Umweltschutz ist Heimatschutz!

NEONAZIS Müllsammeln, Bio-Bauernhöfe, Protest gegen Atomkraft und Gentechnik – Ökologie auf rechts

Mit gelben Warnwesten und Tüten in der Hand sammeln die Männer am Rande der Bundesstraße Müll. Die Stadt Neubrandenburg in Mecklenburg-Vorpommern rief im April zum Frühjahrsputz auf. Doch die Helfer sind nicht von der Müllabfuhr, sondern NPD-Mitglieder. Auf der Internetseite des NPD-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern kommentierten die Neonazis ihre Tatkraft: Dank der Einsatzfreude volkstreuer Aktivisten sei die Stadt von einigen großen und kleinen Dreckshaufen gereinigt worden.

Das Engagement der Rechten für die Umwelt beschränkt sich jedoch nicht nur darauf, öffentlichkeitswirksam Müll aufzusammeln. Sie engagieren sich auch in lokalen Bürgerinitiativen. So trat im April Rüdiger Klasen im Rahmen der „Anti-Atom-Woche“ in Schwerin auf. Klasen ist ehemaliger NPD-Vorsitzender im Kreis Hagenow im Westen Mecklenburg-Vorpommerns. Er wurde wegen eines Brandanschlags auf ein Asylbewerberheim in Boitzenburg aus dem Jahre 1992 verurteilt. Als seine politische Vergangenheit bekannt wurde, schlossen ihn die Organisatoren aus dem Anti-Atom-Bündnis aus.

Die Rechtsradikalen mobilisieren auch gegen die Gentechnik. Bei der 2004 im Landkreis Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern gegründeten „Initiative für eine gentechnikfreie Region Nebel/Krakow am See“ besitze die Hälfte der Mitglieder ein NPD-Parteibuch, berichtet Andrea Röpke vom Informationsdienst Blick nach Rechts.

“Umweltschutz ist Heimatschutz!“ plakatiert die NPD im Wahlkampf.

Ist die Leidenschaft der Rechtsradikalen für klassische grüne Inhalte ein Versuch, auf der jüngsten Popularitätswelle grüner Themen zu reiten? Dies sei ein gewichtiger Grund, sagt der Rechtsextremismus-Experte Andreas Speit, allerdings nicht der einzige. “Ökologische Inhalte sind in Teilen der rechten Bewegung tief verwurzelt“, sagt Speit und verweist auf die ländlich und völkisch orientierte Seite der Bewegung. In deren Augen bedrohe die gegenwärtige moderne Industriegesellschaft die kulturellen und biologischen Wurzeln des deutschen Volkes. Laut diesem biologistischen Weltbild werde der organische deutsche Volkskörper jedoch nicht nur von Atomkraft oder genmanipuliertem Saatgut bedroht, sondern auch von volksfremden Einflüssen, wie Zuwanderern. Über dieses Erklärungsmuster schlage die extreme Rechte den Bogen vom Umweltschutz hin zu ihren klassischen rassistischen Inhalten.

Das Magazin mit dem unverfänglichen Namen Umwelt & Aktiv ist laut Speit eines der wichtigen Foren für diese Variante rechten Denkens. Manche der Autoren betreiben Bio-Bauernhöfe oder leben in rechten, ökologischen Landkommunen. Diese streben häufig ein größtmögliches Maß an landwirtschaftlicher Autarkie an. Vor allem in Bayern seien enge Netzwerke vorhanden. Die Höfe vertreiben ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse untereinander. So kann man Äpfel oder Honig beim Gesinnungsgenossen kaufen. Nicht nur ökologisch korrekt – sondern auch ideologisch.