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Nach Gen-Z-regelt-ProtestDer Sündenbock ist schnell gefunden

Nach den Protesten von „Gen Z regelt“ kommt es in Frankfurt und Köln zu Krawallen. Hessens Innenministerium macht vor allem „Migranten“ verantwortlich.

Yağmur Ekim Çay

Aus Köln und Frankfurt (Main)

Yağmur Ekim Çay und Andreas Wyputta

Am Sonntagmorgen ist die Frankfurter Innenstadt weitgehend leer. Vor einigen Geschäften stehen noch Polizisten, andere sind mit Holzplatten verbarrikadiert. In der Nacht hatte sich ein anderes Bild geboten: Bis in die frühen Morgenstunden kam es in der Innenstadt zu Krawallen. Zeitweise wurden Barrikaden errichtet, Schaufensterscheiben eingeschlagen und Waren aus Geschäften gestohlen. Zudem wurden zwei Waffen aus einem Geschäft entwendet, die die Polizei später sicherstellte. Nach Angaben der Frankfurter Polizei wurden insgesamt 17 Geschäfte beschädigt.

1.300 Einsatzkräfte waren laut dem Hessischen Innenministerium in der Nacht im Einsatz. Die Polizei kontrollierte 366 Personen, erteilte 1.225 Platzverweise und nahm 54 Menschen im Alter zwischen 13 und 29 Jahren fest. Die Festgenommenen hätten mehrheitlich die deutsche Staatsbürgerschaft, kämen aber aus einem „migrantischen Milieu“, so Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) am Sonntagnachmittag. Die hessische Polizei wolle „junge migrantische Männer“ nun stärker in den Fokus nehmen.

Innenminister Poseck kündigte ein hartes Vorgehen gegen die „überwiegend migrantische Täterklientel“ an. Zugleich betonte er, dass nur ein kleiner Teil der Festgenommenen aus Frankfurt stamme. Mehr als 100 Polizeibeamte seien bei den Einsätzen verletzt worden.

Der Protest in Frankfurt hatte zunächst friedlich begonnen. Zu den für Samstag angekündigten Demonstrationen unter dem Motto „Gen Z regelt“ versammelten sich rund 10.000 Menschen am Mainkai. Von dort aus zog der Demonstrationszug durch die Innenstadt. Über die Konstablerwache sollte es zurück zum Mainkai gehen.

Um 18 Uhr eskalierte die Lage

„Ich bin heute hier, weil wir viele Probleme an unserer Schule haben“, sagte der 15-jährige Schüler Sheriff von der Frankfurter Eichendorffschule der taz. „Unsere Toiletten sind kaputt, es gibt Lehrermangel und wir können nicht richtig lernen.“

Bis kurz vor der Konstablerwache verlief die Demonstration friedlich – abgesehen von vereinzelten Böllern und Feuerwerkskörpern. Deshalb hielt die Polizei den Demonstrationszug mehrfach an. Für 18.30 Uhr war an der Konstablerwache zudem eine Pressekonferenz des hessischen Innenministers Roman Poseck (CDU) angekündigt.

Kurz vor 18 Uhr eskalierte die Lage jedoch in der Bleichstraße, unweit der Konstablerwache. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein und löste die Demonstration wenig später auf. Wie die taz vor Ort beobachtete, gab es bei den Polizeieinsätzen auch mehrere Verletzte.

Noch am Abend distanzierte sich die Initiative „Gen Z regelt“ von der Gewalt. Man bedauere die Auflösung der Veranstaltung und wolle die „Geschehnisse und mögliche Fehler sorgfältig aufarbeiten, um daraus zu lernen“.

Polizei will künftig noch härter vorgehen

Die Initiative hatte unter anderem ein bezahlbares Leben sowie mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie statt weiterer Kürzungen gefordert. Sie kündigte an, weitere Demonstrationen organisieren zu wollen. „Wir wollen uns an den europaweiten Protesten am 20. November beteiligen“, erklärte ein Sprecher des Presseteams.

Aus Sicht Posecks darf die für den 20. November angekündigte Demonstration „nicht stattfinden“. Bei möglichen weiteren Versammlungen wolle die Polizei mit einem noch größeren Aufgebot präsent sein und „von Anfang an robust vorgehen“, kündigte der Innenminister an.

Auch andernorts ging die Polizei mit großer Härte vor, etwa in Köln. Dort ist es am Samstagnachmittag am Konrad-Adenauer-Ufer voll. Tausende, überwiegend junge Leute demonstrieren hier gegen kaputtgesparte Schulen, gegen Wehrpflicht und immer mehr staatliche Überwachung – und für ein bezahlbares Leben und konsequenten Klimaschutz. „Bessere Bildung, keine Waffen“, „Tax the Rich“ oder schlicht „Merz ist ein Scherz“ steht auf ihren Plakaten.

