Debatte um Steinmeiers Nachfolge : Wir brauchen keine Bundespräsidentin
Als erste Frau könnte Ilse Aigner (CSU) demnächst Bundespräsidentin werden. Ist uns damit geholfen?
Foto: Breuel-Bild/imago
A m 30. Januar 2027 wird der neue Bundespräsident gewählt. Oder – wenn es nach Friedrich Merz gehen soll – die neue Bundespräsidentin. Das mag nach Fortschritt klingen. Ist es aber nicht. Natürlich hätte es Symbolcharakter, wenn zum ersten Mal eine Frau an der Spitze des Landes steht. Mädchen könnten abends im Nachrichtenprogramm Frauen in politischen Führungspositionen sehen und davon träumen, selbst einmal an ihre Stelle zu treten.
Können sie aber bereits: Ursula von der Leyen (CDU) ist Präsidentin der Europäischen Kommission. Julia Klöckner (CDU) ist Präsidentin des Deutschen Bundestags. Alice Weidel steht an der Spitze der AfD. Dabei ist es auffällig, dass wir als Gesellschaft bisher nur für einen ganz bestimmten Typ Frau in Führungspositionen bereit sind: die Konservative. So war es sicher kein Zufall, dass mit Angela Merkel eine CDU-Politikerin die erste Bundeskanzlerin wurde.
Und es war sicher auch kein Zufall, dass sie genau in dem Moment in Ungnade gefallen ist, als sie mit „Wir schaffen das“ zum ersten Mal eine vermeintlich progressive Haltung eingenommen hat. Konservative und rechte Parteien berufen sich gern auf die Identität einzelner Personen. Immerhin haben sie eine Frau an der Spitze. Immerhin ist sie lesbisch. Immerhin hat ihre Partnerin Migrationsgeschichte. Dann kann es ja nicht so schlimm sein, dass sie gern mal „Remigration“ brüllt.
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Wir brauchen keine Symbolpolitik. Wir brauchen die tatsächliche Umsetzung von Frauenrechten. Der Gender-Pay-Gap bleibt Realität. „Nur Ja heißt Ja“ muss immer noch diskutiert werden. Femizide sind auf einem neuen Höchststand. Um das gesamte politische Spektrum abzubilden, müsste man endlich auch Frauen mit progressiven Haltungen an die Spitze lassen. Gerade hier hapert es. So durfte Frauke Brosius-Gersdorf nicht Richterin am Bundesverfassungsgericht werden. Und das Ausmaß, in dem Elif Eralp (Linke) gerade öffentlich zerrissen wird, ist kaum noch mit inhaltlicher Kritik zu rechtfertigen.
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