Esther Slevogt
betrachtet das Treiben
auf Berlins Bühnen

Theater und Digitalisierung, das ist ein spannender und in weiten Teilen unerschlossener Kontinent. Einer, der für das deutsche Stadttheater in dieser Sache die Rolle des Columbus übernommen hat, ist der Regisseur und Dortmunder Intendant Kay Voges. Das Theater Dortmund hat in den letzten Jahren am offensivsten die Folgen der Digitalisierung für seine Kunstform untersucht, mit ihren Möglichkeiten für die Entwicklung neuer Ästhetiken und Erzähltechniken experimentiert. Nun gibt es ein Next Level: in Kooperation mit dem Berliner Ensemble gibt es eine Simultan-Premiere in Dortmund UND Berlin. Beide Theater werden mit einem Glasfaserkabel verbunden, das die Aktionen auf der Bühne quasi ohne Zeitverlust nach Dortmund und Berlin gleichzeitig überträgt. So können die Akteur*e des Dortmunder und des Berliner Teils der Inszenierung live miteinander kommunizieren. „Parallelwelt“ heißt die Geschichte eines Lebens, die in einer Stadt von der Geburt bis zum Tod und in der anderen vom Tod bis zur Geburt erzählt wird. Irgendwann auf der Hälfte begegnet sich dieses Leben dabei selbst (Berliner Ensemble, Premiere 15. 9., 19.30 Uhr).

Eine Parallelwelt erleben oft auch Menschen, die eine psychische Erkrankung haben. Ab wann ist ein Mensch psychisch krank? Und was sagen Diagnosen und Behandlungsweisen über eine Gesellschaft aus? Mit Fragen wie diesen hat sich der Psychiater, Psychotherapeut und Regisseur Christoph M. Gosepath auseinandergesetzt und eine interessante interkulturelle Recherche gemacht, deren Ergebnisse er nun zum Theaterabend „Notaufnahme“ verarbeitet hat. Zunächst bereiste er mit dem Autor Robert Schmidt Tansania und Deutschland, wo beide mit Anthropologen, Psychiatern, traditional healern und Betroffenen sprachen. Dabei ergaben sich interessante Rückschlüsse auf die Bedeutung gesellschaftlicher Strukturen für psychische Erkrankung und Prozesse ihrer Heilung. Mit Akteur*innen aus Tansania, Deutschland und Kenia werden die interkulturellen Perspektiven auf psychische Erkrankungen nun in der Vierten Welt präsentiert (Vierte Welt: „Notaufnahme“, ab 19. 9., 20 Uhr).

„All Men Must Die“, heißt die lakonische und Shakespeare- und Games-of-Throne-inspirierte Einsicht, mit der die Truppe „Das Helmi“ seine neue Arbeit überschrieben hat: ein zweiteiliges episches Serien-Spektakel, das im Ballhaus Ost herauskommt (Ballhaus Ost: „All Men Must Die“, 14. September 2018, 20 Uhr: Episode 1 „Walk of Shame“ + Episode 2 „Mother of Dragons“, 15. September 2018, 20 Uhr, Episode 3 „The Imp“ + Episode 4 „Winter is Coming“).