Die Demo am Rheinufer dürfte die größte Protestaktion gewesen sein, die „Gen Z regelt“ an diesem Samstag organisiert hat. Das Organisationsteam zählte, wie bereits im Vorfeld angekündigt, rund 15.000 Teilnehmende. Die Polizei sprach von einer „deutlich geringeren“ Zahl, gab aber keine genaue Schätzung heraus.

Die Demo war offiziell wegen der erwarteten Größe der Proteste, wohl aber auch aus Sorge vor Ausschreitungen und Plünderungen vom zentral gelegenen Heumarkt ans etwas abgelegene Rheinufer hinter dem Hauptbahnhof verlegt worden. Dennoch hatten vor allem Juweliere und Luxus-Boutiquen in der Innenstadt bereits am Freitag damit begonnen, ihre Schaufenster zu vernageln.

Demozug wird untersagt

Doch auch am Konrad-Adenauer-Ufer setzte die Polizei alles daran, einen Demonstrationszug zu verhindern. Dieser hätte vom Zentrum aus in Richtung der nördlichen Stadtteile führen sollen. Die Verhandlungen zwischen dem Organisationsteam von „Gen Z regelt“ und der Polizei zogen sich über Stunden hin. Am Ende wurde aus der geplanten Demonstration ein stationärer Protest. Als Begründung führte die Polizei die Vermummung einzelner Teilnehmer an.

Der Weg in Richtung Norden blieb also versperrt. Als ein Teil der Demonstrierenden dann in Richtung Süden und damit in Richtung Dom und Innenstadt ausweichen wollte, brachte die Polizei sofort zwei Wasserwerfer in Stellung. „Wir sind quasi eingekesselt“, sagte ein „Gen Z“-Ordner dazu.

Im südlichen Teil der Demonstration wurden daraufhin mehrere Rauchtöpfe und Bengalos gezündet. Dort waren Palästina-Fahnen sowie zahlreiche Fahnen von Jugendorganisationen, etwa der Linkspartei und der MLPD, zu sehen. Die Po­li­zis­t:in­nen reagierten mit großer Aggressivität. Ein Wasserwerfer und ein Räumpanzer drängten die Protestierenden immer mehr zusammen. Der LKW-große Wasserwerfer fuhr mehrmals zwar nur wenige Meter, aber stark beschleunigend und dadurch mit viel zu hoch erscheinender Geschwindigkeit auf die Protestierenden zu und durchnässte zahlreiche Demonstrierende.

Es folgten weitere beängstigende Szenen: Aus Richtung Norden stürmten behelmte Be­am­t:in­nen in Angriffsformation und mit gezogenen Schlagstöcken auch auf Menschen zu, die den Anweisungen der Polizei bereits Folge geleistet hatten und sich nicht mehr auf der Straße, sondern auf dem Gehweg befanden. Unter ihnen waren zahlreiche Jugendliche, aber auch Eltern mit ihren Kindern.

Bereits zuvor hatte die Veranstaltungsleiterin der „Gen Z“-Kundgebung, Lysianne Mondry, die Veranstaltung gegen 16 Uhr auf Druck der Polizei für beendet erklärt. Be­am­t:in­nen hätten ihr mitgeteilt, dass sie andernfalls juristisch für mögliche Gewalttaten haftbar gemacht werden könnte, sagte die 18-Jährige der taz. Sie sei enttäuscht, dass statt eines Demonstrationszugs lediglich eine Standkundgebung möglich gewesen sei.

Widersprüchliche Darstellungen

Polizeisprecher Sascha Walmeroth betonte noch am Rheinufer dagegen, die „Gen Z“-Demo sei allein auf Initiative der Versammlungsleiterin beendet worden. Zudem sei nie ein Demonstrationszug, sondern stets nur eine Standkundgebung angemeldet gewesen – eine Darstellung, der das „Gen Z“-Organisationsteam vehement widerspricht.

Im Anschluss verschärfte sich die Situation weiter: Die Polizei bildete zwei Kessel. Im größeren hielten die Be­am­t:in­nen rund 600, im kleineren etwa 100 Demonstrierende bis zum Abend fest. Erst nachdem ihre Personalien aufgenommen worden waren, durften sie gehen. Kölns Polizeipräsident Johannes Hermanns bezeichnete die Eingeschlossenen als „Extremisten“. Die Bilanz des Einsatzes fiel unterdessen vergleichsweise überschaubar aus: Lediglich ein Polizist wurde durch eine Handverletzung dienstunfähig. Bis zum späten Nachmittag gab es zudem nur eine Festnahme.

