Der Widerständige

Willy Hundertmark ist tot

Der erste Kommunist

Ein „historisches Ereignis“ fand es Bürgermeister Henning Scherf, als dieser Mann 1989 von Richard von Weizsäcker das „Bundesverdienstkreuz I. Klasse“ verliehen bekam – als erster Kommunist in der Geschichte der Bundesrepublik.

Das Leben von Willy Hundertmark war reich an solchen „historischen Ereignissen“. Am Sonntag ist der Ehrenvorsitzende der “Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten“ (VVN-BdA) im Alter von 95 Jahren gestorben.

„Erinnerungen an ein widerständiges Leben“ heißt die Biografie Hundertmarks, die 1997 erschien (Edition Temmen). Und „widerständig“ im besten Sinn ist der Werdegang des großen Zeugen und Mitgestalters des 20. Jahrhunderts wohl auch zu nennen. Bis zuletzt ließ er keine Demonstration aus, noch vor wenigen Wochen war er für seine 80-jährige (!) Mitgliedschaft in der Gewerkschaft geehrt worden.

1922, zu Zeiten des Kapp-Putsches oder der Hyperinflation war Hundertmark, damals noch Lehrling bei Krupp in Essen, also schon beigetreten. Nach der Entlassung in der Weltwirtschaftskrise 1929 wurde er mit 23 Jahren hauptamtlicher Funktionär der damaligen KPD.

Nach dem Reichstagsbrand wurde er am 3. März 1933 mit anderen verhaftet und ins KZ Sonnenberg gebracht. Später kam er ins Lager Brauweiler. Weil er bei der Entlassung versprechen musste, nicht mehr nach Essen zurückzukehren, landete Hundertmark 1939 in Bremen.

Nach dem Krieg wurde er Redakteur, später Chefredakteur des KPD-Organs „Tribüne der Demokratie“. Als Anfang der 50er viele Funktionäre der Partei abgesetzt wurden, zog sich Hundertmark in seine Wohngebietsgruppe in Gröpelingen zurück: „Bürgerinitiativen waren damals unser Hobby“.

Aber natürlich ließ ihn die große Idee nicht locker: So gründete Hundertmark 1968 im Zuge der Entspannungspolitik die neue DKP mit – immerhin hatte die Partei in Bremen vor 1989 zeitweilig fast 1500 Mitglieder.

Neben seiner Arbeit bei der Gewoba widmete sich Hundertmark fortan aber vor allem der VVN-BdA – aus dieser Zeit ist er noch vielen durch die „Antifaschistische Stadtrundfahrt“ bekannt – Gänge zu den Stätten der Verfolgung und des Widerstandes in Bremen, so das KZ Schützenhof oder der Bunker Hornisse in Gröpelingen. Regelmäßig haben ehemalige politische Häftlinge des KZ Neuengamme aus Belgien, den Niederlanden und Frankreich die Stätten ihrer Deportation aufgesucht – auch das ein Verdienst Hundertmarks.

Bis zuletzt war der „Widerständige“ auf vielen Demonstrationen zu finden – auch als Redner. In der taz bremen äußerte er sich zuletzt zu den Folgen des 11. September 2001: „Mein Appell an die Reichen und Herrschenden dieser Welt: Trocknet mit eurem Geld die Sümpfe aus, aus denen der Terror wächst!“