Barbara Bollwahn
Leuchten der Menschheit

Eklatante Lücken: Die Schulkinder in Deutschland wissen wenig über die DDR

Auch wenn bei vielen Jugendlichen die jüngere deutsch-deutsche Geschichte in Form von Eltern und Verwandten zum Greifen nah ist, ist für die meisten die DDR Lichtjahre entfernt. Warum das so ist und wie man das ändern kann, will das im Metropol Verlag erschienene Buch „Diktatur und Demokratie im Unterricht: Der Fall DDR“ beleuchten. Die Karikatur auf dem Einband bringt das Thema überspitzt auf den Punkt. Da sagt ein Schüler zum Lehrer: „Hitlers größte Leistung war, dass er als SED-Vorsitzender das Grundgesetz für ganz Deutschland beschlossen hat.“

Herausgegeben wurde das Buch im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur von Jens Hüttmann und Anna von Arnim-Rosenthal, beide Mitarbeiter der Bundesstiftung. Zwar seien die Rahmenbedingungen verbessert worden, schreiben sie, doch gebe es „eklatante Lücken des Schülerwissens“. Das wirft für die Herausgeber auch die Frage auf, ob die historisch-politische Bildungsarbeit in Ostdeutschland gescheitert ist.

Das Buch will mit Beiträgen von Historikern, Germanisten, Politikwissenschaftlern und Pädagogen „die unterschiedlichen Perspektiven und Ansprüche an die Auseinandersetzung mit der Geschichte von Demokratie und Diktatur in Deutschland“ abbilden. Besonders interessant sind dabei die Interviews mit Pädagogen, die bedauerlicherweise sehr kurz und ganz am Ende des Buches abgehandelt werden und bei denen seltsamerweise kein Lehrer mit DDR-Wurzeln dabei ist.

„Heute ist die DDR-Geschichtefür die Schülermanchmal so weit weg wie Napoleon“

„Die DDR ist für die überaus meisten meiner Schülerinnen und Schüler eine Terra incognita“, sagt ein Oberstudienrat aus Wiesbaden. „Der Fall DDR“ sei für die, die keinen familär-biografischen Bezug dazu haben, kein Thema, dem sie ein besonderes Interesse entgegenbringen. „Dieses muss durch den Unterricht zuerst geweckt werden.“ Ein Pädagoge aus Berlin-Reinickendorf hat festgestellt: „Heute ist die DDR-Geschichte für die Schüler manchmal so weit weg wie Napoleon.“ Zudem beklagt er Berührungsängste von Lehrern aus dem Osten.

Dabei kommt gerade Pädagogen eine besonders Rolle zu, wie die Herausgeber schreiben: „Ohne eine reflektierte Lehrkraft werden keine befriedigenden Ergebnisse erzielt.“