„Wir sind friedlich, was seid ihr?“, rief etwa die Gewerkschafterin Ulja Held, die sich bei der IG Metall engagiert und bei Ford arbeitet, ins offene Mikrofon des Internationalistischen Bündnisses. Die Strategie der Polizei, die Demonstrierenden zunächst festzuhalten und anschließend zusammenzudrängen, sei offensichtlich darauf angelegt gewesen, ein hartes Vorgehen gegen sie zu rechtfertigen.

Überraschend kam die große Härte des Polizeieinsatzes allerdings nicht: Nordrhein-Westfalens CDU-Innenminister Herbert Reul hatte bereits Anfang der Woche vor Ausschreitungen wie in Frankreich gewarnt und dabei an die dortigen „Brände und Plünderungen“ erinnert. „Wir werden nicht akzeptieren, dass ein marodierender Mob unsere Städte zerstört“, erklärte der 74-Jährige und gab damit den politischen Ton vor.

In Köln kam es bis in die Halloween-Nacht hinein dennoch zu Krawallen: In der Südstadt, aber auch rund um den Dom wurden Böller gezündet und Mülltonnen umgeworfen. Laut Polizei warfen Vermummte Steine und Feuerwerk auf Beamte, errichteten Barrikaden aus E-Scootern und griffen unter anderem ein Geschäft an. An Wochenenden sei der Auftritt einzelner randalierender Gruppen allerdings „nicht unüblich“, sagte eine Polizeisprecherin der taz.

Die Linkspartei in Köln kritisierte deshalb, die Polizei habe bei der „Gen Z“-Demo „schnell und von Beginn an unverhältnismäßig“ eskaliert. „Wer jungen Menschen erst das Demonstrieren verweigert und ihnen dann mit Wasserwerfern begegnet, muss sich über ihre Wut nicht wundern“, erklärte die Kölner Bundestagsabgeordnete der Linken, Lea Reisner. Sie erwarte „vom Polizeipräsidium Köln und vom Innenministerium eine lückenlose Aufklärung“.

Auch Paul Müldner vom Kölner „Gen Z“-Presseteam sagte, er finde es „erschreckend, dass die Polizei bei einer Demonstration von Jugendlichen offensichtlich von Anfang an mit dem Einsatz von Wasserwerfern plant“. Dennoch werde es schon beim internationalen Jugendstreik am 20. November auch in Köln neue Proteste geben. „Denn nach nur einer Demo“, glaubt Müldner, „ist Merz bestimmt noch nicht bereit, uns zuzuhören.“

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44 Kommentare

  • Abuela

    Was hier über das Verhalten der Kölner Polizei bei der GenZ Demonstration berichtet wird finde ich mehr als bedenklich. Als Kölnerin (die leider aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr an Demonstrationen teilnehmen kann) muß ich allerdings feststellen, daß es nicht das erste Mal ist, daß die Kölner Polizei so unverhältnismäßig und eskalierend agiert. Typisch dafür ist die massive Diskreditierung der Proteste im Vorfeld. Meiner Erfahrung nach ist dann die Polizei "bemüht", daß ihre "Prophezeiung" auch in Erfüllung geht. Besonders pervide finde ich dabei auch die Drohung gegenüber der jungen Protestanmelderin und somit die Nötigung die durch das Versammlungsrecht geschützte Kundgebung aufzulösen. Danach kann dann natürlich ganz anders von Seiten der Polizei agiert werden. Auch das Zusammendrängen und anschließende attackieren der Gekesselten ist eine typische Eskalationsstrategie. Ich kann den so behandelten Demonstranten nur anraten, einen Anwalt zu kontaktieren und gegebenfalls gegen den Kessel vorm Verwaltungsgericht zu klagen. Was bei Rechtswidrigkeit des Kessels zu Regresszahlungen an die Gekesselten führt. Meistens wird die Jahre danach nicht mehr so schnell gekesselt.

    • Dr. McSchreck

      @Abuela:

      Ich habe Verwandtschaft in Köln, die zum Teil sogar bei der Demo war. Sie fand die Polizei auch nicht unbedingt deeskalierend, allerdings hat man auch bestätigt, dass Bölller und Pyros gezündet wurden, was jetzt nicht das Material ist, was man üblicherweise zu Demos mitnimmt. Zudem hat der WDR gestern berichtet und in einem Film gezeigt, was alles an Waffen und Pryrotechnik beschlangnahmt wurde.

