RAINER SCHÄFER RADIKALE WEINE

Nachdem sein Silvaner gleich mehrmals mit Karacho durch die Qualitätsprüfung gefallen war, stand für Kai Schätzel der Name fest: QuerKopf. Sein Wein, befanden die Prüfer, sei fehlerhaft und erhalte deshalb keine Amtliche Prüfungsnummer – die aber ist notwendig, um ihn als Qualitätswein verkaufen zu können. Schätzel musste die „Etiketten von den Flaschen kratzen“ und den Silvaner zum Landwein abstufen.

Dass sein QuerKopf durch den Qualitäts-TÜV gefallen ist, nimmt der Niersteiner Winzer gelassen: „Es ist ein Extremwein, der aneckt.“ Schätzel, 35, hat mit Maischevergärung experimentiert, dabei werden auch die Schalen und Stiele der Trauben mitvergoren – ein Verfahren, das sonst Rotweinen vorbehalten ist. Aber weil Silvaner gerne zu „mastig“ geraten, will Schätzel den Alkohol reduzieren. Dafür brauche der Wein ein „anderes Gerüst“. Das sollen die Schalen liefern, die bei der Maischevergärung Gerbstoffe und Aromen abgeben – und einen anderen Farbton.

Orange Wine werden diese „Freakweine“ gerne genannt, für manchen Gaumen sind sie eine Zumutung, für andere eine Offenbarung. Mancher Orange Wine sieht aus wie eine abgestandene Urinprobe beim Urologen und schmeckt auch so. Zu dieser Spezies zählt Schätzels Wein keineswegs, er setzt bei der Vergärung Trockeneis ein, um störende oxidative Töne zu vermeiden. Trotzdem verweigert sich der QuerKopf allen Konventionen. Der aus dem Jahrgang 2012 schmeckt noch wie der Biss in eine unreife Frucht – Schätzel empfiehlt, ihn über mehrere Stunden zu dekantieren. Der 2011er lässt erkennen, dass Schätzels Kalkül aufgeht: Es ist ein dichter, spannungsgeladener Silvaner, unterlegt von einer kühlen Mineralik, nach dem gerade skandinavische Sommeliers ganz verrückt sind.

Wer es bequem haben will, trinkt wie immer. Wer etwas erleben will, nimmt den QuerKopf.

QuerKopf 2012, Kai Schätzel, 32 Euro, Bezug über www.schaetzel.de