Kehrtwende beim Elterngeld : Prien nimmt Väter in die Pflicht
Bundesfamilienministerin Karin Prien will mehr Partnerschaftlichkeit bei jungen Eltern. Dafür wagt sie etwas.
Foto: Thomas Kienzle/ap
B eim Elterngeld setzt Karin Prien noch mal neu an. Laut einem Entwurf des Bundesfamilienministeriums von vergangener Woche soll dieses erhöht werden – erstmals seit seiner Einführung im Jahr 2007. Zugleich soll die Bezugsdauer des Elterngeldes nun doch bei 14 Monaten bleiben. Indem sie die Aufteilung ändert, nimmt die Familienministerin zugleich die Väter in die Pflicht – und könnte damit echten gesellschaftlichen Wandel anstoßen.
Der neue Entwurf sieht das 4-6-4 Modell vor: Auf beide Elternteile entfallen je vier Monate bei 80 Prozent des Nettolohns, die restlichen sechs Monate sind bei einer Lohnersatzquote von 50 Prozent frei aufteilbar. Für den vollen Bezug müssen beide Eltern statt zwei Monate künftig vier Monate Elternzeit nehmen.
Insbesondere Vätern sollte das entgegenkommen – seit Jahren belegen Studien, dass sich diese mehr an der Kinderbetreuung beteiligen wollen. Diese Worte, denen in der Vergangenheit selten Taten folgten, werden jetzt mit handfesten finanziellen Argumenten untermauert: Wer auf Elternzeit verzichtet, hat künftig deutlich mehr zu verlieren.
In puncto Gleichstellung wagt Prien also etwas. Nun muss sie sicherstellen, dass dieses Wagnis nicht auf Kosten einkommensarmer Familien geht. Der niedrigere Lohnersatz von 50 Prozent über sechs Monate bedeute für arme Familien echte Einbußen, warnen Familienverbände bereits jetzt. Eine Petition dazu hat in wenigen Tagen bereits mehr als 200.000 Unterschriften gesammelt.
Das Argument von Kritiker:innen, dass Väter bisher häufig nur zwei Monate Elternzeit in Anspruch nehmen und sich das auch in Zukunft nicht ändern werde, sollte man dabei aber nicht ohne Umschweife gelten lassen. Prien hat Anreize gesetzt, dass sich Väter künftig doppelt so lange wie zuvor um ihre Babys kümmern. Nun können diese zeigen, wie ernst sie es damit meinen.
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