      Schließlich: die Randaliererer am Dom der in der Innenstadt können kaum als Reaktion auf den Kessel gehandelt haben, weil sie dann zu der Zeit gar nicht in der Innenstadt hätten sein können. Die sind gekommen, um Randale zu machen, viele aus dem Umland.

      Dazu schreiben Sie kein Wort.

      • Abuela

        @Dr. McSchreck:

        Pyrotechnik wird leider seit Jahren sehr oft auf Demonstrationen auch in Köln verwendet. Ich bin absolut keine Freundin davon. Die Kölner Polizei handhabt diese Tatsache sehr unterschiedlich, mal läßt sie eine Demo weiterlaufen, mal wird sie wie wohl am 31. unter anderem als Anlass genommen, die Demo zu stoppen. Böller kannte ich bisher nicht auf einer Demo. Mir ging es bei meinen Ausführungen ausschließlich um den Kessel und das Verhalten der Polizei dort. Auf jeden Fall hat sich die Polizei mit dem Kessel auch keinen Gefallen getan, da dadurch Beamte gebunden waren, anstatt gegen die Randalierer in der Stadt vorzugehen.

  • Westlahn

    Habe gerade TV geschaut. ÖRR. Eine Sendung über den Panzerwagen der Polizei für bis zu 9 Einsatzkräfte. Sicher gehen Molotowcocktails und Schusswaffen. Mit drehbarem Turm für Schusswaffen, eingerichtet auch für den Betrieb eines Maschinengewehrs von Heckler und Koch . Einzelfeuer, Feuerstöße und Dauerfeuer bis 800 Schuss pro Minute. Fahrtauglich mit zerstörten Reifen noch für 70 km.



    Wohlgemerkt: für die Polizei. Also den Einsatz im Inland. So ein Wagen ist teuer. Für welche Art Einsatz wird so etwas angeschafft?



    Schaut in die Mediathek. Da müsste der Film noch sein. Nur für den Fall, daß das keiner glaubt.

    • Westlahn

      @Westlahn:

      Ergänzung bzw Korrektur: n24 doku: Rollende Festungen. Sonderwagen der Polizei.

  • WolfgangBerthold

    Fazit also: Die Gewalt ist ursächlich auf die Polizei zurückzuführen. Dies wäre mit einem Sozial-Experiment leicht überprüfbar. Nächste Demos in mehreren Städten werden in Strassen mit jeweils einigen Läden erlaubt. Diese Strassen sollten in bevorzugten Wohngebieten linker Wählergruppen liegen. Gleichzeitig wird zugesagt, dass keine Polizei vor Ort ist. Die Ursache der Gewalt ist ja damit beseitigt. Die Folgen wären dann empirisch gut auswertbar.

    • Abuela

      @WolfgangBerthold:

      Sie werfen die GenZ Demonstration am Nachmittag in einen Topf mit den Plünderungen am Abend und in der Nacht? Objektivität scheint nicht gerade Ihre Stärke zu sein. Selbst die Polizei und die Politiker machen eine deutlich Unterscheidung.

    • DerBlondeHans

      @WolfgangBerthold:

      Ja, Demo-Route mal hier durchs Frankfurter Nordend, mal sehen, was aus den veganen Läden wird. Und ob die Anwohner "solidarisch" sind.

      • Oma

        @DerBlondeHans:

        Die Party findet dann woanders statt. Vegane Läden sind nicht sonderlich attraktiv.

    • Dr. McSchreck

      @WolfgangBerthold:

      Ich denke, Ihr Vorschlag wird keine Zustimmung finden, weil dann "linke Läden ausbaden müssten, was die Mehrheitsgesellschaft diesen jungen Menschen an Ignoranz entgegengebracht hat" oder so ähnlich....

      Bekanntlich haben im Paris arabischstämmige Jugendliche auch keine arabisch-stämmigen Händler verschont.

  • Klabauta

    Ganz gleich, wie man diese Krawalle beurteilt - Das Vorgehen der Polizei und die Reaktion von Dobrindt & Co sind entweder maximal dumm oder aber politisch gewollt.



    Was ist geschehen?



    Im Vorfeld gab es eine extreme Panikmache und Diskreditierung der Demonstrierenden durch verschiedene Medien, Politik und Polizei. Am Samstag dann teilweise Behinderung der Demonstrationszüge durch die Polizei und Aufbau einer Drohkulisse (Wasserwerfer, martialisch auftretende Polizist*innen), Polizeikessel.



    Reaktion auf die beginnenden Ausschreitungen: Auflösung der Demonstration. Ergebnis: Eskalation. Im Nachgang Dobrindts und Posecks Ankündigung, das Versammlungsrecht einschränken und die Demonstrationen am 20. November verbieten zu wollen.



