DIE PROTESTE LOHNTEN SICH – „COUNTERSTRIKE“ BLEIBT LEGAL

Keine „Software für das Massaker“

Mit dieser Entscheidung hat wohl niemand gerechnet: Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPJS) hat entschieden, dass das Computerspiel „Counterstrike“ nicht auf den Index gesetzt wird. Das Spiel kann damit auch weiterhin beworben und von Jugendlichen gekauft werden. „Counterstrike“ war nach dem Amoklauf von Erfurt in die Kritik geraten, weil das Spiel im Zimmer von Robert Steinhäuser gefunden worden war.

In der Presse avancierte das Spiel daraufhin zur „Software für das Massaker“, und auch sonst war der veröffentlichten Meinung schnell klar, dass Ballerspiele wie „Counterstrike“ für Gewalttaten wie die in Erfurt mitverantwortlich sind. Die Bundesprüfstelle hat sich nun mutig gegen einen Zeitgeist gewendet, der es sich damit bequem gemacht hat, die Schuld für Jugendgewalt bei Games zu suchen – nicht bei Leistungsdruck, schlecht ausgestatteten Schulen oder allgemeinem Desinteresse an den Problemen Jugendlicher.

Die Bundesprüfstelle ist in der Vergangenheit durch eine nicht gerade liberale Bewertung von Gewaltspielen aufgefallen. Nachdem sie in den letzten Wochen von „Couterstrike“-Fans mit E-Mails bombardiert worden war und auf Websites im Internet Unterschriften gegen das Verbot gesammelt wurden, hat bei der Bonner Behörde aber offenbar ein Umdenken stattgefunden. Soll noch jemand sagen, dass sich Jugendliche nicht mehr politisch engagieren; soll noch jemand sagen, politisches Engagement würde sich nicht lohnen!

Das Spiel verzichte auf Effekthascherei, hieß es zur Begründung. Ob das ein wirksames Kriterium für die Bewertung von Computerspielen ist, sei einmal dahingestellt – auf jeden Fall hat die Bundesprüfstelle genau genug hingesehen, um zu verstehen, dass „Counterstrike“ kein dumpfes Geballer ist, sondern ein relativ komplexes Actionspiel, bei dem es um Teamwork geht, nicht um das Recht der Stärkeren. Dass die deutschen Gamer einmal Grund haben würden, eine Entscheidung der Bundesprüfstelle zu begrüßen – wer hätte das gedacht? TILMAN BAUMGÄRTEL

Der Autor schreibt über Computer- und Internetkultur