Kito Nedoschaut auf das Kunstjahr 2018 zurück

Demnächst wird Chris Dercon Museumsdirektor in Paris. Als gescheiterter Volksbühnen-Intendant musste er in diesem Frühjahr nach nur sieben Monaten seinen Posten räumen. Ein Drama und nur Verlierer: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller besetzte Dercon erst als Castorf-Nachfolger fehl und sah anschließend schweigend seiner öffentlichen Demontage zu, der Kultursenator Klaus Lederer verweigerte dem Intendanten die politische Rückendeckung und die unterirdischen Dercon-Hasser legten ihm regelmäßig Fäkalien vor die Bürotür am Rosa-Luxemburg-Platz.Wenig überzeugend war auch die Begründung, mit welcher das Kuratorenduo Alain Bieber und Florian Waldvogel in Düsseldorf in diesem Herbst eine Gruppenausstellung zum Thema Verschwörungstheorien nahezu ohne Künstlerinnen-Kunst bestückten: Zu dem Thema würden eben „mehr männliche Künstler“ arbeiten. Ohne Quote ändert sich nichts. In München lief eine Diskussionsveranstaltung mit Kasper König derart aus dem Ruder, dass die Künstlerin Cana Bilir-Meier hinterher auf Facebook gegen Rassismus protestierte. Es sei „einer der größten Mythen, dass die sogenannte Kunstwelt ein ‚progressiver‘, ‚liberaler‘ oder ‚sicherer‘ Ort ist“, lässt sich Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Co-Kurator der Documenta 14 daraufhin in der Süddeutschen Zeitung zitieren. Susanne Pfeffer gelang als neue Direktorin des Frankfurter Museums für Moderne Kunst (MMK) mit Kunst der US-amerikanischen Künstlerin Cady Noland eine der besten Ausstellungen des Jahres. Ähnlich großartig war die Schau mit kritisch-poetischer Videokunst von Arthur Jafa in der Berliner Julia Stoschek Collection. Stoschek beklagte sich neulich über die kunstfeindlichen steigenden Mieten und über die Erbpacht, die Grundstückskäufe verhindere. Doch was sonst ist Erbpacht als ein gutes Mittel gegen Gentrifizierung? Ähnlich widersprüchlich verlief die Debatte über die Pläne des Sammlerpaares Barbara und Axel Haubrok, inmitten eines Lichtenberger Gewerbegebietes ein Privatmuseum zu errichten. Die Nachbarschaft fürchtete den Ansturm der Entwickler sowie steigende Mieten und Grundstückspreise. Ein Dauerbrenner: Der Ateliernotstand in Berlin wird immer krasser. Ob da die von Staatssekretär Torsten Wöhlert geplante Abschaffung des unabhängigen und bewährten Atelierbeauftragten hilft? Ein anderes Thema ist die Debatte über Objekte aus kolonialen Kontexten und die Dekolonialisierung der europäischen Museen. Die wird ganz gewiss im nächsten Jahr noch mehr Fahrt aufnehmen.