    Was wäre die klügere Alternative gewesen? Einsatz von Anti-Konflikt-Teams der Polizei, Duldung von kleineren Verstößen (Rauchtöpfe/Pyros), ggf. Ansprache nach dem „AHA!“-Konzept (Die Abkürzung „AHA!“ steht für Aufmerksamkeit, Hilfe und Appell).



    Mein Eindruck ist, dass die Konfrontation gewollt war, um repressive Maßnahmen in der Zukunft zu legitimieren, s.o.

    • Dr. McSchreck

      @Klabauta:

      Sie verkennen offenbar, dass sowohl in köln als auch in frano(und wohl auch in Stuttgart, wie man lesen konnte) völlig andere Personen randaliert haben als vorher auf dem Demo waren, speziell in köln waren die mit Pyrotechnik und Waffen ausgestatteten ja sogar noch eingekesselt, als ganz woanders (nahe dem Dom) die Gewalttäter ihre Zerstörungen begannen.

      Ebenso ab der berüchtigten Party Meile am Ring, den man Samstag Abend ohnehin meidet. Die da randaliert haben, waren zu 99 Prozent nicht nachmittags demonstrieren, darauf wette ich. Auch wenn es nicht nachweisbar ist, es ist einfach ein anderes Publikum, dem Schulen oder Wehrpflicht egal ist.

      • Klabauta

        @Dr. McSchreck:

        Das mag sogar sein und wird zu klären sein. Warum aber muss es dann als offenbar willkommene Begründung für ein Demonstrationsverbot herhalten? Verstehe ich nicht.

        • rero

          @Klabauta:

          Weil das Eine zu dem anderen führte, so die Logik.

        • Dr. McSchreck

          @Klabauta:

          Das war nicht meine Aussage. Sondern dass die Randale unabhängig von der Einsatztaktik stattgefunden hat. Daher rechtfertigt sie auch kein Verbot.

          Aber wer Messer und Böller mitbringt, der will sowieso nicht friedlich demonstrieren.

        • Walterismus

          @Klabauta:

          Weil diese Randalierer sich in die Gruppe friedlicher Demonstranten gemischt haben.

  • Sybille Bergi

    Entschuldigung, aber Frankfurt ist die Stadt mit dem größten Migrantenanteil. Und genau da hat es jetzt richtig geknallt. Wenn man sich ansieht, dass die meisten Migranten aus Kriegsgebieten kommen, bzw. Gebieten wo seit Jahren kein friedliches Zusammenleben möglich ist (Syrien, Afghanistan) dann ist es doch nicht so verwunderlich, dass eine höhere Gewaltbereitschaft vorliegt. Das Problem waren sicherlich nicht die in Düsseldorf lebenden Japaner und Japanerinnen.

    • Klabauta

      @Sybille Bergi:

      „ Die Festgenommenen hätten mehrheitlich die deutsche Staatsbürgerschaft"“

      Und jetzt? Es geht nicht um Geflüchtete, auch wenn Ihnen das in den Kram passen würde.



      Und das Dobrindt immer noch von „Migranten“ spricht, wirft nur ein Licht auf sein offenbar völkisches Verständnis von Staatsbürgerschaft.

      • rero

        @Klabauta:

        Nun wissen wir ja, dass ein großer Teil der Migration aus Ländern außerhalb der EU über das Asylrecht läuft.

        Zudem wird, wie man bei Palästinensern sieht, der Flüchtlingsstatus vererbt.

        Also geht es eben auch um Geflüchtete.

        Das lässt sich schlecht leugnen, spielt aber wohl nicht die Rolle.

        Da „Migranten“ keine Ethnie ist, ist da nicht viel mit völkisch.

      • Westlahn

        @Klabauta:

        Naja, Dobrindt halt. Bajuwaren sind m. W. aus Osteuropa u.a. in den Voralpenraum eingewandert. Dann ein paar Jahrhunderte ziemlich unter sich geblieben. Bis nach dem Krieg ein paar Millionen Deutsche eingewandert sind. Dobrindt hat halt diese Angst vor der Umvolkung....Seine Partei kommt nur noch auf 30% +x, wurde schon rechts überholt. Wenn da nicht oft genug das Wort "Migranten" fällt, gilt er als Sozi.

        • Oma

          @Westlahn:

          So ein Quatsch, in Bayern weiss man gar nicht, was Sozis überhaupt sind. Kennt höchstens die ältere Generation in München noch, aber selbst da sind Sozis inzwischen so gut wie ausgestorben. Wie haben einen grünen Bürgermeister, dem seine neue Trachtenweste übrigens ausgesprochen gut steht.

