, zeigt ein Hintergrundpapier deutlicher, dass es letztlich um die Einschränkungen bei der Förderung geht, die Wirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche (CDU) derzeit plant.
Aufgrund anstehender Änderungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und dem Netzpaket werde man „eingeplante Grünstrommengen in Zukunft nicht erzeugen können“, heißt es bei dem Stromversorger, der sich selbst „Stromfürsorger“ nennt.
Mit der Kritik ist die Firma nicht allein: Am Freitag war in Berlin eine Energiewende-Demonstration geplant, bei der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter dem Motto „Ausbauen statt Ausbremsen!“ gegen Reiches Pläne protestieren wollen.
Die Münch-Gruppe hatte als Projektierer von Erzeugungsanlagen im Sektor der Erneuerbaren die Marke grüüün im Jahr 2024 entwickelt, um einen Vertriebsweg für selbst erzeugten Strom zu schaffen. Bei Mitbewerbern heißt es, die Firma sei mit „guten Konditionen“ und „außerordentlich offensiv“ auf den Markt getreten – was dem Unternehmen nun offenbar zum Verhängnis wurde.
Denn es liegt nahe, dass der Zubau eigener Anlagen der Firma Münch angesichts der derzeit geplanten EEG-Novelle nicht mehr wie veranschlagt vorankommen wird – und das Unternehmen daher in Zukunft mehr als geplant Strom zukaufen muss. Die Belieferung der Endkunden zu den vorgesehenen Konditionen ist damit offenbar wirtschaftlich nicht mehr tragfähig.
Dass grüüün aber einen „aktuellen Regulierungstrend“ als Grund anführt, machte unterdessen auch Mitbewerber im Ökostrommarkt etwas stutzig. Denn keiner der Akteure weiß einschneidende regulatorische Änderungen im Ökostromhandel zu benennen, die eine Aufgabe des Ökostromvertriebs an Endkunden nahelegen könnten.
Die rund 200.000 Kunden von grüüün müssen sich nun einen neuen Anbieter suchen. Andernfalls fallen sie zum 1. November in die Grundversorgung ihres örtlichen Anbieters. Grüüün empfiehlt seinen Kunden als „gute Alternative“ die Naturwerke, ein Unternehmen der Check24-Gruppe.
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