Ministerin für Vergewaltigung

Pauline Nyiramasuhuko ist die einzige weibliche Angeklagte des UN-Ruanda-Tribunals, und sie ist die erste Frau weltweit, die wegen „Vergewaltigung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ vor einem internationalen Gericht gestanden hat. Gestern wurde sie von den Richtern im tansanischen Arusha zu lebenslanger Haft verurteilt.

Heute 65, war Nyiramasuhuko während des Genozids 1994 Ministerin für Familie und Frauenförderung in der Regierung, die die Ermordung von über 800.000 Tutsi organisierte. Als Schulfreundin der späteren Präsidentengattin Agathe Kanziga, die heute im Exil in Frankreich lebt, war sie rasch in der Hutu-Elite Ruandas aufgestiegen und wurde 1992 Ministerin.

In ihrer Heimatregion Butare, die alte Königs- und Universitätsstadt im Süden Ruandas, waren die Tutsi in den ersten Tagen des Völkermords ab dem 7. April 1994 zunächst noch sicher, denn es war die einzige Präfektur mit einem Tutsi-Präfekten. Das duldeten die Machthaber in Kigali nicht lange. Am 19. April wurde der Präfekt abgesetzt, Hutu-Milizen und Soldaten wurden aus Kigali eingeflogen, das Töten begann. In jeder Präfektur gab es damals einen „Minister für Befriedung“, der die Massaker koordinierte. In Butare war dieser Minister eine Ministerin: Pauline Nyiramasuhuko.

Unter ihrer Leitung, so die Anklage, wurden die Tutsi von Butare mit Lautsprecherdurchsagen aufgefordert, sich in ein Stadion zu begeben, wo das Rote Kreuz sie versorgen würde. Stattdessen hätten Interahamwe-Milizen auf Befehl der Ministerin sie getötet; die Frauen unter ihnen wurden zuvor vergewaltigt. Eine Gruppe von 70 Tutsi-Frauen sei im Beisein Nyiramasuhukos erst vergewaltigt, dann mit Benzin übergossen und angezündet worden.

Nach dem Zusammenbruch der Völkermordregierung floh Nyiramasuhuko erst in den Kongo und dann nach Kenia, wo sie 1997 festgenommen und an das UN-Tribunal ausgeliefert wurde. Ihr Prozess war ein Gruppenprozess gegen alle Verantwortlichen für die Massaker in Butare. Ihr Sohn bekam ebenfalls lebenslang, vier andere Angeklagte 20 bis 35 Jahre Haft. Die Massaker in Butare währten zehn Wochen. Der Prozess in Arusha dauerte zehn Jahre.