  • Ingo Bernable

    "Hessens Innenministerium macht vor allem „Migranten“ verantwortlich."



    "Die Festgenommenen hätten mehrheitlich die deutsche Staatsbürgerschaft"



    Die Sichtweise nach der die Staatsbürgerschaft weniger zählt als Hautfarbe und Nachname, nach der auch jemand der in dritter oder vierter Generation Deutscher ist solange nicht wirklich dazu gehört, solange er sich nicht rückstandsfrei und vollständig assimiliert hat, scheint auch in der Union immer mehr Anhänger zu finden. Wenn aber Menschen die in dritter und vierter Generation die immer gleich Erfahrung machen von Chancen und Teilhabe abgeschnitten und der Mehrheitsgesellschaft nicht akzeptiert und ausgegrenzt zu werden, darauf irgendwann mit Wut und Aufständigkeit reagieren fällt ihnen nicht mehr ein als noch härter darauf zu beharren, dass "die" ja nun wirklich nicht zu "uns" oder auch nur akzeptiert gehören und man also "künftig noch härter vorgehen" müsse.

    • Dr. McSchreck

      @Ingo Bernable:

      Viele Menschen der zweiten und dritten Generation haben sich selbständig gemacht, als franchise nehmer für große Ketten oder mit kleinen Läden oder Restaurants. Fragen Sie die mal, was sie von den jungen Tätern halten.

      Ich bin da klar bei den Opfern, nicht den Tätern, die Sie hier in Schutz nehmen. Es geht nicht um Herkunft, es geht um Verhalten.

      • Ingo Bernable

        @Dr. McSchreck:

        "den Tätern, die Sie hier in Schutz nehmen"



        Das ist eine Unterstellung. Die Frage wie und warum diese Jugendlichen zu Tätern werden sollte man schon noch stellen dürfen wenn man an nachhaltigen Lösungen interessiert ist. Mit Repression und dem in Dauerschleife wiederholten Ruf nach der ganzen und maximalen Härte des Gesetzes allein wird man soziale und strukturelle Probleme der Gesellschaft jedenfalls kaum lösen können.

        • Dr. McSchreck

          @Ingo Bernable:

          Die Probleme sind ja so groß geworden trotz Sozialarbeitern und anderen Hilfen. Meines Erachtens erklärt sich diese extreme Respektlosigkeit genau aus fehlender Härte, fehlenden Konsequenzen.

          • Peeragow

            @Dr. McSchreck:

            Ich bin 100-prozentig ihrer Meinung!

  • Perkele

    Das alles passt haargenau zusammen. Unser Innenminister (der sich als Gesetzesbrecher im Amt geriert) hetzt allwissend sofort gegen "Linke- und Migrations-Extremisten" . Die Beteilgung von Rechtsextremisten - die ebenso zu vermerken ist- wird schlicht "vergessen".(Aussage einer Forscherin, die sich mit Demos befasst im WDR TV gestern Nachmittag) Die Polizei hat unverhältnismäßig hart gehandelt - längst nicht überall, jedoch punktuell allemal. Doch der rechtslastige Dobrindt, die einschlägigen Rechtsmedien und natürlich die AgD haben wie immer nur einen Blick auf Linke und Migranten. Sehr demokratisch, fair und ausgewogen!?

    • Dr. McSchreck

      @Perkele:

      In Frankfurt dürften einige der Meinung sein, die Polizei habe zu spät und zu lasch gehandelt.

      Hinterher ist man immer klüger.

      Man soll doch froh sein, dass es in den meisten Städten friedlich blieb.

      • Perkele

        @Dr. McSchreck:

        Darüber bin ich sehr froh, ganz gewiß! Dennoch: sofort wird von den üblichen Hetzern gegen "links" und gegen "Migranten" gelogen und polemisiert - wider besseres Wissen, allein aus ideologischen Beweggründen. Und noch eins: Die Polizei hat auch Fehler gemacht, das zu leugnen ist fahrlässig.

  • Ahnungsloser

    Niemand behauptet, dass die friedlichen Demonstranten in Frankfurt Randale gemacht haben. Was später in der Dunkelheit passiert ist, hat nichts mit den friedlichen Demonstranten zu tun. Allerdings auch nicht mit der Polizeipräsenz.



    Wer sich Bilder und Videos anschaut, erkennt, was das Ziel war. Sicherlich nicht bessere Bildungsmöglichkeiten oder bezahlbarer Wohnraum

  • Nuklon

    Nach Krawallen in Frankreich war klar das die Polizei vorbereitet ist und schnell reagiert um eine Eskalation zu unterbinden.



    Und Teile haben das auch getan.

