Tschechien

Programm der Reise

vom 29. Juni bis 7. Juli 2019

Panorama-Blick auf die mährische Industriestadt Ostrava Bild: Czech Tourism Archive

1. Tag Prag

Nach der Anreise treffen wir am späten Nachmittag unsere Reiseleiterin Alexandra Mostýn. Vom Hotel aus geht es zu Fuß über den Wenzelsplatz und die Altstadt an die Moldau. Dort beginnt unsere abendliche Schifffahrt, auf der wir nicht nur uns kennenlernen werden, sondern auch ein paar interessante Gäste aus der Prager Zivilgesellschaft.  Außerdem steht ein gemeinsames Abendessen auf dem Programm.

2. Tag Prag

Der Tage beginnt mit einem gemütlichen Spaziergang durch die Passagen der Prager Neustadt und einer Panorama- Straßenbahnfahrt durch das alte Prag bis hinauf zum Strahov-Kloster hinter dem Hradschin, dem Prager Burgberg. Dort oben beginnt unser Spaziergang durch Prag, mit einem atemberaubenden Blick auf die Altstadt.

Auf dem Weg nach unten zurück halten wir zu einem Frühschoppen (es ist Sonntag…)  im legendären „Schwarzen Ochsen“. Danach geht der Abstieg weiter, vorbei an den Palästen und Kasernen des Burgviertels. Den Hradschin selbst lassen wir wegen der langen Schlangen aus, die sich dort - langwieriger Sicherheitskontrollen sei Dank - regelmäßig bilden. Stattdessen machen wir uns auf durch die Prager Kleinseite und ihre Geschichten.

Nach einer typisch böhmischen Mittagspause auf der Kleinseite geht es über die Karlsbrücke in die Altstadt. Wir besuchen die Teynkirche, wo der dänische Astronom Ticho de Brahe begraben liegt und die Kafka als „die Kathedrale“ in seinem berühmtesten Werk, dem Roman „Der Prozess“ verewigt hat. Wir erfahren, was es mit den weißen Kreuzen am Altstädter Ring auf sich hat und warum die Marienstatue eigentlich in der Symmetrie des Platzes fehlt. Vorbei an barocken Kirchen und kubistischen Bauwerken beenden wir unseren Prag-Spaziergang am Platz der Republik, wo der mittelalterliche Pulverturm, ein geschichtsträchtiger Jugendstil-Prachtbau und eine moderne Shopping-Mall aufeinandertreffen.

Abendessen in einem Restaurant.

Figurenensemble auf der Prager Karlsbrücke Bild: Gaby Coldewey

3. Tag Prag

In ganz Tschechien beginnen die langen Sommerferien und auch wir haben zumindest einen langen Tag vor uns. Vom Hotel aus erkunden wir die Prager Metro und fahren unter der Moldau durch auf die Kleinseite. Dort spazieren wir durch die barocken Wallensteingärten und treffen mit etwas Glück auf einen oder mehrere ihrer berühmten weißen Pfauen.

Weiter geht es durch die verwinkelten Gässchen der Kleinseite zur deutschen Botschaft. In diesem Jahr wird es 30 Jahre her sein, dass fast 5000 so genannte Botschaftsflüchtlinge sich dort von August bis Ende September ihre Ausreise in den Westen „ersaßen“. Wir besichtigen die Gärten und das zugehörige Denkmal für die Botschaftsflüchtlinge des tschechischen Künstlers David Černý. Dazu sehen wir eine kurze Film-Dokumentation aus dieser Zeit.

Am Nachmittag besuchen wir das Prager Literaturhaus, das sich dem Erbe der deutschsprachigen Literatur in Böhmen und Mähren widmet. Dort treffen wir den Leiter David Stecher und seinen geistigen Vater František Černý, Botschafter a.D., Zeitzeuge und faszinierender Erzähler.

