„Zu 95 Prozent Hamburger“

Beginn des 6. Dancekiosk-Tanzfestivals

taz: Frau Guerreiro, inwiefern kann Ihr „Dancekiosk“-Festival mit dem berühmten Hamburger Choreographen John Neumeier konkurrieren?

Angela Guerreiro: Wir sind kein klassisches Ballett-Festival, sondern zeigen eine große Vielfalt zeitgenössischen Tanzes, in der auch etliche Performances vorkommen.

Welche Künstler kommen zum Dancekiosk?

Zu 95 Prozent sind es Hamburger, denn wir verstehen uns als Plattform für Hamburgs freie Tanzszene. Außerdem kommen Gäste wie Felix Marchand aus Berlin, Jolika Sudermann aus Amsterdam und Rachel Birch-Lawson aus Großbritannien zu uns.

■ 45, Choreografin, Künstlerin und Tanzlehrerin. Sie lebt seit 1994 in Hamburg und ist die künstlerische Leiterin des Dancekiosks.

Ihr Festival-Motto lautet: „Hier und Jetzt“. Wie setzen Sie es um?

Es bedeutet, dass manche Choreografie sehr kurzfristig, eben hier und jetzt entsteht. Das Stück der Sticky Trace Company wurde beispielsweise erst in den letzten sieben Tagen vor der Aufführung konzipiert. Es ist eben auch ein ganz besonderer künstlerischer Prozess, wenn etwas in einer knappen Zeit entsteht.

Was kann denn der Tanz, was das Sprechtheater nicht kann?

Beim Tanz ist der Körper der zentrale Punkt. Wobei dieser Körper natürlich auch spricht und singt oder sich formulieren kann. Beim Sprechtheater dagegen – manchmal, nicht immer – steht der Körper an zweiter Stelle.

Wie kann man Menschen stärker für den Tanz begeistern?

Es ist schon sehr schwierig Zuschauer für den Tanz zu kriegen. Heutzutage herrscht immer noch das Klischee, dass Tanz ja abstrakt und ohne Thematik sei. Das stimmt aber nicht: Inzwischen hat jeder Choreograf ein bestimmtes Thema. Für mich ist Tanz eine der spannendsten Kunstformen.