das portrait

Antje Möller und die Verantwortung

Kämpferin gegen Rassismus: Antje Möller, Grüne Foto: dpa

Lange hat sie dafür gekämpft, Widerstände gab es auch beim eigenen Koalitionspartner zu überwinden. Doch am heutigen Mittwoch setzt Antje Möller eines ihrer „wichtigsten politischen und persönlichen Anliegen“ um: Die Hamburger Bürgerschaft spricht den Angehörigen des NSU-Mordopfers Süleyman Tasköprü ihr „tiefes Beileid“ aus und bittet sie „um Entschuldigung“. Zumindest die rot-grüne Koalition wird dies gemeinsam mit Christdemokraten, Linken und Liberalen tun. „Die Mordserie des NSU spiegelt ein bundesweites Versagen der Sicherheitsbehörden wider, auch in Hamburg“, begründet die grüne Innenpolitikerin die Resolution.

Am 27. Juni 2001, vor genau 17 Jahren, war der damals 31-jährige Gemüsehändler im Laden seines Vater in Hamburg-Altona mit drei Schüssen ermordet worden. Die Polizei suchte, anderslautenden Hinweisen zum Trotz, die Täter im Familienumfeld, im Rotlicht- und Drogenmilieu – ohne Erfolg natürlich. Dass der NSU für diesen und weitere Morde verantwortlich ist, wurde erst zehn Jahre später klar, die einzige Überlebende des Trios, Beate Zschä­pe, erwartet im Herbst nach fünfjährigem Gerichtsverfahren ihr Urteil.

„Die rassistischen Motive der Mordserie“ wurden auch in Hamburg nicht erkannt und deshalb „nicht in diese Richtung ermittelt“, heißt es in der Resolution, Tasköprüs Familie selbst wurde damals „mehr als Täter denn als Opfer behandelt“. Vor fünf Jahren wurde die Straße, an der der Tatort liegt, in Süleyman-Tasköprü-Straße umbenannt, wenigstens das schon mal.

Zwei Jahre lang hat das Hamburger Parlament in zwei Ausschüssen die NSU-Verbrechen untersucht – weitgehend ergebnislos. Unklar ist bis heute, warum Tasköprü ermordet wurde und ob der NSU Komplizen und Mitwisser in Hamburg hatte. Am heutige Mittwoch übernimmt zumindest der liberale Teil der Bürgerschaft für die Verbrechen des NSU die politische und moralische Verantwortung. .

Sven-Michael Veit