Immer wieder Liebeslieder

Berlins most wanted: Der Sänger/Songwriter Maximilian Hecker spielt im Dolmen Club

Ältere Musikjournalisten, die meisten von ihnen Dylanologen, und auch ein paar jüngere ohne Berührungsängste, sie schreiben es tagein, tagaus in ihre Blätter: Der Song ist wieder da. War nicht tot, aber verschollen, begraben unter elektronischem Equipment. Der Song lebt, wird geschrieben und musikalisch in Szene gesetzt von jungen Musikern und mit knuffigen Slogans wie „Leise ist das neue laut“ versehen. Und das nicht nur in Manchester, Bergen, London oder Paris, sondern auch in unserer kleinen Stadt.

Sänger und Songschreiber der Stunde ist in Berlin ein junger Mann namens Maximilian Hecker. Der hat zwar noch nicht so ganz viel Zählbares in Form von Tonträgern geleistet und gerade erst einen Vertrag bei Kitty Yo unterschrieben; und sein Ruf mag sich oberflächlich besehen erst einmal nur durch gezieltes Vorabtrommeln seines Labels begründen. Doch es gab Hinweise, Leute, echte Hinweise auf Großes! Maximilian Hecker spielte einst in einer Band, die sich Maxi unter Menschen nannte. Allein der Bandname ließ darauf schließen, dass da einer mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein ausgestattet war, waren doch seine Mitspieler niemand Geringeres als Almut Klotz und Jim Avignon. Dem Namen der Band entsprechend stellte sich das auch live dar: Maxi unter Menschen spielten charmanten Rockpop und gewährten Hecker irgendwann immer eine Auszeit für ein ordentliches Solo. Das passte zwar nie so recht, irritierte, war dann aber so eindrucksvoll, dass man sich plötzlich auf einem anderen Planeten wähnte.

Logisch, dass Hecker nun seiner eigenen Wege geht und auf der Bühne die ihm eigene Mischung ausagiert: hier der Straßenmusiker, der vor den Hackeschen Höfen Lieder von Beck und Tocotronic spielt, dort Mamas Liebling, der genau das zu sein satt hat, seine Herkunft aber auch nicht verleugnen will. Ersten nachhaltigen Eindruck auf Tonträger machte Hecker dann mit dem Song „Cold Wind Blowin’ “ auf dem „Alaska.de“-Soundtrack. Großes Kino, stürmische Winde und ein Sänger, der fast zusammenzubrechen scheint, so zart kommt er rüber, sich dann aber gegen Ende des Siebenminuten-Epos kraftvoll zurückmeldet. Ende Juni erscheint nun seine erste Single: „Infinite Love Song“.

Ein Hammer, sagt sein Labelchef gewohnt überschwänglich, ein Hit, würde Peter Illmann sagen, ein schöner, kleiner Wurf, sagen wir; Liebe in den Zeiten von Blumfeld, aber noch direkter. Festhalten, sehen, fühlen, lieben, leben: Maximilian Hecker. Die Gegenwart des Songs. Die Zukunft von Pop. Das Glück, das nicht machbar ist, hin und wieder aber wenigstens für drei Minuten aufschimmert.