Dominik Baur über die Wiederwahl von Ministerpräsident Söder

Willkommen in der Regionalliga

Er wollte in den Weltraum und landete in der Provinz. Mit seiner eigentlich recht treffend als Bayernkoalition titulierten neuen Regierung führt Markus Söder die CSU zurück ins politische Hinterland, aus dem sie Franz Josef Strauß in den Sechzigern geholt hat. Mit Hubert Aiwangers Freien Wählern steht ein kleiner Bruder im Geiste an Söders Seite, der ihm schon jetzt sympathischer ist als die große Schwester in Berlin. Aiwanger erweist sich als pflegeleicht und teilt Söders Tunnelblick. Beide kennen nur eines: Bayern.

Unter Söders Vorgängern war die CSU stets mehr als eine Regionalpartei – nicht immer zur Freude ihrer Koalitionspartner im Bund, da sie sich in deren Augen oft eine zu große bundespolitische Bedeutung anmaßte.

Strauß war Bayern zu eng, Söder ist die Welt da draußen zu weit. Anders als Strauß, Stoiber und Seehofer hat sich Söder nie wirklich für die Bundespolitik interessiert, die Berliner Welt ist ihm fremd, dient ihm allenfalls als Vorlage oder Projektionsfläche für bayerische Überheblichkeit, für Attacken gegen das, was er als Berliner Verhältnisse geißelt.

Dass Söder seine Partei in eine derart krachende Wahlniederlage geführt hat wie keiner seiner Vorgänger und dennoch absolut fest im Sattel zu sitzen scheint, ist ohnehin ein Faszinosum. Dass ausgerechnet er nun, wie es derzeit die meisten Spatzen vom Dach der CSU-Landesleitung pfeifen, auch noch mit dem Parteivorsitz belohnt werden soll, wirkt grotesk.

Mit seiner Verpflichtung begibt sich die CSU freiwillig in die Regionalliga. Für die Bundespolitik dürfte das zunächst verschmerzbar sein. Die Gefahr besteht jedoch darin, dass Söder in der neuen Position auf den ihm vertrauten Werkzeugkasten des Generalsekretärs zurückgreift, den er noch im Keller stehen hat. Sollte er sein Handeln im Bund allein daran ausrichten, was ihm vermeintliche Zustimmung daheim in Bayern beschert, dürfte die Freude der Berliner über den Abgang von Störenfried Seehofer nicht allzu lange anhalten.