WAS MACHT EIGENTLICH... … die Hedonistische Internationale?

Gegen das System antanzen

Latschdemos sind langweilig. Steineschmeißen ist doof. Wirklich Spaß macht Tanzen! Dass dies sogar eine adäquate Protestform sein kann, versucht die Hedonistische Internationale (HI) bei den G-8-Protesten um Heiligendamm zu beweisen. Unter dem Motto „G 8 wegbassen!“ und dem Ziel, den Spaß an die Ostsee zu tragen, nahm die Gruppe, die nach eigener Aussage eine Idee und keine Organisation ist, an der Rostocker Demo teil.

Angesichts des ernsten Demobusiness kein so leichtes Unterfangen. Von „Tanzmobilen“ aus wurde den Protestierenden Techno um die Ohren geblasen. Dabei war es Teilnehmern zufolge nicht nur die einschlägige Feiergemeinde, die getanzt habe – auch ältere Damen hätten enthusiastisch mitgefeiert.

Ende 2006 in Berlin gegründet, fordert die HI: „Freude, Lust, Genuss und ein selbst bestimmtes Leben in Freiheit für alle Menschen.“ Spaß am Protest stehe im Vordergrund, jedoch sei er ernst gemeint: Hedonismus werde nicht als Motor einer dumpfen, materialistischen Spaßgesellschaft, sondern als Chance zur Überwindung des Bestehenden gesehen, heißt es im „Manifest“ der HI. Ihr Sprecher erklärt, der G-8-Gipfel stehe symbolisch für ein „System, das den Menschen den Spaß verdirbt“. Und da sich stramme Hedonisten nicht den Spaß verderben lassen, sind mehrere hundert von ihnen an die Ostsee gefahren. Dort plant die HI – wie es sich zum Abschluss einer großen Party gehört – eine gepflegte Afterhour. Mal sehen, ob auch George W. Bush mit einem Tinnitus nach Hause fahren wird. MILAN TILLICH          FOTO: REUTERS

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