Ehe auf Zeit soll Prostitution eindämmen

Ein Vorschlag des iranischen Innenministers Pur-Mohammadi löst eine Kontroverse über den Umgang mit sexuellen Bedürfnissen aus. Wegen der hohen Arbeitslosigkeit haben viele junge Leute kein Geld für Hochzeit und Familiengründung

Um der erschreckend zunehmenden Prostitution im islamischen Gottesstaat Iran entgegenzuwirken, hat Innenminister Mostafa Pur-Mohammadi vorgeschlagen, zeitlich begrenzte Ehen einzuführen. „Wir müssen uns auf Verstöße und deren Auswirkungen gefasst machen, wenn wir nicht auf praktische Weise auf die sexuellen Bedürfnisse junger Menschen reagieren“, sagte er während eines Vortrags in der heiligen Stadt Ghom.

Der Innenminister musste die Idee nicht erfinden. Zeitehe (Sigheh) und Vielehe wurden ursprünglich im Islam als Möglichkeiten zur Versorgung alleinstehender Frauen eingeführt. Doch in der Islamischen Republik hat sie auch eine andere Funktion. Als im Zuge der islamischen Revolution das Teheraner Stadtviertel Schahre Now (neue Stadt), ähnlich wie St. Pauli in Hamburg, in Brand gesteckt wurde, entstanden unmittelbar danach „islamische Freudenhäuser“, an deren Eingang ein Geistlicher durch kurzzeitige Eheschließung die sexuelle Befriedigung der Männer religiös legalisierte.

Der Islam biete Lösungen für alle menschlichen Probleme und „die zeitliche Ehe ist eine Lösung für diese Art von Problemen“, sagte der Minister, der selbst Geistlicher ist. Die Theologen des Landes sollten seinen Vorschlag prüfen. „Wir müssen keine Angst haben, in einem vom göttlichen Willen regierten Land zeitlich begrenzte Ehen zu fördern.“

Der Vorschlag löste unterschiedliche Reaktionen aus. Der Parlamentsabgeordnete Schahriar Moschiri meinte, Zeitehe und Polygamie seien besser als „sündhafte Beziehungen“ zwischen Frauen und Männern. Die Einführung dieser „Kultur“ sei in einem Land wie Iran, in dem mehrere Millionen alleinstehender Frauen leben, zu empfehlen. Männer, die mehrere Frauen heiraten, müssten dazu aber finanziell in der Lage sein. Wenn eine Frau von einem Mann versorgt werde, bräuchte sie nicht ihren Körper zu verkaufen. Der Abgeordnete Djalal Yahyazadeh lehnte den Vorschlag ab. Von der Möglichkeit der Vielehe oder Zeitehe würden vorwiegend verheiratete Männer Gebrauch machen, argumentierte er. Die Einführung solcher unzeitgemäßen Regelungen würde den Islam diskreditieren.

Das durchschnittliche Heiratsalter liegt zurzeit im Iran bei Männern bei 26,7 Jahren, bei Frauen bei 22,4 Jahren. Es steigert sich pro Jahr um sechs Monate. Der Grund für dieses für iranische Verhältnisse späte Heiratsalter liegt in der hohen Arbeitslosigkeit, die bei jungen Männern bei 30 Prozent liegt. Viele Männer sind aufrund ihrer ökonomischen Verhältnisse nicht in der Lage, Familien zu gründen.

Fatemeh Adjorlu, Sprecherin der Frauenfraktion im islamischen Parlament, meinte zu dem Vorschlag des Innenministers, er würde nicht nur keine Lösung für die Probleme bringen, er würde im Gegenteil zusätzliche Probleme schaffen und viele Frauen ins Unglück stürzen. Denn in Anbetracht des bestehenden Ehe- und Familienrechts und des Sorgerechts könnten sich die Männer nach kurzer Zeit ohne Nachteile von Frauen trennen und sie mit einem oder mehreren Kindern ihrem Schicksal überlassen.