heute in bremen

„Merken, dass man eine Stimme hat“

Interview Teresa Wolny

taz: Frau Engel, wie kann man mit Möbeldesign Aufenthaltsrechte sichern?

Tanja Engel: Rein formal gesehen besteht für Geflüchtete die Möglichkeit, von einer Duldung zu einem Aufenthaltstitel zu kommen, wenn sie sich in eine Ausbildung begeben. Wir als freies Projekt arbeiten daran, als Stufe der Vorbereitung akzeptiert zu werden. Das Programm beinhaltet neben der Werkstattarbeit auch einen Deutschkurs. In der künstlerischen Arbeit bei uns geht es aber auch darum, die eigene Persönlichkeit zu stärken, zu merken, dass man eine Stimme hat. Es soll um das Möbelstück gehen, nicht um das Möbelstück von jemandem mit Fluchterfahrung.

Besteht die Gefahr, bei den Trainees falsche Hoffnungen auf einen gesicherten Aufenthaltsstatus zu wecken?

Dieses Thema wird bei uns offen diskutiert. Wir machen den Trainees bereits im ersten Gespräch deutlich, dass man durch uns keinen Aufenthaltstitel bekommt, da sind wir an die strukturellen Rahmenbedingungen gebunden. Der Erfolg hängt vor allem auch von der Motivation und der Leistung jedes Einzelnen ab.

Wie wird man Trainee?

Jeder kann an uns herantreten, Voraussetzung ist, dass die Person über 18 ist und nur eine Duldung oder eine Aufenthaltsgestattung hat, da es für diese Gruppe am wenigsten Angebote gibt. Am wichtigsten sind aber Offenheit und Motivation für das Handwerk. Wir sind beides, ein geschütztes Nest, aber auch harte Arbeit.

Gibt es eine Vergütung?

Wenn ein Vertrag bei uns besteht, ja. Das ist eine Herausforderung, da wir zum Teil staatliche Aufgaben übernehmen und kein gewöhnlicher gewinnorientierter Betrieb sind. Die Trainees haben am Ende des Monats ein bisschen mehr raus, entlastet wird aber vor allem das Amt für Soziale Dienste. Das ist ein großes Politikum und wir hoffen auf eine Lösung im Gespräch mit der Stadt.

Wie lange dauert das Programm und wie geht es danach weiter?

Das Programm ist für ein Jahr je Trainee angesetzt. Im besten Fall endet es mit dem Abschluss eines Ausbildungsvertrages, zumindest aber mit einer Einstiegsqualifizierung.

Und die Möbel?

Bisher sind Möbel für den Eigenbedarf entstanden. Die Tische für den Deutschunterricht etwa wurden von den Trainees hergestellt. Unser Ziel ist es aber, ein Sozialunternehmen zu werden, dass sich zum Teil aus dem Verkauf von Möbeln und Designs refinanzieren kann.