Dieselgifte bleiben aktuell

2017 überschritt die Belastung der Luft in 65 Städten wieder den EU-Grenzwert

Die Stickstoffdioxidbelastung lag im vergangenen Jahr in mindestens 65 deutschen Städten im Mittel über dem EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Das teilte das Umweltbundesamt (UBA) am Donnerstag nach der Auswertung der Messdaten mit. Am höchsten belastet waren München mit 78, Stuttgart mit 73 und Köln mit 62 Mikrogramm.

Stickstoffdioxid gehört zu den Stickstoffoxiden, kurz NOx. Es reduziert die Lungenfunktion und schädigt die Schleimhäute, deshalb kann es zu Asthma und Atembeschwerden führen. Weil es das Immunsystem schwächt, verstärkt es zudem die Wirkung anderer Luftschadstoffe wie etwa Feinstaub. Als Hauptverursacher gelten Dieselfahrzeuge – viele halten die vorgeschriebenen Grenzwerte nur im Labor ein.

Hamburg hatte am Donnerstag als erste deutsche Stadt Fahrbeschränkungen für ältere Dieselfahrzeuge in Kraft gesetzt, um die Belastung an besonders befahrenen Straßen zu reduzieren. Allerdings sind die Verbotszonen sehr kurz und können leicht umfahren werden. Anwohner und Umweltschützer gehen deshalb davon aus, dass sich die Luftbelastung bestenfalls räumlich verschiebt – zumal Anlieger und Linienbusse die Straßen ohnehin weiter nutzen dürfen und völlig unklar ist, wie das Durchfahrtverbot kontrolliert werden soll.

Trotzdem gilt die Maßnahme als erster wichtiger Schritt – auch für die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Sie nutzte die Bekanntgabe der UBA-Werte, um Kritik an der Messpolitik zu üben. Die Behörde kontrolliere lediglich an 250 verkehrsnahen Messstellen in 154 Orten. Laut DUH-Luftreinhaltungsexpertin Dorothee Saar gibt es so etliche blinde Flecken in der Republik. Die DUH hat deshalb in einem Citizen-Science-Projekt Nachmessungen vorgenommen. Im Mai identifizierten die Kontrolleure dabei 15 weitere Überschreitungen des Grenzwerts – allerdings nur jeweils für den Messtag. Bei einer erneuten Messung wollen die Umweltschützer zusätzlich die Belastung auf Atemhöhe von Kindergartenkindern messen. Ihre These: Auf Auspuffhöhe bekommen die Kinder besonders viel Schadstoffe ab.