Bischof bittet um Vergebung

Missbrauch Nach jahrelanger Blockade durch die Kirche wird der Skandal bei den Regensburger Domspatzen jetzt erfolgreich aufgearbeitet. Opfer werden entschädigt

Der Regensburger Bischof Rudolf Vorderholzer entschuldigt sich persönlich Foto: Armin Weigel/dpa

Aus Regensbur Patrick Guyton

„Wir haben etwas erreicht, von dem wir jahrelang nur geträumt haben. Unsere Forderungen sind erfüllt“, sagte Peter Probst, Betroffener des Missbrauchsskandals beim Chor der Regensburger Domspatzen. Solche Worte hat man von Probst, der mit der katholischen Kirche seit vielen Jahren heftig um Anerkennung des erlittenen Leids gerungen hat, bisher noch nicht gehört.

Am Mittwoch hat das Aufarbeitungsgremium aus Kirchen- und Opfervertretern in Regensburg seinen Zwischenbericht über die in den Jahren 1945 bis 1992 verübten Gewalttaten in dem Jungeninternat vorgelegt. Die Vertreter des Gremiums zeigten sich äußerst zufrieden und hoffen, bis Ende kommenden Jahres die Geschehnisse vollständig aufgearbeitet zu haben.

Wichtigster Kirchenvertreter ist der Regensburger Bischof Rudolf Vorderholzer, der bei dem Termin gemeinsam mit Opfern sprach. „Jeder einzelne Fall schmerzt mich und tut mir in der Seele weh“, sagte er. Es sei ihm wichtig, „die Opfer persönlich um Vergebung zu bitten“.

Das Gremium hat sich auf vier Säulen der Aufklärung und Aufarbeitung dieses größten Gewalt- und Missbrauchsskandals in einer katholischen Institution in Deutschland geeinigt. Als neues Anlaufzentrum für Opfer, die sich nicht bei katholischen Einrichtungen melden wollten, steht nun das Münchner Informationszentrum für Männer (MIM) zur Verfügung. Auch werden die Opfer entschädigt: Über die Höhe entscheidet ein Anerkennungsgremium, das extern mit einem Juristen, einer Pädagogikprofessorin und einem Sozialpädagogikprofessor besetzt ist. Je nach Schwere und Dauer des Missbrauchs erhalten die Betroffenen zwischen 5.000 und 20.000 Euro.

Zudem werden zwei Forschungsstellen die Vorfälle aufarbeiten. Dabei soll es auch um die genaue Rolle von Georg Ratzinger, dem bei den Domspatzen tätigen Bruder des ehemaligen Papstes Josef Ratzinger gehen.

„Es gab viele Jahre des Stillstands und der Enttäuschung“, blickte der Betroffenenvertreter Peter Schmitt zurück. Jetzt lobt er: „Die Rolle des Bischofs bei der jetzigen Entwicklung schätze ich als sehr wichtig ein.“ Tatsächlich war die Aufarbeitung bis zu Vorderholzers Amtsantritt vor zwei Jahren in keinster Weise gelungen. Unter dem Vorgänger Gerhard Ludwig Müller blockierte die Kirche, sprach von Einzelfällen, versuchte die Opfer in die Ecke von Querulanten und Lügnern zu stellen. Während Gewalt und Missbrauch an der oberbayerischen Klosterschule Ettal aufgearbeitet wurden, blockierte die Kirche in Regensburg.

Das änderte sich erst Anfang dieses Jahres durch einen Bericht des Rechtsanwalts Ulrich Weber, der den Auftrag hatte, das Ausmaß zu ermitteln. Mittlerweile hat Weber 422 Opfermeldungen dokumentiert, darunter 65 Opfer sexueller Gewalt.

Das Geld, das die Kirche nun auszahlen möchte, sei eine „materielle Anerkennungsleistung“, erklärt der jetzige Internatsleiter Rainer Schinko. Und fügt hinzu: „Das erlittene Leid kann nicht mit Geld aufgewogen werden.“ Die Höhe der Beträge ist an die Vereinbarungen im Kloster Ettal angelehnt. Eine Verurteilung von Tätern vor Gericht ist im Falle der Regensburger Domspatzen nicht mehr möglich. Die Taten sind verjährt. Und von den identifizierten damaligen Tätern lebt ohnehin nur noch ein einziger.