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Die Eis WG Deutschland 2010, R: Jens Dücker Der Film begleitet eine der wechselnden Besatzungen der Forschungsstation Neumayer in der Antarktis über einen Polarwinter hindurch. Sie sind zuständig für Messungen und Wartungsarbeiten und halten die Forschungsstation auf sich alleine gestellt am Laufen. Das Bremerhavener Alfred-Wegner-Institut für Polar- und Meeresforschung stellt die Besatzungen zusammen: Maja, die in diesem Durchgang die Stationsleiterin sein wird und von Beruf Ärztin ist, Andrea, die Luftchemikerin, Chris, der Ingenieur, Eric und Andreas, Elektriker, und Anja, die Meteorologin. Diese sechs aus der neunköpfigen Crew haben mit dem Dokumentarfilmer Jens Dücker verabredet, sich während ihres Forschungsaufenthaltes filmen zu lassen.

Die Forschungsstation Neumayer liegt im 200 Meter dicken Schelfeis, das als Verlängerung des Gletschereises über den Kontinent Antarktis hinaus ins Meer ragt. Jeweils 15 Monate ist eine Besatzung in der Antarktis, davon 9 Polarwintermonate in völliger Isolation. In den ersten drei Monaten wird die neue Besatzung von ihren VorgängerInnen eingearbeitet. Alles hat seinen Platz, und jeden Mittwoch wird an einem Ballon eine Ozonsonde hoch gelassen. Anja, die Meteorologin misst so das Ozonloch über der Antarktis. Sie beschäftigt sich auch mit der Beobachtung der wunderschönen Wolkenformationen.

Und das Eis. Es bildet eine vielfältige Landschaft, die sich durch ändernde Lichtverhältnisse andersfarbig zeigt, besonders am Schluss, im Polarsommer, wenn es viel Sonnenlicht gibt. Im polaren Winter sind die Ausflüge an das Meereis, das vor dem Schelf beginnt, oder zur an der Schelfkante gelegenen großen Kolonie der Kaiserpinguine eine willkommene Abwechselung.

Die Pinguine kennen keine Angst vor den Menschen. So sitzen sie sich gegenüber auf dem Eis und beobachten sich gegenseitig. Die bereits geschlüpften flauschigen Pinguinküken kuscheln sich an ihre Elterntiere und quieken nach Futter. Oft watscheln Pinguine kilometerweit übers Eis, um sich die Forschungsstation anzugucken.

Als ihr Aufenthalt zu Ende geht, werden einige ProtagonistInnen etwas melancholisch, wie Andreas: „Die jungen Pinguine mausern sich jetzt, das Meereis bricht auf, es wird Sommer. Das ist mit Deutschland nicht vergleichbar. Es ist schwer, jetzt zu gehen.“

Der Forschungsaufenthalt ist fünf Jahre her, mittlerweile gibt es eine neue Neumayer-Station mit Fenstern auf dem Eis. Der Film brauchte die Zeit, weil der Regisseur am Schluss von einem der schweren Schneeräumgeräte der Station, einem Pisten-Bully, überfahren wurde. Er verlor die rechte Hälfte seines Gehirnes: „Die daraus resultierende halbseitige Lähmung ist ein Geringes gegen die Tatsache, überlebt zu haben,“ so Jens Dücker: „Der Film ist das i-Tüpfelchen zu meiner Rückkehr in die Normalität.“