Die neue Suchfunktion von Facebook soll personalisierte Informationen liefern. Ein britischer Web-Entwickler zeigt nun: Manchmal sind diese sehr, sehr heikel.von Ben Schwan

Milliardäre, die sich mehr um Datenschutz kümmern sollten: (mindestens) einer. Bild: dapd
BERLIN taz | Der Web-Entwickler Tom Scott gehört zur noch relativ kleinen Gruppe jener Facebook-Nutzer, die bereits Zugriff auf die sogenannte Graph Search haben. So nennt der Social-Networking-Konzern seine Suchmaschine, mit der in wenigen Monaten alle Mitglieder im gigantischen Facebook-Informationsbestand wühlen können werden. Da Scott in seiner Heimat Großbritannien ab und zu auch im Fernsehen als Gadget-Experte auftritt und gerne humorvolle Internet-Inhalte zusammenbaut, die zum Nachdenken anregen (Beispiel), nahm er sich nun auch die Möglichkeiten der Graph Search vor.
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Das Ergebnis nennt sich „Actual Facebook Graph Searches“ und sorgt seit Mittwoch in der Netzpresse für Furore. Die Idee: Was wäre, wenn man der neuen Suchmaschine Fragen stellt, die Nutzer kompromittieren können? Scott machte sich eifrig ans Werk. Das Ergebnis ist durchaus augenöffnend.
So findet Graph Search über 100 Personen, die verheiratet sind und Prostituierte mögen. Oder wie wäre es mit Firmen, deren Angestellte auf Rassismus stehen? Die amerikanische Luftwaffe ist ebenso darunter wie McDonald's. Die Kombination aus allein lebenden Frauen, die bei Scott in der Nähe wohnen, sich für Männer interessieren und sich gerne betrinken, erreicht ebenfalls über 100 Einträge in London und Umgebung.
Ebenfalls interessant: Mehr als 100 Nutzer bei Facebook mögen die gegen die Schwulenheirat eingestellte „Focus on the Family“-Organisation, gleichzeitig aber den schwulen und sogar mit Nachwuchs gesegneten Schauspieler Neil Patrick Harris. Auch für repressive Strafverfolger fand Scott eine spannende Suche: Die Kombination aus Familienmitgliedern, die in China leben und die dort streng verbotene Falun-Gong-Religionsgemeinschaft mögen, liegt allerdings bei unter Hundert.
„Ich wurde heute zu Graph Search eingeladen und habe dann ein wenig damit herumgespielt. Die Ergebnisse waren, nun, teilweise recht interessant“, erklärt Scott. Er glaube nicht, dass die Nutzer, die sich so potenziell in Gefahr begeben, „dumm“ seien. Stattdessen wüssten viele einfach nicht, wie sie Facebook sicher nutzen könnten. „Ich kann ja auch von einem schlechten Mechaniker für unnötige Reparaturen ausgeraubt werden, ohne dass ich das weiß. (...) Es heißt nur, dass ich mich in diesem Bereich nicht auskenne.“
Er gibt außerdem zu bedenken, dass Angaben auf Facebook ja keinesfalls stimmen müssen, selbst wenn der Konzern dies laut Geschäftsbedingungen etwa für die Grunddaten verlangt. Die Graph Search sei dennoch eine gute Möglichkeit, die Menschen so zu erschrecken, dass sie ihre Privatsphäreneinstellungen überprüfen: „Wenn etwas peinlich wäre, wenn man es auf eine Werbetafel am New Yorker Times Square veröffentlicht, sollte man es auch nicht auf Facebook stellen.“
Scott forderte Nutzer auf, eigene Beispiele einzusenden, bekam aber bislang kaum interessantes Material – vor allem, schätzt er, weil der Zugriff auf den im geschlossenen Betatest befindlichen Dienst noch sehr eingeschränkt sei.
Facebook kommentierte das Blog „Actual Facebook Graph Searches“ gegenüber dem britischen Guardian mit den Worten, Graph Search verändere die existierenden Privatsphäreneinstellungen der Nutzer nicht. Es zeige nur das, was an anderer Stelle der Website zu sehen sei, je nachdem, was Nutzer teilen würden. Das mag soweit technisch korrekt sein, allerdings erschließt eine vernünftige Suchmaschine Informationen viel schneller als eine manuelle Suche. Ein obskures Posting, von dem man glaubt, dass es niemand sieht, kann so an unerwünschten Stellen auftauchen.
Erstaunlicherweise hat Facebook unterdessen bereits eine Anleitung veröffentlicht, mit der Journalisten die Graph Search für Recherchen nutzen können. Als ein „Rolodex von einer Milliarde potenzieller Quellen“ wird der neue Dienst darin beworben. In dem Dokument zeigt ein freundlicher Facebook-Mitarbeiter unter anderem, wie man Angestellte einer Firma oder zu einem Thema passendes Bildmaterial auffindet. „Journalisten könnten über interessensbasierte Suchen Trends auffinden“, so Facebook. Als Beispiel nennt die Firma etwa „Bücher die von Firmenchefs gelesen werden“ oder „Filme, die von Leuten gemocht werden, die Filmregisseure sind“.
Vielleicht funktioniert die Graph Search aber auch noch gar nicht so gut, wie Facebook es bewirbt: Laut einem Test der PC World wiederholen sich Ergebnisse derzeit noch häufig.
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Facebook sammelt riesige Datenmengen. Und will immer mehr von seinen Nutzern wissen. Datenschützer sind entsetzt. Denn niemand weiß, wie viel und was Facebook tatsächlich speichert.
Und Facebook dient keineswegs dem Nutzer. Denn nicht die Profilbesitzer sind die Kunden, sondern die Werbeindustrie. Zuckerberg will ein perfektes System für die Werbung schaffen. Eine Empfehlung von Freunden ist mehr Wert als jede Plakatanzeige, jeder Werbespot und jede Printreklame.
Die Reichweite von Facebook kann sich sehen lassen: Mehr als 800 Millionen Menschen aus aller Welt und mehr als 20 Millionen Deutsche nutzen die Social-Network-Plattform. Damit hält Zuckerbergs Firma bei jungen Menschen fast schon ein Monopol und verdrängte Konkurrenten wie "Studivz". Wer seine Kontakte und Freundschaften – vor allem international – pflegen will, ist gewissermaßen auf das soziale Netzwerk angewiesen.
Im Schwerpunkt "Datenkrake Facebook" sollen Artikel über den Kampf der User um ihre gespeicherten Daten bei Facebook zusammengefasst werden. Die taz dokumentiert dabei den österreichischen Jura-Studenten Maximilian Schrems, der bei Facebook nachhakte, Kampfgeist zeigte, nicht locker ließ und am Ende mit der Zusendung vieler Daten, die Facebook von ihm speicherte, quasi "belohnt " wurde.
Die Facebook-Grafiken im Detail:
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Schmuckbild: spacejunkie / photocase.com
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Leserkommentare
06.02.2013 09:27 | Nico
1. Facebook ist ein Dienstleister. ...
01.02.2013 14:37 | neubau
Facebook hier, Facebook da... blablabla. ...
31.01.2013 01:54 | rolfmueller
Wer auf Facebook etwas anderes als öffentliche Informationen schreibt, ist nun wirklich selber schuld. Es hat noch nie jema ...