Das ewige verwöhnte Kind

In „Arthur“ von Jason Winer stiehlt Helen Mirren dem britischen Comicstar Russell Brand die Show

Wer hätte gedacht, dass Helen Mirren einmal die gleiche Rolle spielen würde wie einst Sir John Gielgud? In dem Original „Arthur“ war 1981 Dudley Moore der ewig betrunkene und unanständig reiche Titelheld und Gielgud sein Butler, der ihn ständig mit unbewegter Miene aus dem Schlamassel holte. Der kleine, etwas rundliche Moore weckte immer Beschützerinstinkte beim Publikum (in „Ten“ überragte ihn Bo Derek so bedrohlich), und deshalb war ihm die Rolle des völlig unverantwortlich mit seinem Geld herumwerfenden Multimillionärs so perfekt auf den Leib geschrieben. Ihm konnte man buchstäblich nicht böse sein – das ist nun bei Russell Brand leider anders. Bei ihm merkt man, wie sehr er sich darum bemüht, zugleich unausstehlich und liebenswert zu sein. Von Kindheit an hat er immer bekommen, was er wollte – und hat dabei den Ehrgeiz entwickelt, sich immer ausgefallenere Dinge zu wünschen. So sammelt er etwa die Autos von Superhelden und fährt nachts schon mal betrunken mit dem Batmobil durch die Straßen, wo er ein Chaos veranstaltet, das die Polizisten die ihn alle schon sehr gut kennen, nur mit einem müden Lächeln beantworten.

Regisseur Jason Winer hatte offensichtlich viel Spaß daran, sich auszumalen, wie spektakulär jemand sein Geld aus dem Fenster werfen kann und eine Szene, bei der Grand Central in New York für ein Rendezvous völlig leer geräumt wurde, wirkt grandios. Es fällt schwer, sich wirklich Sorgen um Brands Arthur zu machen, wenn er eine reiche Zicke heiraten soll und sich stattdessen in eine arme Fremdenführerin verliebt – aber hier kommt Helen Mirren ins Spiel. John Gielgud war einst Arthurs Butler Hobson , sie ist sein Kindermädchen, und für diese Idee kann man den Drehbuchautor Peter Baynham nur beglückwünschen, denn tatsächlich braucht das ewige Kind ja eher eine Nanny als einen Diener. Helen Mirren bringt die gleiche würdevolle Distanz wie John Gielgud in die Rolle, aber darunter spürt man auch immer den besorgt mütterlichen Blick. Die Szenen von Mirren und Brand sind so nuanciert inszeniert, dass sie zu einem anderen, besseren Film zu gehören scheinen.