Schwimmen wie Fischstäbchen

Die „Nordlichter“ sind Gewinner beim Wettbewerb „Regionen aktiv - Land gestaltet Zukunft“. Verbraucherschutz-Ministerin Renate Künast kam nach Lüssum, um sie zu ehren

Die Ministerin Renate Künast mag Kefir aus Ziegenmilch am liebsten, wenn sie vorher einen Schluck Rotwein getrunken hat: „Dann entfaltet sich der Geschmack am besten“.

Auf den Rotwein musste die Grüne gestern in Bremen bei der Preisübergabe an die „Nordlichter Region-Weserland“ in Lüssum jedoch verzichten. Der Verein „Nordlichter“ ist einer der 18 Gewinner aus dem Bundeswettbewerb „Region aktiv - Land gestaltet Zukunft“.

Künast nahm den gesunden Trunk dann trotzdem, gemischt mit Erdbeeren – natürlich aus der Region. Nach einem kritischen Blick ins Glas fragte sie, ob denn da auch wirklich Erdbeeren drin seien. „Natürlich, wir lügen hier doch nicht“, bekam die Ministerin zur Antwort.

Sie war nach Lüssum gekommen, um dem Verein „Nordlichter - Region Weserland“ einen Scheck über 1,8 Millionen Euro für die Arbeit in den nächsten vier Jahren zu übergeben. „Mit Initiativen wie diesen wollen wir weg von Markt- und Preisstützen und hin zu einer direkten Förderung des ländlichen Raumes“, sagte Künast.

77 Vereine, Einrichtungen und Landwirte aus den Landkreisen Osterholz, Verden, Wesermarsch und den Städten Bremen und Delmenhorst arbeiten im Verein „Nordlichter“ zusammen. Der Verein will eine regionale Landwirtschaft fördern, die sich an den Bedürfnissen der VerbraucherInnen orientiert und dazu umweltverträglich ist. Hierzu setzen sie auf Obst, Milch und Fleisch aus der Region unter dem Symbol des rotweißen Leuchtturms. Ziel der „Nordlichter“ ist es, Vertrauen zwischen Verbrauchern und Erzeugern von Lebensmitteln in der Weserland-Region zu schaffen.

Rollende Kuh infomiert über Stationen in der Lebensmittelkette Obst, Fleisch und Milch unter dem Symbol des Leuchtturms

Vertrauen hatten die Besucher der Veranstaltung trotz BSE und Nitrofen: Sie nahmen gerne und reichlich von dem 25 Kilogramm schweren Kuchen aus heimischen Erdbeeren, Marzipan und Bisquit, den die Verbraucherschutzministerin feierlich anschnitt und dann eigenhändig verteilte.

„Nitrofen ist ein Negativbeispiel dafür, was passiert, wenn man nur an den Profit denkt und nicht an die Verbraucher“, hatte die Ministerin zuvor in ihrer Rede erklärt. Deshalb seien Projekte wie „Nordlichter“ so wichtig, denn sie schafften den Kontakt zwischen Landwirten und VerbraucherInnen.

Die Kindertagesstätte Lüssum, Gastgeber bei der Preisverleihung, setzt bereits um, was sich der Verein „Nordlichter“ für die gesamte Region zum Ziel gesetzt hat: Der Lüssumer Kindergarten, pädagogisch vorbildlich, bezieht die Lebensmittel zum größten Teil aus der Region.

Gerade Kindern dürfe der Bezug zu dem, was sie essen, nicht verloren gehen, betonte Renate Künast. Das geschähe jedoch, wenn man sie ohne Informationen den Aussagen der Werbeindustrie hilflos ausliefern würde. „Wie machen die Fischstäbchen das, dass die schwimmen können?“, diese Frage sei wirklich von einem Kind gekommen, erzählte die Ministerin. Viele Kinder könnten heute Obst und Gemüse nicht voneinander unterscheiden.

Auf dem „Markt der Möglichkeiten“, auf dem sich die einzelnen Projekte der „Nordlichter“ vorstellten, konnten die Kinder erleben, was man mit Lebensmitteln so alles machen kann. Zusammen mit der Ministerin schüttelten sie Sahne in einem Einmachglas so lange, bis sie Schlagsahne im Glas hatten. Das ging so schnell, dass die Ministerin mit ihren Bodyguards sich auch noch die Stände der Leuchtturmprojekte ansehen konnte. „Regionale Fleischvermarktung“ gehört ebenso dazu wie das „Pferdeland-Weserland“ und die „Erlebniswelt Bauernhof“.

Hinter dem Leuchturmprojekt „Q-Mobil“ verbirgt sich ein Informationsstand mit einer rollenden Kuh, die über die unterschiedlichen Stationen der Lebensmittelkette informiert – Motto: „Von der Milch bis zur Milchschnitte“.

Aktionen wie diese sollen zu einer Stärkung des angeknacksten Vertrauensverhältnisses zwischen Verbrauchern und Landwirten führen. „Ich hoffe, dass Eure Leuchttürme ausstrahlen“, wünschte Renate Künast zum Abschluss.
Katja Plümäkers