raf muss sein

Ganz gewöhnliche Schwerverbrecher

Sechs Jahre dauerte es, bis die selbst erkorenen Kämpfer im Untergrund vom Waffenstillstand zur Selbstauflösung fanden. 1992 erklärte die RAF, „wir nehmen die Eskalation zurück“, 1998 schließlich teilten die Militanten achtseitig mit: „Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte.“ Glaubt man der Bundesanwaltschaft, dann soll diese Geschichte jetzt eine Fortsetzung haben – in Form der Neugründung einer Terrorgruppe, die sich aus alten Kadern speist. In revolutionärer Absicht sollen die als RAF-Mitglieder gesuchten Klette und Staub vor zwei Jahren einen Geldtransporter in Duisburg überfallen haben. Es sei eine „lebensfremde Annahme“, so die Bundesanwaltschaft, dass sich die beiden nur als „normale Schwerkriminelle“ betätigen. Doch wenn etwas lebensfremd ist, dann diese Behauptung der Bundesanwaltschaft.

Kommentarvon WOLFGANG GAST

Seit Jahren stochern die Ermittlungsbehörden beim Thema RAF im Dunklen. Zu dem wenigen einigermaßen gesicherten Wissen gehört, wie sich die Illegalen finanzieren. Wer im Untergrund lebt, braucht vor allem eines: Geld. So wird ein Überfall auf einen Duisburger Massa-Markt 1990 RAF-Mitgliedern zugerechnet. Die Einnahmen eines Pfingstsamstags wurden erbeutet – eine gewöhnliche Gaunerei. In Wien 1999 fielen Andrea Klump und ihr später erschossene Lebensgefährte Horst Ludwig Meyer den Fahndern auf, weil sie ganz offensichtlich ein Objekt auskundschafteten, um es auszurauben.

Der Überfall auf den Geldtransporter, der aufgrund genetischer Fingerabdrücke jetzt Klette und Staub zugeordnet wird, mag besonders brutal gewesen sein – die Täter waren mit Maschinenpistolen und einer Panzerfaust bewaffnet –, die Neugründung einer terroristischen Vereinigung lässt sich daraus kaum folgern. Und die Vermutung, die vermeintliche Neo-RAF könnte auf bisher unentdeckte RAF-Waffendepots zurückgreifen, ist reine Spekulation. Aber selbst wenn sich so eine Gruppe neu gründen sollte – weit würde sie nicht kommen. Das alte Netzwerk der Unterstützer ist mit der Selbstauflösung der RAF verloren gegangen; eine Neo-RAF wäre selbst im linksradikalen Lager hoffnungslos isoliert.

Es bleibt der Verdacht, dass hinter den letzten RAF-Meldungen die Furcht der Ermittler steht, sie könnten als erfolglos und überflüssig erscheinen. Aber auch das ist wahrscheinlich nur eine haltlose Spekulation.

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