Einblick(678)

Steve Sabella, Künstler

Foto: C. Butler-Gallig

taz: Welche Ausstellung in Berlin hat dich zuletzt an- oder auch aufgeregt? Und warum?

Sabella: Ich freue mich immer auf das lange Wochenende der Galerien, leider war ich dieses Jahr enttäuscht. Da hing zwar viel Kunst, aber die unmittelbare Verbindung mit dem Betrachter fehlte. Manchmal schaute ich von draußen durch die Fenster und fand die Szenen in den Galerien bestechender als das Ausgestellte.

Welches Konzert oder welchen Club in Berlin kannst du empfehlen?

Ich bin seit Kurzem „verliebt“ in die Berliner Clubszene, in dieser steht das Berghain für das, was im 13. Jahrhundert der Gelehrte Ibn Arabi schrieb: „Wie ein Traum in einem Traum ist alle Existenz eine Imagination in einer Imagination.“

Welche Zeitschrift/welches Magazin/welches Buch begleitet dich zurzeit durch den Alltag?

Eine Weile habe ich jeden Tag eine andere Zeitung aus einem anderen Land gelesen, um darin nach neuen Perspektiven in dieser sich verändernden Welt zu suchen. Jetzt gebe ich mir Mühe mehr zuzuhören als zu sprechen, wenn ich Menschen treffe, um so verschiedene Ansichten so gut wie möglich zu absorbieren. Das gibt mir heute eher ein Gespür für die Welt als die Bilder, die die gedruckte Presse zeichnet. Kürzlich hat mir eine Freundin „Awareness“ von Anthony de Mello geschenkt. Ich habe dieses Buch in zwei Tagen gelesen und als ich fertig war, gleich wieder von vorne angefangen. Das Buch beinhaltet Erkenntnisse, die einen ein ganzes Leben begleiten.

Was ist dein nächstes Projekt?

Zur Person

Steve Sabella (*1975 in Jerusalem) studierte an der Musrara School of Photography, Jerusalem, dem Empire State College New York, der University of Westminster, London sowie dem Sotheby’s Institute of Art, London. 2008 bekam er das Ellen-Auerbach-Stipendium der AdK Berlin. Sein Buch „The Parachute Paradox“ (2014) wurden mehrfach ausgezeichnet. Aktuell sind Arbeiten von ihm in der Bumiller Collection zu sehen (s. o.).

Im Moment arbeite ich an einer Glasinstallation mit dem Titel „Alles was übrig bleibt“. In dieser Installation bringe ich einen Holzsplitter aus dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau mit Wandfragmenten, bedruckt mit Fotografien aus einem palästinensischen Haus, das 1948 besetzt wurde, zusammen.

Welcher Gegenstand/welches Ereignis des Alltags macht dir am meisten Freude?

Nach der Arbeit im Studio, gegen fünf, sechs Uhr, schlendere ich gerne ziellos in der Stadt umher. Oft begegne ich dabei äußerst inspirierenden Menschen.