    Zuzuschauen bis es voll eskaliert, ist dann halt auch zu spät.

    Es wird bei sowas keine gute Lösung geben, wenn im Vorfeld schon klar ist, dass sich das bekannte Krawallpublikum mit in die Demo mischen wird.

  • Katharina Reichenhall

    Was ist denn nun konkret an Polizeigewalt vorgefallen?



    Offenbar nichts Wesentliches, sonst würde es ja im Artikel stehen.



    Mir scheint, man versucht, durch besonders dramatische Sprache den Eindruck zu erwecken, dass es besonders gewalttätig. Hier z. B. "Der LKW-große Wasserwerfer fuhr mehrmals zwar nur wenige Meter, aber stark beschleunigend und dadurch mit viel zu hoch erscheinender Geschwindigkeit auf die Protestierenden zu und durchnässte zahlreiche Demonstrierende."



    Dabei ergibt sich eigentlich ein ganz anderes Bild: Die Demonstrationen verliefen offensichtlich weitestgehend friedlich und die Polizei hat sich im Wesentlichen zurückgehalten. Ist doch gut gelaufen.



    Dass es dann später zu erwarteten Ausschreitungen und Plünderungen kam, ist ätzend, aber das kann man den Demonstranten nicht vorwerfen. Jetzt zu sagen, man würde "Sündenböcke" suchen, wenn man benennt, wer zerstört und geplündert hat, finde ich allerdings ziemlich merkwürdig. Wären es Faschos mit Baseballschlägern gewesen und thematisierte dies auch, würde man wahrscheinlich nicht klagen, das man Sündenböcke sucht.

  • Anna Bell

    Tja, das wird die Bereitschaft, diesen Staat mit der Waffe in der Hand zu verteidigen, bestimmt erhöhen, wenn man sich so gehört und verstanden fühlt.

  • Dr. McSchreck

    Es gibt ja Bilder, die den Vorwurf bestätigen. Es sind auch nicht "Migranten", sondern eine ganz bestimmte ziemlich weit von normgerechtem Verhalten abweichende kleine Gruppe von Migranten, die auch mit der "Stadtbild"-Äußerung gemeint war.

    Dagegen sind sehr viele andere Migranten sogar auf der Opferseite zu finden, weil sie es sind, die die kleinen Läden betreiben, den Mut zur Selbständigkeit haben und deren Läden dann angegriffen, beschädigt und ggf. sogar ausgeplündert wurden.

  • Tom Farmer

    Ich teile die Punkte der "GenZ regelt" Initiative komplett.



    Finde es daher befremdlich wie hier geschrieben und argumentiert wird. : Was haben denn ewiggestrige Ford Gewerkschafter, MLPD oder Palästina Solidaritätsleute hier thematisch verloren, .... außer mal gar nix?



    Da werden Versammlungen, bzw. Demos von den klugen Leuten gekapert und deren Anliegen von weniger klugen Leuten kaputtgemacht. Und Schuld ist dann die Polizei. Und da diese jungen Leuten natürlich solidarisch sind trauen die sich nicht Ross und Reiter zu nennen. Ich finde das unmöglich!

    • Dr. McSchreck

      @Tom Farmer:

      Die meisten kapieren schon, dass die Demos tagsüber mit richtigen Zielen und der richtigen Ansage (keine Gewalt in unserem Namen) personell allenfalls in kleinen Teilen sich mit der Randale am Abend übeschneidet. Zumal die Randalierer auch eher den Eindruck erweckten, ein paar Sneaker wären wichtiger als saubere Schulen, die sie eh seit Jahren nicht mehr gesehen haben.

  • amigo

    Rassistisches Ablenkungsmanöver der CDU

    ​Kaum brennt in den Städten die Luft, zieht das hessische Innenministerium die gewohnte, billige Nebelkerze: Der Sündenbock ist – Überraschung – einmal mehr der „Migrant“. Dass die CDU und ihr Innenminister reflexhaft komplexe soziale Spannungen und Jugendproteste auf den Migrationshintergrund reduzieren, ist nicht nur schäbig, sondern offenbart vollkommenes politisches Versagen.



    ​Statt die Ursachen von Krawallen tiefgründig zu analysieren, gesellschaftliche Perspektivlosigkeit anzugehen oder eigene Versäumnisse in der Jugend- und Sozialpolitik einzugestehen, bedient man lieber Stammtisch-Rassismus. Diese Rhetorik spaltet die Gesellschaft gezielt, hetzt Bevölkerungsgruppen gegeneinander auf und dient einzig dem Zweck, von der eigenen Hilflosigkeit abzulenken.



