STARALBUM: WERNER HERZOG

Groß-Raunemeister Nummer 1

Werner Herzog kann alles. Den Schauspieler Klaus Kinski bändigen, Mississippi-Dampfer über Dschungelberge zerren, Nicolas Cage von singenden Leguanen träumen lassen. Leichteste Übungen für den Cine-Titan aus den bayerischen Alpen.

Und wenn Nicole Kidman es bei der Pressekonferenz zum gemeinsamen und – man glaube den empörten Kritikern kein Wort – sehr schönen Film „The Queen of the Desert“ versäumt, sich das Dolmetscher-Knöpflein ins Ohr zu stecken, kann er auch spontan simultan übersetzen. Und hinterher auch gleich noch die Frage beantworten, die an die Schauspielerin gestellt wurde. Ob die Dreharbeiten in Marokko denn eine große Herausforderung für sie darstellten? Ja, stellten sie. Sagt wohlgemerkt Herzog, derweil Kidman ihr magisch-mysteriöses Hollywood-Diva-Lächeln lächelt.

Eros des Kartentricks

Auch James Franco, zweiter Hollywood Big Shot in Herzogs Wüstenepos, darf nur kurz über den etwas läppischen Kartentrick reden, den er im Film vorführt. Schon kommt der bajuwarische Zampano des Podiums von der Seite: Die Szene sei mehr als bloße Kartentrickserei, sondern eine der erotischsten, die er je gedreht habe. Was immer das heißen mag bei einem Auteur, dessen Gesamtwerk als eines der asexuellsten der Filmgeschichte gelten darf, da kann man schon eine Weile drüber grübeln.

Auch beim Gespräch mit dem Filmregisseur Joshua Oppenheimer, das sich an die der Aufführung von dessen sehenswertem Film „Look of Silence“ anschließt, beweist sich Werner Herzog als charmanter Dazwischenreder mit Vorliebe für kernige Thesen. Dafür lieben wir ihn schließlich. Director’s-Cut-Versionen? Bullshit eitelster Sorte, allein bei Oppenheimer unbedingt zu bevorzugen. Und es möge der Dokumentarfilm doch endlich seine Ehe mit dem Journalismus beenden, deklamiert der Filmemacher in einem Plädoyer für das Mysterium im Kino.

Mysteriös sind auch die Tiere in Herzogs sonderbar-faszinierendem Film „The Queen of the Desert“, vor allem die unfassbaren Dromedare. Terrence Malick, der Groß-Raunemeister Nummer 2 des Festivals, spaltet die Kritik gerade ebenfalls. In seinem Film „Knight of Cups“ gibt es tolle Hunde. Diese Kerle des Kinos eint, dass sie im Alter mit beherzter Neugier und ziemlich frei ans Filmemachen gehen. Da darf man auch mal einer Diva den Auftritt stehlen.

THOMAS GROH