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Manchmal gibt es Wunder

„Hans Dampf“ (D 2014, Regie: Christian Mrasek, Jukka Schmidt)

Sie haben Gelder beantragt, die Filmemacher Christian Mrasek und Jukka Schmidt, so ist das nicht. Der Bescheid der Filmförderungsanstalt, deren Aufgabe es ist, „die Qualität des deutschen Films auf breiter Grundlage zu steigern“, fiel freilich eindeutig aus: „Die Kommission lehnt den Antrag einstimmig ab, da die eingereichten Unterlagen in keiner Weise professionellen Anforderungen entsprechen.“

Siehste mal. Die haben wirklich keine Ahnung. Ist nämlich ganz wunderbar geworden, der „Hans Dampf“ von Mrasek und Schmidt. Mit 50.000 Euro haben sie den Film nun gedreht, das ist natürlich ein Witz. Und dass er so schön gelang, hat sehr viel damit zu tun, dass sie auf das meiste, was die FFA in ihrer Verblendung für professionell hält, gerne verzichten.

Hans tritt einfach ins Bild. Er telefoniert. Dann verschenkt er an zwei zufällig vorbeikommende Kinder sein I-Phone. An eine Französin, der er beim Bänkeaufstellen hilft, verschenkt er ebenso schnell und ebenso zufällig sein Herz. Sie picknicken sehr romantisch am Fluss. Dahinter die Kühltürme eines Atomkraftwerks.

Leider verliert Hans seine Liebe gleich wieder an den besten Freund Ecki in seinem Möchtegernjacuzzi namens African Queen. Dafür bekommt Hans den VW-Bus. So geht das. Es zieht ihm ein bisschen am Herzen. Aber das Leben geht weiter. Er ist ein Hans im Glück. Er trägt eine rote Mütze mit Bommel. Später tauscht er den Bus gegen ein dreirädriges Auto, das tauscht er gegen ein Schlauchboot. Hinab geht es den nicht so reißenden Fluss. Am Ende bleibt ihm an materiellen Gütern rein gar nichts. Da ruft er aus: „So glücklich wie mich gibt es keinen Menschen unter dieser Sonne.“ Man darf ihm das glauben. Es stimmt.

„Hans Dampf“ ist ein Film mit schöner Musik, die nicht zuletzt von Jacques Palminger und den Kings of Dub Rock stammt. Noch schöner sind Textzeilen wie diese: „Wir haben kein Problem, von dem wir erzähl’n woll’n. Wir haben eigentlich gar keins.“ Auch das darf man glauben. Es stimmt. Taucht ein Problem auf, also zum Beispiel die wahren Besitzer des Hauses, dann ist es doch keins. Man kommt da raus, wie man reinkam, mit Chuzpe und Charme.

Und wenn Hans eins ist, dann grundcharmant und tiefenentspannt. Fabian Backhaus schlufft ihn ganz hinreißend hin, rheinisch laid-back, als erwachsenes Kind, das weiß, was es will. Nach Italien nämlich, ins Land, wo die Zitronen blühen. Er hat ein Foto beim Pizzabäcker gekauft, herrliche Landschaft: Das ist das Ziel.

Rheinisches Roadmovie

Jacques Palminger singt: „Lass uns Drogen nehmen und rumfahr’n.“ Drogen nimmt keiner, aber rumgefahren wird schon. „Hans Dampf“ ist ein Roadmovie, oder jedenfalls die rheinische Variante davon: ein Über-Stock-und-Stein-Film.

Darum laufen Hans Leute über den Weg. Nichtitalienische Italiener, die Krocket spielen, zum Beispiel. Und Django (Mario Mentrup), ein echter Schlawiner, den Hans nicht ganz zum guten Leben bekehrt. Fällt auch mal eine Stoffente vom Himmel, die wird dann überm offenen Feuer gegrillt.

Zwischendurch setzt die Spielhandlung aus. Man singt wie im Bollywoodfilm. Zuletzt verliert Hans noch einmal sein Herz. Fee heißt die Frau, von Nina Schwabe gespielt, sie liebt ihn zurück. Manchmal gibt es Wunder, auch im deutschen Kino.

Michel Freerix hat mit „Chronik des Regens“ mal einen ähnlich zauberhaften Film gedreht. Und Matl Findel mit „Alle Zeit der Welt“. Gibt’s nicht auf DVD. Kennt kein Schwein. Dafür gibt keiner Geld. Professionelle Anforderungen, my ass. Aber wenigstens der „Hans Dampf“, der ist jetzt auf DVD raus. Da staunste, blöde Filmförderungsanstalt.

EKKEHARD KNÖRER

■ Die DVD ist ab rund 19 Euro im Handel erhältlich