Den Rest des Tages widmen wir uns den Prager Kiezen. Wir besuchen das edle Vinohrady, machen einen Abstecher ins alternative, einst verruchte Žižkov und treffen dort die Erben des braven Soldaten Schwejk. Die nehmen wir dann mit ins Szeneviertel Letná am anderen Moldauufer. Dort beenden wir den Tag in bei der Mikrobrauerei Hangar und lassen von uns von zweien der Gründer erzählen, was es mit dem Microbrewing -Trend in Tschechien alles auf sich hat.  Und ein gemeinsames Abendessen steht dann auch noch auf dem Programm.

4. Tag Von Prag nach Brünn

Heute verlassen wir Prag und fahren einmal zickzack durch die halbe Republik. Die Pause der langen Fahrt mag nicht unwillkommen sein. Denn als erstes erwartet uns die Geschichte der Uran-Gulags im nordwestböhmischen Jachýmov (Joachimsthal). Wir besuchen eine ehemalige Uranmine und lassen uns von Tomáš Bouška von der Organisation „Politische Gefangene“ vor Ort das System der Uranlager erklären, in denen von 1948 bis 1961 knapp 100.000 Häftlinge, v.a.politische, Uran für den Bau der sowjetischen Atombombe abbauten. Allein zwölf dieser sechzehn Lager waren rings um Jáchymov versteckt. In Jachymov werden wir auch gemeinsam zu Mittag essen.

Von Jachýmov aus geht es ins mährische Brünn. Auf dem Weg dorthin machen wir allerdings noch zwei  Abstecher: der erste führt in den Ort Ostrov nad Ohří (Schlackenwerth an der Eger), der aus zwei Teilen besteht, einem alten um den historischen Ortskern sowie der in den 1950er Jahren neu gebauten sozialistisch-realistischen Musterstadt. Danach stoppen wir noch im verfallenen Kurort Kyselka (Giesshübl).

Blick auf Tschechiens zweitgrößte Stadt Brünn Bild: Archiv

Auf der etwa dreistündigen Fahrt nach Brünn gibt es Gelegenheit, mit der Reiseleiterin über alle Fragen zum Land, zu Politik, Geschichte und Kultur zu sprechen. In Brünn sind wir zentral in der Stadt untergebracht und haben den Abend zur freien Verfügung.

5. Tag Brünn

Brünn, die zweite Stadt Tschechiens hat viel zu bieten: Burg Spielberg und die Villa Tugendhat – ein nach Plänen von Ludwig Mies van der Rohe gebautes Wohnhaus, das heute das bekannteste Bauwerk der Moderne in Brünn ist. Außerdem die Kapuzinergruft und das Beinhaus, ein Krokodil, das bis heute als Drachen verehrt wird sowie Brünns reiche Geschichte und einen schrägen Charme. Sie lernen die Stadt durch die Augen von Brünnern kennen.

Der versierte Stadtführer Jan Schanelec wird uns sein Brünn zeigen: eine lebendige, junge Stadt, die schräg ist wie Wien und den dunklen Kapitel ihrer Vergangenheit durch Erinnern Stirn geboten hat.

Außerdem treffen Sie den Aktiviten Jaroslav Ostrčilík, der kürzlich von Bundespräsident Steinmeier für seine Verdienste um die deutsch-tschechische Verständigung mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet wurde. Ostrčilík hat unter anderem den Versöhnungsmarsch (Pouť smíření) initiiert. Dabei gedenken die Teilnehmer des so genannten Brünner Todesmarsches vom Mai 1945, indem sie dessen Strecke in umgekehrter Richtung ablaufen. Dieser Marsch gleich nach dem Ende des 2.Weltkrieges war Teil der kollektiven Vertreibung der Deutschen aus Mähren. 2015 bat der Stadtrat von Brünn erstmals um Entschuldigung für diese so genannte „wilde Vertreibung“, bei der rund 5.000 Deutsche zu Tode kamen.

