Guhte Böhse Onkelz

75.000 Euro Benefiz-Erlös

Hilfe für Neonazi-Opfer

Vor über einem Jahr trat die umstrittene Nicht-mehr-oder-doch-immer-noch-Rechtsrock-Band „Böhse Onkelz“ in der damals ausverkauften Bremer Stadthalle auf. Unter dem Titel „Gegen den Hass“ unterstützten die Ausländerbeauftragte im Land Bremen, Dagmar Lill, und der gemeinnützige Verein „Wir. Bremer Initiative gegen Fremdenfeindlichkeit“ das Benefiz-Konzert. Der Erlös: stolze 75.000 Euro.

Gestern teilte der Verein „Wir“ zehn Namen von Menschen mit, die direkt mit dem Geld unterstützt werden sollen. Gemeinsames Merkmal von drei Vietnamesen, der Tochter eines verstorbenen Algeriers, einem Italiener, einem Deutschen, einem Ghanaer, einem elfjährigen Mädchen aus dem Kosovo, einem farbigen Deutschen und einem Kameruner: Sie alle wurden Opfer von faschistischen Überfällen. Und sie alle fielen durch das Versorgungsnetz. „Das Geld hat jetzt fast alle Betroffenen erreicht“, sagt Anselm Dworak, erster Vorsitzender von „Wir e.V.“ Dass die Geldverteilung so lange gedauert hat – über ein Jahr – hat unterschiedliche Gründe: „Wir haben Briefe an die Ausländerbeuftragten, an die Innenministerien und an Vereine und Initiativen geschickt, um von Fällen rechter Gewalt zu erfahren“, berichtet Dworak.

„Jetzt haben wir mehrere Ordner voll mit Antwortbriefen gesammelt.“ Dann habe der Verein zu den Einzelschicksalen weiter recherchiert. „Es war sehr schwer zu entscheiden, wo wir denn nun helfen sollten. Die Geschichten sind alle so schlimm.“ Schließlich galt es, einige rechtliche Hürden zu nehmen. Problematisch etwa waren die Situationen, in denen SozialhilfempfängerInnen unterstützt werden sollten: Das Sozialamt hätte nach geltendem Recht die Spende mit der Sozialhilfe verrechnet. „Gott sei Dank haben wir Leute mit juristischer Kompetenz gefunden, die sich da reingefuchst haben.“ Mit zunehmender Erfahrung und Vernetzung mit Opferanwälten hätte sich aber auch ein positiver Effekt ergeben: „Wir haben gelernt, dass wir vielen über das Opferentschädigungsgesetz Unterstützung organisiern konnten.“ Auf diese Weise hätten die Betroffenen zwar kein Geld aus dem Benefiz-Erlös bekommen, stünden aber auch nicht ohne Unterstützung da.

In Bremen konnte der Verein kein Opfer rechter Gewalt ermitteln, zumindest nicht mit Hilfe von Polizeipräsident Eckhard Mordhorst.