Doping im Radsport

Die Selbstkontrolleure

Radsportler bekämpfen den Glaubwürdigkeitsverlust, indem sie Blutwerte veröffentlichen. Doch von Möchtegernsaubermann Lance Armstrong ist bislang kein Wert bekannt.

Ganz toll hier, aber mein Blut kriegt Ihr nicht zu sehen: Lance Armstrong in Down Under.  Bild: dpa

Lance Armstrong ist in der Defensive. Der Rückkehrer steht unter Beobachtung. Beinahe jede seiner Pedalumdrehungen bei der Tour Down Under wird dokumentiert. Nach zwei Etappen der Rundfahrt lag er 13 Sekunden hinter dem Gesamtführenden, dem australischen Profi Allan Davis, auf Platz 68. Allen, die es wissen wollen, sagt er, wie toll er das alles und wie gut er sich selbst dabei findet: "O. k.". Nur auf eines wartet die Öffentlichkeit bislang vergeblich. Armstrong hatte angekündigt, sich alle drei Tage von seinem persönlichen Dopingwächter, dem US-Wissenschaftler Don Catlin, testen zu lassen. Die Ergebnisse sollten veröffentlicht werden. Bislang jedoch ist kein Wert bekannt. Schon muss der Dauerverdächtige Exdominator der Szene sich fragen lassen, warum nichts geschieht. Seine Antwort am Dienstag: "Es wäre nicht zutreffend, wenn wir sagen, dass wir nichts veröffentlichen werden."

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Andere sind da weiter. Der frühere T-Mobile-Radler Patrik Sinkewitz, der 2006 als Testosteron-Doper überführt wurde, und der italienische Giro-Sieger von 2006, Ivan Basso, der zugegeben hat, die Dienste des spanischen Eigenblutdoping-Spezialisten Eufemiano Fuentes angefragt zu haben, wollen sich nach ihren Dopingsperren als gläserne Athleten präsentieren. Sie veröffentlichen ihre Blutwerte auf ihren Web-Sites. Sinkewitz kopierte drei Werte aus dem Datenbanksystem der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada). Sein Hämatokritwert, mit dem der Anteil an festen Bestandteilen im Blut angegeben wird, schwankt zwischen 43,9 und 48,3 Prozent. Liegt der Wert über 50 Prozent spricht der Radsportweltverband UCI eine zweiwöchige Schutzsperre aus.

Ivan Basso nimmt es noch genauer. Er dokumentiert beinahe jeden geradelten Kilometer im Training und bei Rennen. So will er seine Blutwerte erklärbar machen. Zurzeit bestreitet er in Argentinien die Tour de San Luis. Höhenmeter, Geschwindigkeit, Außentemperatur, die Herzfrequenz sowie die Leistung, die er via Pedale auf die Straße bringt, sind grafisch dargestellt. Am Montag hat er dazu die Blutwerte eingestellt. Sein Hämatokritwert liegt zwischen 44,9 und 41,4 Prozent. Weit unterhalb jedes Grenzwertes. Auch sein Hämoglobinwert, der die Menge des für den Sauerstofftransport verantwortlichen roten Blutfarbstoffes angibt, ist für einen Ausdauersportler mit 14,3 Gramm/Deziliter außerordentlich niedrig. Beim russischen Biathleten Iwan Tscheresow, der vor zwei Wochen in Oberhof mit einer Schutzsperre belegt worden ist, wurde ein Wert von 18,2 gemessen. Im Mai will Basso beim Giro dItalia wieder ganz groß angreifen. Mit den Werten, die er bislang veröffentlicht hat, kann er sicher einige Zweifler ruhig stellen.

Basso weiß genau, dass viele ihm nicht über den Weg trauen. Er sagt: "Ich weiß, dass viele Radsportler alles richtig gemacht haben, aber ich eben nicht. Deshalb ist es nur richtig, dass die Leute mir nicht in der gleichen Weise vertrauen." Basso und Sinkewitz, der für den zweitklassigen polnischen Rennstall PSK Whirlpool-Author fährt, wollen ihre Rechtschaffenheit unter Beweis stellen, weil sie wissen, dass man ihnen nicht mehr glaubt.

Doch das Vertrauen in die Radsportler ist nicht nur beim Publikum geschwunden. Auch Teams und sportliche Leiter setzen vermehrt auf Kontrolle. Auch ein Lance Armsprong unterwirft sich dem Blutprofilprogramm, mit dem sein Team Astana um Glaubwürdigkeit kämpft. Für Hans-Michael Holczer, der als Chef des untergegangenen Rennstalls Gerolsteiner seine Fahrer, gerade was das Doping betrifft, nie in den Griff bekommen hat, hält indes nichts von den teaminternen Saubermann-Programmen. "Das hilft doch nur beim Versteckspiel. Einziges Ziel sei es, positive Kontrollen zu vermeiden." Um Vermeidung von Doping gehe es indes nicht.

Begeistert ("Bravo!") ist er vom Kontrollprogramm, das der niederländische Rennstall Rabobank aufgelegt hat. Dort werden die Fahrer an der ganz kurzen Leine gehalten. Frauenbesuch im Hotelzimmer wird ebenso mit einer Strafe geahndet wie ein Verstoß gegen Meldeauflagen im Antidopingkampf. Die Radler selbst sind wenig begeistert. Ein Fahrer, der anonym bleiben will, hat gesagt: "Wir werden wie Kinder behandelt nicht wie Spitzenathleten."

 

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