Zum Abendessen gehen wir gemeinsam in ein Restaurant, anschließend bleibt noch Zeit für einen Bummel – oder ein Bier.

6. Tag Brünn - Ostrava

Am Vormittag besuchen wir das Brünner Roma-Museum, das der Geschichte der Roma-Minderheit in Böhmen und Mähren gewidmet ist. Das Museum besteht seit 2005 und gilt als das einzige seiner Art in Europa.

Das Roma-Museum in Brünn, einzigartig in Europa Bild: Archiv

Dann verlassen wir Brünn in Richtung Nordosten. Auf dem Weg in die Industriestadt Ostrava machen wir Halt im Örtchen Ospělov in der mährischen Hané (Hanna). Dort besuchen wir Dušan Dvořák, der dort auf seiner illegalen Cannabis-Farm für die Legalisierung von Cannabis für den medizinischen Hausgebrauch kämpft.

Danach geht es weiter nach Ostrava, der einst schwarzen Lunge des Landes. Wir beenden den Tag aber gemütlich - in der Stodolní-Strasse, die ob ihrer Kneipendichte im ganzen Land bekannt ist.

7. Tag Ostrava

In Ostrava unternehmen wir vormittags zuerst eine Stadtführung.

Die ehemalige Industriestadt mit ihren knapp 300.000 Einwohnern ist im Wandel, denn die Industrie, die der Stadt und damit der Region Mährisch-Schlesien einst wirtschaftliche Bedeutung verlieh, gibt es nicht mehr. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks verschwanden auch die Handelspartner, die zuvor Abnehmer für Kohle und Stahl aus Ostrava waren. Doch dank der guten Lage der tschechischen Wirtschaft beträgt die Arbeitslosenquote in der Stadt nur rund 5 Prozent.

Mit dem Ende der Kohle-und Stahlindustrie hat sich die Umwelt stark erholt, die Qualität von Luft und Wasser haben sich massiv verbessert. Und wo früher Fördertürme und eine Kokerei standen, besuchen wir jetzt das hier neu entstandene schicke citynahe Stadtviertel.

Den Nachmittag widmen wir den einstigen Vitkovice-Stahlwerken. Hier können wir nicht nur vom ehemaligen Hochofen aus die Sicht auf Ostrava und die Stadt genießen, sondern erkunden im interaktiven Industriemuseum die Geschichte der Industrialisierung der Region.

Vitkovice Stahlwerk in Ostrava Bild: Archiv

Am Abend treffen wir den ehemaligen Dissidenten, Kohlenkumpel und Intellektuellen Ladislav Vrchovský, der uns mehr über den herben Charme Ostravas verraten wird. Anschließend Abendessen in einem Restaurant.

8. Tag Ostrava - Svitavy - Prag

Heute geht es zurück nach Westen. Auf der Fahrt nach Prag machen wir Halt in Svitavy (Zwittau) der Geburtsstadt Oskar Schindlers. Wir besuchen die Fabrik, in der Schindler 1945 über 1000 Juden gerettet hat und erfahren, warum sie bis heute verfallen ist und welche überflüssigen Kämpfe um sie in den letzten Jahren ausgetragen wurden und werden. Unterwegs oder in Prag können wir zu Abend essen und in der Hauptstadt dann am Abend noch – je nach Angebot – ein Konzert besuchen.

9. Tag

Nach einem gemeinsamen Frühstück und einer Feedbackrunde endet der offizielle Teil der Reise. Wer mag, kann natürlich auch noch länger bleiben, und optional zum Beispiel den Vormittag für einen Einkaufsbummel (in Prag haben die Läden auch sonntags geöffnet),  eine Fahrt auf der Moldau oder anderes zu nutzen. Die Reiseleitung ist Ihnen mit Prag-Tipps gerne behilflich.

Umstellungen und Änderungen im Detail sind möglich.  

Stand: 13. März 2019