Ein Spiel mit der Kernkompetenz

BERLINS LIEBSTE PUNKPOPBAND Man hört die Beatsteaks nicht, um Englisch zu lernen – man hört sie, um einfach eine gute Zeit zu haben. Und das schafft man auch mit dem neuen Album der Band, schlicht „Beatsteaks“ geheißen. Gerade weil es sich an alte Vorgaben hält

Keine Angst, wir können Entwarnung geben: Die Beatsteaks sind nicht plötzlich dem Dubstep verfallen, machen auch keinen Chill-out und haben erst recht nicht den Math-Core oder irgendwas anderes Abgefahrenes für sich entdeckt. Nein, Berlins liebste Punkpopband macht auch auf ihrem siebten Album immer noch das, was sie am besten kann: Punkpop.

Man hätte sich ja tatsächlich Sorgen machen können, dass die Beatsteaks sich womöglich neu erfinden. Oder zumindest ihr Erfolgsrezept grundsätzlich anzweifeln. Denn erstens ist das letzte Studioalbum vor schon mehr als drei Jahren erschienen. Zweitens war Drummer Thomas Götz im Sommer 2012 eine Wendeltreppe hinabgestürzt und hatte sich einen Schädelbruch zugezogen. Nach Krankenhausaufenthalt, monatelanger Reha und Zweifeln, ob er jemals wieder Schlagzeug spielen können würde, kehrte er in die Band zurück. Und drittens trägt das neue, gerade erschienene Werk den schlichten Titel „Beatsteaks“.

Alles Indizien, die auf einen Neuanfang mit anderen Orientierungen hinweisen könnten. Aber zwischen dem aufmunternden „Good Morning“, mit dem Sänger Arnim Teutoburg-Weiß das Album beginnt, und dem „Good Night“ zum Abschluss probieren die Beatsteaks nichts, aber auch gar nichts Neues aus. Eher im Gegenteil: Das Quintett besinnt sich auf seine Wurzeln und beschränkt sich systematisch auf seine Kernkompetenzen.

Das bedeutet vor allem: gitarrenlastiger Indie-Rock, immer noch ausreichend rotzig vorgetragen, dass sich die Punk-Herkunft der Band nicht verleugnet fühlen muss. Dazu Melodien, die man zwar nicht sofort mitsingen kann, aber doch nahezu immer irgendwoher zu kennen scheint. Dass sie auf ihrem letzten Album, „Boombox“, eine unerwartete musikalische Bandbreite demonstrierten, dass sie mit Funk und Soul und sogar mit elektronischen Beats experimentierten, das alles ist nun vergessen. Nur noch der Ska, traditionell der zweite große Einfluss im Schaffen der Band, hält sich weiterhin renitent, und so toben nun durch gemütlich schunkelnde Songs wie „Pass the Message“ satte Bläser. Auch die aktuelle Single „Gentleman of the Year“ setzt auf einen – allerdings vergleichsweise schüchternen – Offbeat, ist aber vor allem in ihrer fluffigen Lockerheit diesem einen Beatsteaks-Song, den man schon ewig und drei Tage kennt, zum Verwechseln ähnlich.

Der Weg zum Ruhm

So lange scheinen die fünf Berliner auch schon über die Maßen erfolgreich zu sein. Längst ist vergessen, dass sich Teutoburg-Weiß und seine Kollegen erst jahrelang als lokale Punk-Heroen durch Berlin schlugen und vornehmlich dafür zuständig waren, die Kreuzberger linksalternative Szene zu bespaßen, wenn die sich mal erholen wollte vom Weltretten, davon, im Görli rumzuhängen oder Demos zu organisieren.

Der Durchbruch für die 1995 gegründete Band kam 2004 mit dem Album „Smack Smash“ und den beiden Hits „Hand in Hand“ und „I Don’t Care as Long as You Sing“. Dabei profitierten die Berliner von einer internationalen Entwicklung, die eingängigen Punkrock von Bands wie Green Day oder The Offspring in die Charts beförderte. Die Beatsteaks wurden zum herausragenden deutschen Vertreter dieses Trends, dafür bei den großen Sommerfestivals gefeiert und von MTV sogar zum „Best German Act“ gekürt. Bald waren sie groß genug, die notorische Familie Ochsenknecht für einen Auftritt in einem Videoclip zu gewinnen.

Ein Jahrzehnt später haben sich die Beatsteaks nun besonnen auf das, was sie damals stark gemacht hat. Jeder Song sprüht vor Energie, während Teutoburg-Weiß nicht weiter anspruchsvolle Zeilen singt wie „don’t leave me far behind“, um die dann verlässlich auf „you’re always on my mind“ zu reimen. Aber man hört die Beatsteaks ja nicht, um Englisch zu lernen, sondern um eine gute Zeit zu haben. Auch hier alles beim Alten.

Ebenso unbewegt ist das Image der Band, nicht nur weil Teutoburg-Weiß, Sänger und Gesicht der Band, trotz seines kürzlich überstandenen 40. Geburtstages immer noch tapfer sein Markenzeichen trägt, eher lächerliche Hütchen. Sorgsam pflegt die Band vor allem jenes bescheidene Auftreten, das dazu geführt hat, dass kaum eine Charakterisierung der Beatsteaks ohne das Attribut „bodenständig“ auskommt. Journalisten lädt die Band in den angemessen räudigen Proberaum, wo Teutoburg-Weiß in seinem sanften Berlinerisch das Musikmachen dann als „Teamsport“ beschreibt und reklamiert, dass die Band „wie blöde“ arbeite. Auch Gitarrist Peter Baumann spricht von „fleißig bleiben und sich anstrengen“, der Rest ergeht sich am liebsten in Fußballmetaphern.

Heute kann man zwar nicht mehr Weltmeister werden, wenn man Fußball nur arbeitet; aber sich auf die guten alten Tugenden besinnen, das hat den Beatsteaks immerhin ein sehr solides neues Album eingebracht.