Jahrestage

Kreissäge sei Dank

■ Heute ist der Tag der Linkshänder

Ein Arbeitsunfall veränderte alles im Leben von Heini Linkshänder. Vor 40 Jahren verlor der gelernte Schreiner an einer Kreissäge den rechten Arm. Aus dem Handwerker wurde ein Künstler, der sein Leben mit der linken Hand meistert. „Ich habe den Unfall gebraucht, um zur Vollendung zu kommen“, bekräftigt der Bildhauer und Maler aus Worpswede, der sich nach diesem Schicksalsschlag nur noch „Linkshänder“ nennt.

Sein alter Familienname spielt für den Mann, der als einziger „Linkshänder“ in Deutschlands Telefonbüchern eingetragen ist, keine Rolle mehr. Sein Künstlername ist für ihn nach dem Verlust des rechten Arms Programm. Im Moor hat er sich inmitten mächtiger Eichen sein Reich geschaffen. Hier spaltet er mit links das Holz für seine Skulpturen. Hier sägt, lötet, baut, zeichnet, malt, druckt, collagiert, inszeniert, installiert der Künstler, der bisweilen provokant aneckt.

Zum „Internationalen Tag der Linkshänder“ am 13. August betonen Experten zwar, dass die Umstellung der angeborenen Händigkeit im Hirn schwere Irritationen auslösen kann. Doch für Heini Linkshänder trifft das nicht zu. Sein Selbstvertrauen half ihm, den Schock zu überwinden. „Das ist mein Kapital“, sagt der gebürtige Bayer, der 1983 als Stipendiat nach Worpswede kam. Im Steno-Kurs hat der 63-Jährige die Feinnervigkeit seiner linken Hand geschult. „Ich konnte sie nach wenigen Wochen voll aktivieren und habe nun eine runde Motorik.“

Mit dieser Grundhaltung entwickelte sich der begeisterte Rennradfahrer 1994 zeitweise zum Vorkämpfer bekennender Linkshänder. „Wir haben zu wenig Linkshänder“, lautet der Slogan einer Kunstaktion, mit der er auch gegen das Umschulen linkshändiger Kinder protestiert. „Eltern müssen damit aufhören. Schließlich ist die Linkshändigkeit keine Laune, sondern Teil der Person.“

Bei einem Bildhauersymposium goss Heini Linkshänder eine noch heute begehbare meterlange „Welle der Erregung“ aus Beton ungefragt vor das Rathaus von Worpswede. In der Nacht bewachte er das Werk, bis es fest war. Genauso offensiv und herausfordernd wie mit seiner Kunst geht er mit seiner linken Hand um. Seine Behinderung, seine „Schmerzerfahrung“, wie er sie selbst nennt, gehört für ihn zum gesunden Leben dazu. Die Frage, warum gerade ihm die Kreissäge in die Quere kam, hat er sich „nie gestellt“.

epd