    ​Wer Probleme nur noch über die Herkunft von Menschen definiert, hat jeglichen Kompass für eine ehrliche Sicherheitspolitik verloren. Eine peinliche Bankrotterklärung der hessischen CDU!

    • Dr. McSchreck

      @amigo:

      Fragen Sie man die Kiosk-, Restaurant- und Ladeninhaber (in Deutschland dürften die weit über 50 Prozent Migrationshintergrund haben, jedenfalls wo ich lebe). Ob die das auch rassistisch finden, wenn man die Täter konkret benennt.

      Der Unterschied ist: die einen haben erkannt, dass ihre Situation nicht leicht ist und gekämpft und sich etwas aufgebaut, ein Geschäft, ein Restaurant. Die anderen sind unzufrieden und wütend und lassen ihren Frust an ihren Mitmenschen aus.

      • amigo

        @Dr. McSchreck:

        Schönes Narrativ von den „guten, fleißigen“ versus den „bösen, wütenden“ Migranten – doch diese Pauschalisierung geht am Kern vorbei. Niemand fordert, Straftäter zu schonen oder Taten nicht beim Namen zu nennen. Der entscheidende Punkt ist ein anderer: Wenn die Politik Straftaten reflexhaft auf den Migrationshintergrund reduziert, instrumentalisiert sie die Herkunft zur billigen Erklärung für komplexe soziale Krawalle.



        ​Dass ausgerechnet Kiosk- und Ladeninhaber als Kronzeugen für pauschales Bashing herhalten müssen, ist besonders zynisch. Genau diese hart arbeitenden Menschen leiden nämlich unter beidem: unter Randalierern, die ihr Eigentum beschädigen, und unter einer Debatte, die sie aufgrund ihrer Herkunft ständig mit Kriminellen in einen Topf wirft.



        ​Rechtsstaatlichkeit heißt, Täter für ihr Handeln individuell zur Verantwortung zu ziehen – statt eine ganze Bevölkerungsgruppe unter Generalverdacht zu stellen, nur weil es politisch bequem ist!

        • Dr. McSchreck

          @amigo:

          Genau das tue ich ja nicht, die Leute in einen Topf zu stecken, sondern ich unterscheide nach verhalten. Nicht nach Herkunft.

          Dieses ewige Opfer narrativ hilft niemandem, niemand muss plündern und dabei noch dreist in die Kamera grinsen. Wie es tut, ist nicht Opfer. Sondern schlecht erzogen.

    • Hendrik Wegner

      @amigo:

      Wer genau zugehört hat, hat erfahren, dass es deutsche mit Migrationshintergrund waren, nicht Migranten. Das ist jetzt auch kein Rassissmus, wenn man diese Menschen so benennt, wenn sie es auch sind. Es sagt ja keiner "Migrant" darum "Plünderer".



      Natürlich ist sinnvoll die gesellschaftlichen Ursachen eines solchen Verhaltens zu erforschen. Das gelingt aber nicht, wenn man wichtige Faktoren über den Hintergrund der Menschen einfach verschweigt.

      • amigo

        @Hendrik Wegner:

        ​Das Verschweigen von Fakten hilft niemandem – da stimme ich Ihnen zu. Doch genau hier liegt der Denkfehler: Der Begriff „Migrationshintergrund“ ist so schwammig, dass er in Deutschland Millionen völlig unterschiedlicher Menschen umfasst – vom hier geborenen Ingenieur bis zum Jugendlichen in der Plattenbau-Siedlung.



        ​Wenn die Politik diesen Begriff bei Straftaten herausgreift, tut sie das selten zur tiefen Ursachenforschung. Er dient als pauschales Etikett, das soziale Entfremdung, fehlende Zukunftsperspektiven oder gruppendynamische Gewalt auf eine vermeintliche „Herkunft“ reduziert. Das erklärt kriminalistisch gar nichts, schafft aber eine kollektive Haftung.



        ​Wer die echten gesellschaftlichen Ursachen erforschen will, muss über soziale Brennpunkte, Bildungsmängel, Integration und Jugendkriminalität sprechen – und zwar differenziert. Straftäter gehören nach dem Strafrecht verurteilt, nicht nach ihrem Stammbaum.

        • Peeragow

          @amigo:

          Ich hab noch nichts davon gehört, dass verurteilte Straftäter (Randalierer, Räuber, Schläger) nach ihrem Stammbaum ihre Strafe erhalten haben.



          Die Statistiken zeigen nun mal Konkret auf, dass der migrantische Anteil eindeutig überwiegt.



          Mich stinkt das an, dass Leute aus ihrer Ecke dies immer mit hilflosen Argumenten verharmlosen wollen.