schnittplatz

Abschied von der Generation „FAZ“

Die wichtigste Personaleinsparung war eine freiwillige: Florian Illies, 31, wird die FAZ verlassen. Aus freien Stücken also geht der ehemalige Chef der bereits eingestellten „Berliner Seiten“ und Bestsellerautor, er will sich künftig wieder mehr kreativ betätigen und der FAZ nur noch Autor sein.

Während Illies sich noch selbst entscheiden konnte, mussten hunderte andere Frankfurter FAZ-Mitarbeiter im Zuge der zweiten Einsparungsrunde erfahren, dass sie ihre Arbeitsplätze unfreiwillig Ende März 2003 zu räumen haben, davon sechzig aus der Redaktion. Gerüchte, eine Eiszeit zwischen Herausgeber Frank Schirrmacher und Illies habe zum Weggang des jungen geführt, zerstreute Schirrmacher mit der Äußerung, Illies’ Kündigung sei „eine der größten persönlichen Niederlagen meines Lebens“.

Gestern Nachmittag nun war Schirrmacher zu Gast in Berlin, um dem Hauptstadtpersonal der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Einzelgesprächen weitere Niederlagen zu verkünden: Im Feuilleton müssen vier von elf Mitarbeitern gehen. Das Gesellschaftsressort wird auf die Hälfte zusammengekürzt. Auch die Wissenschaft muss mit weniger Leuten auskommen. Allein die Politikredaktion scheint fast ungeschoren davonzukommen.

Es sind wohl hauptsächlich die Jungen, die jetzt gehen müssen. Viele von ihnen hat man erst vor anderthalb Jahren zum Blatt geholt, um die FAZ fit und hip zu machen. Florian Illies war die Leitfigur, Illies stand für alles, was die Zukunft der FAZ sein sollte: jung, populär, konservativ. In welchem Ausmaß die neue Generation FAZ von der aktuellen Entlassungswelle betroffen sein wird, ist zwar noch nicht klar. Gesiegt haben aber die, die immer wollten, dass alles so langweilig bleibt, wie es war.

Sicher, bleiben zu können, ist sich niemand. Einige werden bald unterstützt vom Arbeitsamt die konservative Revolution vorantreiben müssen.

Florian Illies selbst muss sich solcherlei Sorgen kaum machen: Sein nächstes Buch ist beim Münchner Blessing-Verlag für den kommenden Herbst eingeplant. Dem Vernehmen nach soll er dafür bereits einen siebenstelligen Vorschuss erhalten haben. STEFAN KUZMANY