Mehr als die Hälfte der Bundesbürger glaubt immer noch, Arbeitslose seien faul. Das zeigt eine neue Umfrage. Mit der Realität hat das jedoch wenig zu tun.von Franziska Haack

Niemand steht hier gern in der Schlange. Bild: dapd
BERLIN taz | Arbeitslose sind faul, schlecht ausgebildet und sehen den ganzen Tag nur fern. Diese Vorurteile sind in der Gesellschaft weit verbreitet, ermittelt eine repräsentative Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.
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Im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit (BA) befragte das Institut 1.560 Personen ab 16 Jahren nach ihrem Bild von Arbeitslosen, die das Arbeitslosengeld II erhielten. Heraus kam, dass die Bevölkerung generell Verständnis für die „schwierige Situation der sogenannten Hartz-IV-Empfänger“ habe, sagt Allensbach.
Allerdings glauben 55 Prozent auch, dass Hartz-IV-Empfänger selbst nicht aktiv nach Arbeit suchten und auch keiner anderen sinnvollen Beschäftigung nachgingen. Über ein Drittel der Befragten gab sogar an, Arbeitslose wollten gar nicht arbeiten.
„Diese Vorurteile werden den Menschen im Leistungsbezug nicht gerecht. Täglich haben wir mit hoch motivierten, engagierten Leuten zu tun“, sagte Stephan Felisiak, Geschäftsführer des Jobcenters Friedrichhain-Kreuzberg, bei der Vorstellung der Umfrage.
Um neben den Vorurteilen auch die Realität zu zeigen, hatte die BA noch eine zweite Studie in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, der Forschungseinrichtung der BA, zeichnen ein anderes Bild: Für 75 Prozent der Hartz-IV-Empfänger ist Arbeit das Wichtigste im Leben.
Fast ebenso viele würden daher Arbeit annehmen, für die sie überqualifiziert sind. 62 Prozent sprächen auf Eigeninitiative bei Arbeitgebern vor. Ebenfalls 62 Prozent der Arbeitslosen gingen einer gesellschaftlich relevanten Tätigkeit nach.
Das kann Kinderbetreuung sein, eine Erwerbstätigkeit, die den Lebensunterhalt nicht deckt, oder ein Ehrenamt. „Viele suchen händeringend nach Möglichkeiten, der Gesellschaft etwas zurückzugeben“, sagte Heinrich Alt, Mitglied im Vorstand der Bundesagentur für Arbeit.
Man sei sich der „Kanten und Brüche in den Erwerbsbiografien“ mancher Klienten bewusst, so Alt. Aber der Großteil sei hoch motiviert und verdiene eine zweite Chance. „Wir müssen Vorurteile abbauen und über die Potenziale der Langzeitarbeitslosen aufklären“, sagte Alt.
Die BA will deshalb ihre Kampagne „Ich bin gut“ auch in diesem Jahr fortführen. Sie stellt ehemalige Arbeitslose und deren neue Arbeitgeber vor und will zeigen, wie engagiert und motiviert Menschen ohne Job sind.
Wie es überhaupt zu den hartnäckigen Vorurteilen kommt, erklärt man sich bei der BA durch einseitige Medienberichterstattung und Unwissenheit. Die meisten Menschen hätten schlichtweg keinen Kontakt zu Arbeitslosen, sagte Alt.
Dass aber auch Politiker, wie etwa Exarbeitsminister Wolfgang Clement, Stimmung gegen Arbeitslose machen, blieb unerwähnt.
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