Wie wollen wir arbeiten?

Das taz lab 2018 findet wieder im Haus der Kulturen der Welt statt. Thema: Zukunft der Arbeit. Und das heißt für den 21. April in Berlin: ein Kongress auch zum Klimawandel und zur Geschlechtergerechtigkeit

Das taz lab Team fast vollständig von vorne nach hinten: Jan Feddersen, Willi Vogelpohl, Manu Schubert, Susanne Ruwwe (vorne), Delia Roscher, Mareike Barmeyer, Torben Becker, Volkan Ağar, Jann-Luca Zinser, João da Mata (Mitte), Malaika Rivuzumwami, Ann-Kathrin Liedtke, Vincent Bruckmann. Es fehlt: Gina Bucher Foto: André Wunstorf

Von Jan Feddersen

Arbeit ist das halbe Leben? Jeder und jede weiß: Der Satz stimmt nicht einmal zur Hälfte. Arbeit, rechnet man die Tätigkeiten im Haushalt und in ehrenamtlichen Sphären dazu, ist viel mehr. Die sogenannte Erwerbsarbeit ist freilich der Kern, denn sie wird für manche gut, für viele eher schlecht bezahlt.

Für die einen ist Arbeit „bloß“ notwendiges Übel, um sich das Leben leisten zu können, für andere bedeutet Arbeit sinnstiftende Selbstverwirklichung, und wieder andere versuchen ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeits- und Privatleben hinzubekommen. Arbeit wird zunehmend ungerecht verteilt und ist damit das zentrale Thema in Gesellschaften, die von Globalisierung, von weltweiter Arbeitsteilung und damit auch von unsicheren Lebensaussichten erfasst sind.

Für viele – gerade aus der alternativen Szene, in Start-ups und modern organisierten Unternehmen – lebt die Vorstellung von Arbeit vom Anspruch auf Selbstverwirklichung, von Teilhabe an möglichst vielen Entscheidungen eines Unternehmens, von mehr als nur formaler Mitbestimmung. Arbeit soll nicht nur ein Job sein, Arbeit ist ein Projekt, in dem Künstlerisches ausgelebt werden kann.

Gleichzeitig sind in Deutschland durch die Digitalisierung weite Teile der Industriearbeit bedroht – mit der Autoindustrie voran, die viel zu lange auf Verbrennungsmotoren setzte und durch die Ökologisierung der Mobilität zerstört werden könnte. Jenseits der schicken Start-up-Welt reicht die Arbeit oft nicht mehr aus, um eine Familie zu ernähren: Millionen schuften sich in anspruchslosen Jobs kaputt, ohne dass ihre Löhne zum Leben reichen würden. Und Arbeit, zumal mit dem Smartphone, durchdringt unsere Leben bis in die letzten Fasern. Keine Ruhe mehr vor den Zumutungen moderner Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Jobs von 9 bis 17 Uhr gibt es kaum noch. Die Verantwortung für den unternehmerischen Erfolg ist von jedem und jeder allenthalben in jeder Handlung präsent: Aber war nicht der Abschied von einer Idee der Arbeit, die lustlos macht, die keinen Spaß bereitet und nur Ausbeutung bedeutet, mal eine Kernidee linksalternativer Thinktanks?

Die Zukunft der Arbeit ist ungewiss. Linke und Alternative – und ihre Zeitung, die taz, haben sich immer schon als Vordenkende von Arbeit verstanden. Das taz lab 2018 hat sich deshalb das Thema „Arbeit“ vorgenommen. Nichts als Arbeit, nichts als Grübeln und Debattieren um das, was die Zukunft der Arbeit sein kann: Wie wollen wir überhaupt arbeiten – selbstbestimmt und (schein-)selbstständig? Mit Lust und ohne Ausbeutung? Aber wie? Wo liegen die Chancen der Digitalisierung – und vor allem, wem nützen sie?

Was wird mit all den gering qualifizierten Langzeitarbeitslosen: Hat man deren Lebensmöglichkeiten überhaupt noch im Blick? Droht ihnen, in Armut totverwaltet, nur noch als Konsument wahrgenommen zu werden? Wie verändert sich durch diese Entwicklungen der Wert von Arbeit?

Außerdem wollen wir auf dem taz lab diskutieren, inwieweit Karl Marx im Jahr seines 200. Geburtstags noch aktuell ist. Und wenn man schon bei Sozialistischem ist, wäre ebenso zu fragen: Ist der Kapitalismus womöglich der Motor, sich von Elend und Ausbeutung zu emanzipieren? Ist das Arbeiten, verglichen mit der Schufterei in Kohlegruben und Fabriken, nicht besser geworden? Oder haben sich die Formen der Ausbeutung nur gewandelt – und sind unsichtbarer geworden?

Wir werden wieder Gäste aus aller Welt in Berlin zu Besuch haben: Aktivist*innen, Wissenschaftler*innen, Menschen, die wir zu allen nur denkbaren Facetten unseres Themas einladen. Viele haben schon zugesagt. Eine erste Liste präsentieren wir kommende Woche. Alles wäre freilich nichts ohne Sie, ohne Euch: Jede Debatte ist nur so gut, wie das Publikum, das sich an ihr mit Leidenschaft beteiligt. Auf nach Berlin am 21. April im HKW – wir freuen uns auf Sie!