heute in Bremen

„Am Töten beteiligt“

ZiviLklausel Das „Cyberpeace-Forum“ diskutiert die Bundeswehr-Kooperation mit der Hochschule

Hans-Jörg Kreowski

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67, spricht auf dem Podium als Professor für Informatik an der Universität Bremen.

taz: Herr Kreowski, werden an der Hochschule künftig Mörderinnen ausgebildet?

Hans-Jörg Kreowski: So direkt kann man das natürlich nicht sagen. Die Studentinnen des „Internationalen Frauenstudiengangs für Informatik“ werden für den Verwaltungsbereich der Bundeswehr ausgebildet. Daher besteht kein direkter Kampfbezug. Trotzdem arbeiten diese Menschen später dem militärischen Bereich zu und sind daher indirekt an Tötungsmechanismen beteiligt.

Aber ist die Armee nicht friedlich?

Diese beiden Wörter widersprechen sich. Die Bundeswehr hat zwar einen Friedensauftrag – sie soll den Frieden sichern und dadurch Sicherheit schaffen –, aber das ist nur Ersatz für einen wahren Frieden.

Trotzdem bezeichnet die Senatorin für Wissenschaft, Eva Quante-Brandt, die Bundeswehr als eine Friedensarmee.

Das ist eine völlig falsche Bezeichnung. Die Bundeswehr greift in Konflikte ein, wenn der Frieden nicht funktioniert. Es gibt einen Kampfauftrag im Verteidigungs- und Bündnisfall. Das hat mit Frieden nichts zu tun. Es gibt keinen friedlichen Krieg.

Verstößt der Kooperationsvertrag der Hochschule mit der Bundeswehr gegen die Zivilklausel?

Aus meiner Sicht schon. Denn die Zivilklausel besagt, dass Studium, Lehre und Forschung nur friedlichen Zwecken dienen dürfen. Die Bundeswehr ist aber auf keinen Fall ausschließlich friedlich – ein krasser Widerspruch.

Was spricht dagegen, militärische Forschung mit öffentlichen Geldern zu finanzieren?

Das Geld ist an anderen Orten besser aufgehoben. Die Politik sollte versuchen, die Ziele der Charta der Vereinten Nationen umzusetzen. Also die Welt von der Geißel des Krieges zu ­befreien. Das ist momentan zwar utopisch, trotzdem sollten öffentliche Mitteln friedensschaffende Maßnahmen finanzieren.

Sollte die Wissenschaft für militärische Zwecke forschen?

Es gibt mehr als genug Universitäten und Hochschulen, die militärische Projekte haben. Sie tragen aber auch eine Verantwortung für die Gesellschaft. Und da sollten Friedensbemühungen an erster Stelle stehen. Krieg ist das Schlimmste, was Menschen einander antun können.

Und darin haben die Deutschen ja viel Erfahrung.

Tatsächlich hat die deutsche Wissenschaft im vergangenen Jahrhundert eine unrühmliche Rolle gespielt. Der Chemiker Fritz Haber war am Chlorgas­einsatz im ersten Weltkrieg beteiligt. Auch an der Atombombe hat die deutsche Wissenschaft eine Mitverantwortung, vom Nationalsozialismus ganz zu schweigen. Es würde allen gut anstehen, aus diesen Erfahrungen zu lernen und für den Frieden einzutreten.

Interview: Lukas Thöle

Diskussion: 18 Uhr, Haus der Wissenschaft, Sandstraße 4/5