Kommentar Uli Hoeneß vor Gericht

Wir werden nicht mit Ihnen heulen!

Charity-Golf-Turniere oder ein paar Tränen – das zieht bei uns nicht: Sie sind eine asoziale Type, Herr Hoeneß. Sie sind kein Opfer!

Heul doch.  Bild: dpa

Wir wollen das jetzt nicht mehr hören, Herr Hoeneß! 18,5 Millionen Euro, die dem Gemeinwesen zustanden, haben Sie einfach behalten, und dann behaupten Sie noch, Sie seien kein Schmarotzer, rechnen uns vor, wie viel Sie gespendet haben. Ja, wir wissen, dass Sie wahnsinnig viel Geld an wahnsinnig viele gemeinnützige Organisationen überwiesen haben. Aber bitte verschonen Sie uns mit der Aufzählung Ihrer Wohltaten!

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Wenn Sie wirklich anfangen wollen aufzulisten, an wie vielen Charity-Golf-Turnieren Sie teilgenommen haben, wir werden Ihnen nicht zuhören. Wir wollen das Spiel nicht mitmachen, dessen Regeln Sie uns aus dem Gerichtssaal diktieren wollen. Wir lassen Ihnen den Rollenwechsel nicht durchgehen. Herr Hoeneß, Sie sind eine asoziale Type, Sie sind kein Opfer! Wir sind uns da ziemlich sicher, auch wenn das Urteil über Sie erst am Donnerstag gesprochen wird.

Es mag schon sein, dass Sie süchtig waren nach dem Kick an den Börsen, dass Sie nicht mehr Herr Ihrer Sinne waren, als Sie auf Devisenkurse gewettet haben. Aber sollen wir wirklich Mitleid mit Ihnen haben, wenn Sie sagen, Sie hätten auch mal 18 Millionen Euro an einem Tag verzockt? „Ich war verrückt“, haben Sie gesagt. Sollen wir glauben, wir hätten es bei Ihnen mit einem Wahnsinnigen zu tun? Und diesen Wahnsinnigen sollen wir dann gleichzeitig noch dafür verehren, dass er den FC Bayern München zum erfolgreichsten Fußballklub des Planeten gemacht hat! Vergessen Sie es!

Wir werden auch nicht mit Ihnen heulen, wenn Sie sagen, das ganze Gezocke habe sich unter dem Strich gar nicht gelohnt. Sie sprechen von Spielgeld und tun so, als wäre das Leben ein Brettspiel. Sie hätten das Vermögen auf Ihrem klandestinen Konto in der Schweiz gar nicht als echtes Geld wahrgenommen. Geht’s eigentlich noch zynischer?

Und noch eines, Herr Hoeneß: Wir neiden Ihnen nichts. Wir gönnen Ihnen Ihr Anwesen mit Blick auf den Tegernsee, das fette Auto, das Sie fahren, sowieso, wir wollen Ihnen Ihr Jetset-Leben und Ihre guten Kontakte zu den Reichen und Mächtigen nicht nehmen. Wir wollen nur eines klarstellen: Sie sind für uns keine bedeutende Persönlichkeit. Sie waren ein guter Fußballer. Als Fußballmanager waren Sie wahrscheinlich noch besser. Als Mensch mögen Sie, wenn Sie wollten, ab und zu mal ganz okay gewesen sein. Als soziales Wesen haben Sie versagt.

 
10. 03. 2014

1968 geboren und war dann lange Münchner. Studiert hat er Slawistik und wäre um ein Haar Lehrer geworden. Zehn Jahre lang war er Kabarettist (mit Helmut Schkleich und Christian Springer im "Kabarett Fernrohr"). Dann hat er sich in den Kopf gesetzt, vom Schreiben leben zu wollen, hat einen Roman geschrieben („Pokalfinale“) und ist Sportreporter geworden. 2001 hat er seinen ersten Text für die taz geschrieben. 2012 hat er für das Amt des DFB-Präsidenten kandidiert. Weil der Verband ihn nicht wollte, ist er Redakteur im Leibesübungen-Ressort der taz geblieben. Seit April 2014 ist er zusammen mit Ines Pohl Chefredakteur der taz.

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