Getreu dem Führerprinzip: Burschen, Nazis, rechte Vordenker

Rechtes Gedankengut kommt in einigen Burschenschaften gut an. Seit sich liberalere Verbindungen abgespalten haben, ist die reaktionäre Fraktion unter sich

Kontakte von Burschenschaften zur rechtsextremen Szene sind quer durch die Republik kein Einzelfall: Der Sprecher der „Normannia-Nibelungen“ in Bielefeld etwa, Marc Strothe, war zuvor bei der 1992 verbotenen „Nationalistischen Front“ aktiv. Im Mai 1999 verschaffte er Horst Mahler einen Auftritt beim „Burschenschaftlichen Abend“. Und in der Gießener „Dresdensia Rugia“ wirkt der stellvertretende hessische NPD-Landesvorsitzende Jürgen Gansel. Die Frankfurter „Arminia“ lud den „Republikaner“-Vorsitzenden Rolf Schlierer ein, und die Erlanger „Frankonia“ hatte den Chef des „Thule Seminars“ Pierre Krebs zu Gast. Die Jenaer „Jenensia“ gab Peter Dehoust, dem Mitherausgeber der auflagenstarken rechtsextremen Zeitschrift Nation & Europa, ein Podium, als Ordnertruppe fungierte der militante „Thüringer Heimatschutz“.

Schon 1996 konnten die rechtsextremen Staatsbriefe aus München zufrieden konstatieren, dass in nahezu allen Verbindungen der Deutschen Burschenschaft (DB), Verbandsbrüder anzutreffen wären, „die in irgendeiner Form national oppositionell“ seien. Der ehemalige Bundesvorsitzende der NPD-Hochschulorganisation, Dietmar Engelhard, spricht in einer der letzten Ausgaben des NPD-Parteiorgans Deutsche Stimme von „ganz erfreulichen Fortschritten“ in der Burschenschaftsszene. Damit meint er vor allem die Folgen der Abspaltung der gemäßigten „Neuen Deutschen Burschenschaften“ 1996 vom rechtslastigen Dachverband. Den Burschenschaften, die bislang dem DB den Rücken gekehrt haben, weint Jürgen Schwab keine Träne nach. Schwab, Mitglied der Bayreuther „Thessalia Prag“, dann im Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit der DB und jetzt Redakteur der Deutschen Stimme, meint, nach dem Austritt „liberalextremistischer“ Bünde könne die „Burschenschaftliche Gemeinschaft“, der 1961 gegründete äußerste rechte Flügel der DB, die Verbandspolitik noch stärker dominieren als zuvor.

Nicht nur in Bayern, auch in nahezu allen Bundesländern tauchen aber weder solch rechtslastige Studentenverbindungen noch Publikationen wie Criticon oder Junge Freiheit, in denen die intellektuellen Rechtextremisten mit Vorliebe schreiben, in den jährlichen Verfassungsschutzberichten auf. Lediglich in internen „Informationsberichten“, wie 1993 in Hamburg, ist dann nachzulesen, welch enge Kontakte DB-Mitgliedsburschenschaften wie die Hamburger „Germania“ zum Rechtsextremismus pflegen. „Aus ihrer Ablehnung der Demokratie und ihrer Befürwortung des Führerprinzips machen viele Germanen kein Hehl“, haben die Verfassungsschützer herausgefunden. Kein Wunder, wohnte doch der frühere Vorsitzende der inzwischen verbotenen „Freiheitlichen Arbeiterpartei Deutschlands“ (FAP) und heutige Betreiber des „Nationalen Infotelefons“, Andre Goertz, beispielsweise im Haus der „Germania“. Die Liste der Referenten, die bei der Burschenschaft auftraten, liest sich wie ein Who’s who? des Rechtsextremismus: Stefan Ulbrich von der ebenfalls verbotenen Wiking-Jugend, der belgische Rechtsextremist Robert Steuckers, der Hamburger Jürgen Rieger oder der britische Auschwitz-Leugner David Irving.